2012
Die Maya und die Zeitenwende
Die Maya und andere indianischen Volksstämme haben für die jetzige Zeit eine Zeitenwende angekündigt – das Ende eines alten und den Beginn eines neuen Zeitalters. Können die Überlieferungen und Weisheiten der Indianer Amerikas heute wirklich noch hilfreich sein?
Treffpunkt Bogotá
Im Jahr 1997 fliegt der holländische Dokumentarfilmer Wiek Lenssen nach Bogotá in Kolumbien, um an einem Treffen von vierhundert indianischen Häuptlingen und Schamanen aus ganz Amerika im Amazonasgebiet teilzunehmen. Zwei Jahre zuvor hatte er unter schwierigen Bedingungen einen Film über die Papua in Neuguinea gedreht und sich mit aller Kraft für die Rechte der einheimischen Papua in Indonesien eingesetzt, die ihre alte Kultur und den von ihnen bewohnten Regenwald bewahren wollten. Damit hatte er sich als Freund der Ureinwohner erwiesen und schien jetzt auch den Indianern in Amerika vertrauenswürdig genug, um als Europäer das Treffen der Indianer im Amazonasgebiet zu dokumentieren und weltweit bekanntzumachen.
Über das Schamanentum und die Religion der Naturvölker will Wiek Lenssen mehr erfahren, und er hofft, sich weiterhin als Dokumentarfilmer bewähren zu können, der die alten Kulturen der Naturvölker der Menschheit nahebringt. Deshalb läßt er sich auf dieses äußerst abenteuerliche Unternehmen in dem für Europäer hochgefährlichen Kolumbien ein, und er scheut auch nicht frustrierende Bemühungen, um im voraus finanzielle Unterstützung bei Film- und Fernsehanstalten zu finden.
Bogotá ist 1997 ein gefährliches Pflaster! An jeder Straßenecke kann etwas Schlimmes passieren, und in die allerärmsten Teile der Stadt darf man als Weißer überhaupt nicht geraten. In Kolumbien bekämpfen sich seit 1997 das Militär und drei große Guerilla-Armeen, Entführungen sind an der Tagesordnung, um die Ausrüstung der Armeen durch Lösegeld zu finanzieren. Touristen gibt es daher so gut wie gar nicht mehr, und Wiek Lenssen hat ein mulmiges Gefühl, als er in Bogotá zusammen mit Jacques, einem mitgereisten Holländer, der sich selbst zum „Schamanen“ ernannt hat, sein Zimmer in einem Hotel belegt.
Außerdem ist jetzt noch nicht einmal sicher, ob die beiden Holländer an dem Indianertreffen wirklich teilnehmen dürfen; denn bei den Verantwortlichen gibt es offenbar unterschiedliche Ansichten hinsichtlich der Teilnahme der beiden Europäer. Manche der Indianer möchten lieber unter sich bleiben. Doch Jacques macht Mut: Er meint, Zuversicht gebende Stimmen aus dem Jenseits zu vernehmen, und glaubt, daß sie als „Brücken-Personen“ die Hilfe des Universums hätten, auf die sie vertrauen müßten. Und tatsächlich läuft doch noch alles erstaunlich gut: Die beiden Holländer dürfen an dem Indianer-treffen teilnehmen!
Im Camp am Amazonas
Wiek Lenssen auf den Spuren der MayaAllmählich sammeln sich in einem Hotel in Bogotá die angereisten Indianer – teils in ihrer Stammestracht gekleidet – aus Nord-, Süd- und Mittelamerika. Von Bogotá aus geht es mit Flugzeugen des Militärs nach Südkolumbien, nach Araraquara, in das Amazonasgebiet, wo das eigentliche Treffen der vierhundert Indianer aus ganz Amerika stattfinden soll. Und von dem Flughafen in Araraquara aus geht es mit Booten dann weiter zu einer abgelegenen Flußinsel an einem Nebenarm des Amazonas. Die Indianerhäuptlinge, Schamanen sowie Medizinmänner und -frauen sind jetzt hier in einem Camp zusammengekommen, um ihre Überlieferungen und Weisheiten auszutauschen, gemeinsame Rituale zur „Errettung der Erde“ durchzuführen und sich gemeinsam auf ihre Rechte und Pflichten als naturverbundene einheimische Völker zu besinnen.
Aus Kanada sind unter anderem Cree und Dene angereist. Aus den Vereinigten Staaten kommen Apachen, Comanchen, Navajos, Cherokee, Hopis, Pueblos und Nahuas. Aus Mexiko und Guatemala Maya, Zapoteken, Azteken und Huichol-Indianer, aus Südamerika Quechuas, Huaronees, Aymaras, Arhuacos, Kogis und Jivaros. Aus den entlegensten Winkeln des riesigen amerikanischen Kontinents sind sie nun endlich auf einer einsamen Insel im dunklen Amazonas-Dschungel eingetroffen – alles Hinterbliebene vieler einst stolzer Völker, die unter den europäischen Eindringlingen auf ihrem Kontinent schwer gelitten hatten.
Wiek Lenssen weiß, daß es den Indianern auch darum geht, ihre von der Geschichte vergessenen und totgeschwiegenen Kulturen zu retten und weiterzutragen und ihre Besonderheiten – die enge Verbundenheit zur Natur und zu jenseitigen Regionen – mit stolz erhobenem Haupt zu pflegen und der die Natur und die jenseitigen Kräfte vernachlässigenden Kultur der Weißen entgegenzustellen. Deshalb sind auch viele der Indianer mit der Filmdokumentation und der weltweiten Verbreitung ihres Treffens einverstanden. Anführer bei der Indianer-Zusammenkunft ist der kleine Maya-Indianer Don Cirilo, auch genannt „Wandernder Wolf“, der – mit Kopfschmuck aus Pfauenfedern und feuerrotem Mantel prächtig ausstaffiert – die Einführungsrede in dem Camp hält.
Den Indianern geht es darum, ihre von der Geschichte vergessenen und totgeschwiegenen Kulturen zu retten und weiterzutragen.
Der „Wandernde Wolf“
Maya-Tempel in Mittelamerika: Die einst hochentwickelte Kultur ist heute im Hinblick auf die „Zeitenwende“ und das Jahr 2012 wieder stark im Gespräch.„Wandernder Wolf“ schildert, wie er als Maya-Indianer in Guatemala aufwuchs und ihm verboten wurde, seine Kultur zu pflegen, und wie sein Volk vom Militärregime in letzter Zeit massiv verfolgt und niedergemetzelt wurde. Eine Geschichte, die mehr oder weniger zu allen Indianerstämmen Amerikas paßte! Doch nicht Rachegedanken sind es, die in seinen Äußerungen anklingen, sondern, ganz im Gegenteil, sehr versöhnliche Töne: „Brüder und Schwestern, die Zeit des Erwachens ist angebrochen. Wir haben uns hier zusammengefunden, um uns mit der Stärke der heiligen Traditionen, den Zeremonien und Ritualen, mit dem göttlichen Geist und Mutter Erde zu vereinen. Laßt uns gemeinsam unsere Aufgabe bewältigen.
Laßt uns der Welt zurufen, daß wir alle eins sind wie die Finger einer Hand. Wir haben denselben Ursprung und sind verschiedene Wege gegangen, aber wir werden alle von derselben Kraft geleitet. Wir Indianer konnten das Wissen und die heiligen Traditionen erhalten. Jetzt ist es an der Zeit, dieses gemeinsame Wissen für eine gemeinsame Zukunft der gesamten Menschheit freizugeben. Laßt uns als Brüder und Schwestern auf diesem Planeten zusammenleben. Auf daß sie erwachen, auf daß sie alle erwachen! […] Was ich hier zu sagen habe, ist eine Botschaft für die ganze Welt. Wir alle müssen menschlicher werden und unsere Mutter Erde ehren und respektieren. Laßt uns zusammenkommen und zusammenschließen: Rote und Weiße, Schwarze und Gelbe, Reiche und Arme, ob eingeboren oder nicht. Die Prophezeiungen erzählen uns, daß wir alle uns erheben sollen. Wir benötigen das Wissen und die Hilfe aller Völker gemeinsam, aller Kulturen, aller Religionen und Länder, bevor es zu spät ist. Wir sehen unseren Planeten leiden, unter unserer Last gebückt gehen. Millionen Menschen leben in den Städten, sie fühlen nicht mehr, was um sie herum geschieht. Sie werden immer abhängiger von technischen Leistungen und können dann selbst nicht mehr kontrollieren, was sie ins Leben gerufen haben und was das Leben immer schneller macht. Unsere Vorfahren kündigten bereits eine Zeit des Übergangs und der Beschleunigung der Zeit an, die vor der Veränderung der Zeiten kommt. […] Unsere Prophezeiungen sagen, daß vor dem Ende der vierten Sonne und in dem Übergang zu einem neuen Zeitzyklus das alte Wissen wieder zurückkehren wird. Laßt uns das alte Wissen der Ahnen ehren!“ (Wiek Lenssen, „Der Ruf der Mayas“)
Auch andere Indianerhäuptlinge stellen sich bei der Einführungsveranstaltung vor und berichten, wie ihre Vorfahren immer wieder die jetzige Zeit als Zeit der großen Veränderungen angekündigt hatten, als Auftakt zu einer friedlichen und harmonischen Welt. Aus allen Richtungen des amerikanischen Kontinents berichten die Vertreter der Indianervölker von der immer mehr fortschreitenden Zerstörung ihres Lebensraumes und der Natur in Form von gewaltigen Staudämmen und Elektrizitätswerken, Uran- und Steinkohlebergwerken, von großflächigem Kahlschlag, ausufernder Ölgewinnung oder riesigen Monoplantagen für den Weltmarkt. Daß aber die Ausbeutung der Natur und die Mißachtung der Naturvölker gemäß den Vorhersagen der Ahnen jetzt ein Ende habe! Wiek Lenssen ist sehr ergriffen von der Einführungsveranstaltung, und er schwört heimlich unter Tränen, mit einem Dokumentarfilm eine Brücke zu schlagen zwischen der indianischen Welt und dem Rest der Welt.
Drei wichtige Lektionen
Sein heiliges Gelöbnis zur „Errettung“ der Erde und der Indianerkulturen wird jedoch bald auf die Probe gestellt. Die erste Aufgabe, die ihm „das Universum“ offenbar zugeteilt, ist … die Reinigung der verstopften Toiletten, da sonst die Umgebung des Camps verunreinigt wird. Er wird von den Indianern durchaus nicht als „Ehrenperson“ behandelt, und auch Jacques beklagt sich, daß er als „weißer, auserwählter Bruder“, der er zu sein glaubt, nicht genügend beachtet und hofiert wird. Doch Wiek Lenssen begreift natürlich sehr schnell, daß auch derjenige, der Größeres ins Auge faßt, zuerst einmal im Kleinen mit der „Errettung“ der Erde beginnen muß.
Die zweite Lektion, die Wiek Lenssen zu lernen hat, ist die Tatsache, daß es nicht nur gute und freundliche indianische Schamanen gibt, sondern auch bösartige. Zwei Tage lang fühlt er sich wie vollständig gelähmt und fürchtet schon, in Anwesenheit von Hunderten von Medizinmännern jämmerlich zu krepieren. Doch eine Schamanin hat Mitleid mit ihm und macht ihm klar, daß sein indianischer Nachbar in der Hängematte offenbar die Anwesenheit des Europäers bei den Ritualen verhindern will und ihn „verzaubert“, ihm Energie gestohlen hat. Nach kurzer Behandlung durch die Schamanin, wodurch von ihr offenbar „ätherische“ Energie gezielt zur Heilung eingesetzt wird, ist Wiek Lenssen plötzlich wieder völlig beschwerdefrei! Die Schamanin rät ihm, seine geistigen Abwehrkräfte zu aktivieren, damit ihm Gleiches nicht noch einmal passiert. Er müßte sich selbst mehr schützen und sei viel zu offen. Er bräuchte sich nur eine Rosenhecke um sich herum vorzustellen und insgeheim zu denken: „Ich will nicht, daß irgend jemand meine Energie stiehlt.“
Ab jetzt ist Wiek Lenssen auf der Hut! Auch von Jacques, seinem holländischen Begleiter, der sich völlig rücksichtslos überhaupt nicht um ihn gekümmert hatte, als es ihm so schlecht ging, distanziert er sich nun immer mehr. Und sicherlich – das begreift er als dritte Lektion – war dann auch äußerste Vorsicht bei den mitunter sehr wirren und fragwürdigen Kundgebungen der Jenseitigen geboten, die sich mit Hilfe des medial veranlagten Jacques bemerkbar machen konnten und diesen in die Illusion versetzten, ein „auserwählter“ weißer Bruder der Indianer zu sein. Gab es nicht auch viele Sekten, die mit dem Versprechen der „Auserwähltheit“ ihre Mitglieder einfingen? Auf keinen Fall will Wiek Lenssen mit seinem beabsichtigten Dokumentarfilm, der ja auch das spirituelle Bewußtsein der Menschen fördern soll, möglicherweise Handlanger von naiven oder gar dunklen Mächten sein. Stand nicht schon in der Bibel, daß in der Endzeit allerlei falsche Propheten viele Menschen verwirren würden?
Von denjenigen Ritualen der Schamanen, bei denen auch Drogen eingenommen werden, hält sich Wiek Lenssen fern, läßt sich aber von anderen über die Wirkung berichten. Ayahuasca ist ein Extrakt einer Urwaldliane, eine bittere Flüssigkeit, die wie Tee getrunken wird. Es ist eine der stärksten Halluzinogene, die es gibt. Die Amazonas-Indianer verwenden sie, wie sie sagen, um wach zu träumen, um Antworten auf wichtige Lebensfragen zu finden. Sie befinden sich dann angeblich in der vierten Dimension, können ihre Ahnen sehen und mit ihnen reden, können Ereignisse früherer Existenzen noch einmal erleben oder zukünftige Ereignisse erschauen. Ein Schamane macht Wiek Lenssen klar, daß diese Drogen für Indianer „heilige Pflanzen“ sind, die sie mit der „Geisteswelt“ in Verbindung bringen und die nur bei „heiligen Zeremonien“ unter Leitung von erfahrenen Schamanen eingenommen werden, die darauf achten, „daß sich niemand verirrt“. Die Weißen würden dagegen Drogen nur benutzen, um der Realität zu entfliehen – ein himmelweiter Unterschied. So hatte Wiek Lenssen die Sache noch nie gesehen, bleibt aber skeptisch, zumal er erfährt, daß eine bei einer solchen Zeremonie der Indianer anwesende Frau in Panik zu schreien anfing. Ob man nicht doch besser auf diesen „Jenseits-Trip“ verzichten sollte, fragt sich Wiek Lenssen.
(Ich meine, daß man keinerlei künstliche Nachhilfe – beispielsweise durch Drogen oder Hypnose – bei beabsichtigten Jenseits-Erlebnissen verwenden sollte. Es hat schon seinen Grund, daß diese Erlebnisse normalerweise nicht möglich sind, wodurch ein natürlicher Schutz vor unkontrollierbaren Kontakten besteht. Nur wer eine natürliche hellseherische Begabung hat und keine Nachhilfe benötigt, der hat vermutlich auch ausreichenden eigenen Schutz.)
Unter den Schamanen gibt es einige mit erstaunlichen natürlichen Fähigkeiten: Sie können mit Jenseitigen kommunizieren (manchmal auch mit den Naturwesen), sie können ihren grobstofflichen Körper mit ihrem „Seelenkörper“ verlassen oder auf unsichtbare Art und Weise mit Hilfe „ätherischer Energie“ Kräfte ausüben, beispielsweise zu Heilzwecken bei „Operationen“.
„Die Maya-Prophezeiungen sind für den ganzen Planeten gedacht. Eine Periode wird enden, und eine neue wird beginnen.“
„2012 endet das jetzige Zeitalter“
Wiek Lenssen schildert in seinem Buch „Der Ruf der Mayas“ die eindrucksvolle Botschaft des „Wandernden Wolfs“: „Unsere Prophezeiungen sagen, daß vor dem Ende der vierten Sonne und in dem Übergang zu einem neuen Zeitzyklus das alte Wissen wieder zurückkehrt.Der kleine Maya-Priester Don Cirilo – der „Wandernde Wolf“ – hatte Wiek Lenssen in Kolumbien sehr beeindruckt. Nach Europa zurückgekehrt, bemüht er sich jetzt, ihn in Guatemala aufzusuchen, da er ihn zur Hauptperson in seinem Dokumentarfilm über die Indianer machen möchte. Da „Wandernder Wolf“ seinem Namen alle Ehre macht und oft in ganz Amerika unterwegs ist als Koordinator der Indianerstämme, ist es nicht so leicht, einen geeigneten Zeitpunkt für eine Zusammenkunft mit ihm in Guatemala zu finden. Doch 1998 ist es soweit, und Wiek Lenssen landet auf dem Flugplatz von Guatemala-Stadt.
Wie in Bogotá gilt auch hier: Autotüren von innen verriegeln, besser nicht allein durch die Stadt bummeln und ständig auf der Hut vor Überfällen sein, obwohl seit einigen Monaten Frieden herrscht nach einem 40jährigen blutigen Bürgerkrieg, bei dem etwa 150.000 Mayas getötet wurden. Vor kurzem war eine große Versöhnungszeremonie ausgeführt worden, bei der „Wandernder Wolf“ als Vertreter der Maya mit einer Geste der Versöhnung die anwesende Militärspitze Guatemalas umarmt hatte. Für Wiek Lenssen eine Geste unvorstellbarer Größe, wenn man berücksichtigt, wie grausam das Militär häufig gegen völlig unschuldige Maya-Gemeinschaften vorgegangen war.
„Wandernder Wolf“ wohnt im Hochland von Guatemala, einige Autostunden von Guatemala-Stadt entfernt. Er berichtet von der Geschichte der eingeborenen Völker Amerikas, während Wiek Lenssen ihn filmt. (Ein weiteres Interview mit Filmaufnahmen wird im Jahr 2001 bei den Pyramiden von Tikal folgen.) Mehr als einhundert Millionen Eingeborene seien von den Weißen getötet und wie Ungeziefer behandelt worden! Nun aber sei die Zeit gekommen, daß die Indianer sich wieder selbst regieren würden, und zwar nach dem Jahr „Null“, das unmittelbar bevorstünde. 2012 würde das jetzige Zeitalter enden und ein neues folgen.
„Der 21. Dezember 2012 ist der erste Tag des neuen Zyklus. Tag ‚Null‘. Wir befinden uns jetzt in der Zeit des Erwachens. Viele Menschen wachen auf und sehen, daß sie sich falsch orientiert haben. Nach dem Jahr ‚Null‘ wird die Menschheit sich vereinigen. Es wird Respekt für die Erde und Respekt füreinander geben. In ihren großen Büchern, wie im ‚Popul Vuh‘ und in der ‚Chilam Balam‘, haben die Ahnen ihr Wissen hinterlassen. Doch ehe wir zu dem Jahr ‚Null‘ kommen, werden noch viele große und ernste Dinge geschehen. Wir werden in Gefahr sein, wir wissen, daß nicht viele Menschen überleben werden. Und warum nicht? Weil wir nun, da wir vor dem Ende einer Weltära stehen, unsere Beziehung zur Natur verloren haben. Es werden schwere Erdbeben kommen und schwere Überschwemmungen […] Es sind Klimaänderungen, die kommen werden nach dem Jahr ‚Null‘! Die Maya-Prophezeiungen sind nicht nur für die Maya. Sie sind für den ganzen Planeten gedacht. Eine Periode wird enden, und eine neue wird beginnen.“ (Wiek Lenssen, „Der Ruf der Mayas“)
Wiek Lenssen darf in Guatemala auch bei einem Ritual eines Heilers und „Regenmachers“ teilnehmen. Don Julian, berühmter Heiler und Schamane bei den Maya, läßt sich bei seiner Zeremonie, bei der er nach großer Trockenheit von den jenseitigen Mächten Regen erflehen wird, von Wiek Lenssen filmen. Dieser ist skeptisch, ob die Zeremonie von Erfolg gekrönt sein wird. Doch Don Julian, stets freundlich und lächelnd, ist zuversichtlich. Und richtig: Es gibt wenig später drei Tage lang ausgiebigen Regen, was von Wiek Lenssen gefilmt wird und ihn in große Euphorie versetzt, da diese Szene mit dem ergiebigen Regen, der nach langer Trockenheit niederprasselt, in seinem Dokumentarfilm sehr eindrucksvoll wirkt – einem Film, den er nach anfangs großen finanziellen Schwierigkeiten schließlich unter dem Titel „The Year Zero“ doch noch erfolgreich dem europäischen Publikum vorstellen kann.
Man findet bei der Maya-Kultur eine enge Verbundenheit zum Jenseits. Die Maya bitten oftmals die unsichtbaren jenseitigen Naturwesen, die sie auch manchmal als „Götter“ bezeichnen, bei besonderen Zeremonien um Hilfe. Diese Zeremonien, bei denen auch geopfert wird, sollen die Bitte um Hilfe den unsichtbaren Mächten deutlich machen, wobei es wohl nicht so sehr auf die Äußerlichkeiten des Rituals ankommt – obwohl es hier feststehende alte Regeln gibt -, sondern vor allem auf die richtige geistige Einstellung der Beteiligten. Der feste Glaube an die Hilfen und eine demütige Haltung sind wichtig!
Kommt ein neues Zeitalter?
Wie der Übergang in ein neues Zeitalter aussehen soll, ist für Wiek Lenssen allerdings immer noch nicht ganz klar. Denn einerseits spricht „Wandernder Wolf“ von Naturkatastrophen, die sich ereignen sollen, andererseits schildert er „paradiesische Zustände“. Woher hat er seine Weisheiten, fragt sich Wiek Lenssen. Es sind, wie „Wandernder Wolf“ selbst sagt, die Aussagen der Vorfahren der heutigen Maya, nicht seine eigenen Erkenntnisse. Zeitzyklen spielten bei den Vorfahren der Maya stets eine große Rolle, und die Maya gelten daher bei den Indianern Amerikas gewissermaßen als Experten der Zeitberechnungen und Zeitzyklen. Noch heute genießen bei den Maya deren Ahnen eine große Verehrung. Bei Ritualen spricht man mit ihnen und hofft auf Belehrungen und Hilfen. Doch wer garantiert, daß die Vorfahren in allen Punkten „richtig liegen“? Man sollte sich bei solchen Vorhersagen und Belehrungen wohl immer noch ein Fragezeichen erlauben – aber die Aussagen auch nicht leichtfertig beiseite schieben.
Angeblich endet nach Meinung mancher Maya-Experten im Dezember 2012 gemäß der „Langen Zählung“ im Maya-Kalender ein Zeitzyklus von 5126 Jahren. Aber es ist gar nicht sicher, ob das Jahr 2012 richtig errechnet wurde. Bei den Experten gibt es durchaus unterschiedliche Ansichten hinsichtlich des Enddatums im Maya-Kalender (auch das Jahr 1936 wurde beispielsweise genannt), da dieser in richtigen Bezug zu unserem gregorianischen Kalender gesetzt werden muß, was gar nicht so einfach ist.
Heute wird allgemein angenommen, daß die maßgebliche Zeiteinheit „Tun“ im Maya-Kalender 360 Tage umfaßt. Da die alten Maya nach jedem „Tun“ mit einer Zeitdauer von 360 Tagen eine Stele setzten („Tun“ bedeutet „Stein“), und es dann aber anschließend fünf Übergangstage gab, muß man nach meiner Meinung davon ausgehen, daß jedes „Tun“ im Grunde 365 Tage umfaßt (was ungefähr dem Sonnenjahr entsprechen würde). Für eine längere Zeitspanne ergeben sich hierbei schon erhebliche Unterschiede: Der ganze Zeitzyklus würde dann nicht 5126 Jahre, sondern 5200 Jahre dauern. Wenn man davon ausgeht, daß eine korrekte Verwendung der „Langen Zählung“ im Maya-Kalender nur bis zum Ende der klassischen Periode um 900 n. Chr. erfolgte und dann später die Übergangstage nicht mehr berücksichtigt wurden, verschiebt sich das Enddatum der „Langen Zählung“ beispielsweise immerhin um ca. 15 Jahre!
Wenn also auch die allgemein gültige Berechnung des Endzeitdatums „2012“ fragwürdig ist und man sich auch fragen muß, ob das Ende eines Zeitzyklus von 5200 Jahren wirklich so bedeutsam ist, so kann man der weitverbreiteten Erwartung einer Zeitenwende zu jetziger Zeit aus vielen einleuchtenden Gründen dennoch zustimmen. Denn neben den Maya-Prophezeiungen gibt es auch viele sonstige Voraussagen, die auf das Ende des bisherigen Zeitalters und den Beginn eines neuen Zeitalters in jetziger Zeit hinweisen.
Dabei werden aber oftmals keine eindeutigen Zeitangaben gemacht, was unter anderem damit zusammenhängen könnte, daß der ganze Vorgang des Übergangs von einem Zeitalter in das andere einen längeren Zeitraum einnimmt und auch sehr vom gegenwärtigen Denken und Handeln der Menschen beeinflußt wird.
Seherberichte, die im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Werkes „Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft“ entstanden sind, geben auch keine genaue Zeitangabe für den Beginn des neuen Zeitalters, das hier ebenfalls angekündigt wird. In diesen Seherberichten werden neben der Ankündigung von Katastrophen ebenfalls sehr hoffnungsvolle Aussagen zur Zukunft gemacht. In dem Bericht über das Tausende von Jahren zurückliegende, sehr alte Reich der Inkas in Südamerika („Verwehte Zeit erwacht“) erfahren wir beispielsweise, daß auch die Nachfahren der Inkas einstmals als Volk wieder groß und glücklich sein werden auf der Erde, wie es bereits vor Jahrtausenden der Fall gewesen war: „Wenn das Reich des Lichtes auf der Erde aufgerichtet wird, dann wird auch das Inkareich wieder erstehen können, und die Inkas werden nicht die schlechtesten Diener des Lichtes sein.“ Vermutlich gilt diese Aussage auch für viele andere Volksstämme der Erde. Die „Gralsbotschaft“ Abd-ru-shins („Im Lichte der Wahrheit“) läßt ebenfalls keinen Zweifel daran, daß jetzt ein neues Zeitalter bevorsteht, in dem sich die Menschheit nach einem „Gericht Gottes“ zu ihrem eigenen Wohl dem Gotteswillen fügen muß.
Literatur:
Wiek Lenssen, Der Ruf der Mayas, Goldmann Verlag, München 2008
Adrian Gilbert, 21. Dezember 2012, Kopp Verlag, Rottenburg 2007
Birgit F. Carrasco, 2012 – Die große Zeitenwende, Knaur Verlag, München 2008
Peter Ruppel, Maya 2012, Schirner Verlag, Darmstadt 2008
o. V., Verwehte Zeit erwacht, Band 2, Verlag der Stiftung Gralsbotschaft, Stuttgart
Abd-ru-shin, Im Lichte der Wahrheit, Gralsbotschaft, Verlag der Stiftung Gralsbotschaft, Stuttgart
Treffpunkt Bogotá
Im Jahr 1997 fliegt der holländische Dokumentarfilmer Wiek Lenssen nach Bogotá in Kolumbien, um an einem Treffen von vierhundert indianischen Häuptlingen und Schamanen aus ganz Amerika im Amazonasgebiet teilzunehmen. Zwei Jahre zuvor hatte er unter schwierigen Bedingungen einen Film über die Papua in Neuguinea gedreht und sich mit aller Kraft für die Rechte der einheimischen Papua in Indonesien eingesetzt, die ihre alte Kultur und den von ihnen bewohnten Regenwald bewahren wollten. Damit hatte er sich als Freund der Ureinwohner erwiesen und schien jetzt auch den Indianern in Amerika vertrauenswürdig genug, um als Europäer das Treffen der Indianer im Amazonasgebiet zu dokumentieren und weltweit bekanntzumachen.
Über das Schamanentum und die Religion der Naturvölker will Wiek Lenssen mehr erfahren, und er hofft, sich weiterhin als Dokumentarfilmer bewähren zu können, der die alten Kulturen der Naturvölker der Menschheit nahebringt. Deshalb läßt er sich auf dieses äußerst abenteuerliche Unternehmen in dem für Europäer hochgefährlichen Kolumbien ein, und er scheut auch nicht frustrierende Bemühungen, um im voraus finanzielle Unterstützung bei Film- und Fernsehanstalten zu finden.
Bogotá ist 1997 ein gefährliches Pflaster! An jeder Straßenecke kann etwas Schlimmes passieren, und in die allerärmsten Teile der Stadt darf man als Weißer überhaupt nicht geraten. In Kolumbien bekämpfen sich seit 1997 das Militär und drei große Guerilla-Armeen, Entführungen sind an der Tagesordnung, um die Ausrüstung der Armeen durch Lösegeld zu finanzieren. Touristen gibt es daher so gut wie gar nicht mehr, und Wiek Lenssen hat ein mulmiges Gefühl, als er in Bogotá zusammen mit Jacques, einem mitgereisten Holländer, der sich selbst zum „Schamanen“ ernannt hat, sein Zimmer in einem Hotel belegt.
Außerdem ist jetzt noch nicht einmal sicher, ob die beiden Holländer an dem Indianertreffen wirklich teilnehmen dürfen; denn bei den Verantwortlichen gibt es offenbar unterschiedliche Ansichten hinsichtlich der Teilnahme der beiden Europäer. Manche der Indianer möchten lieber unter sich bleiben. Doch Jacques macht Mut: Er meint, Zuversicht gebende Stimmen aus dem Jenseits zu vernehmen, und glaubt, daß sie als „Brücken-Personen“ die Hilfe des Universums hätten, auf die sie vertrauen müßten. Und tatsächlich läuft doch noch alles erstaunlich gut: Die beiden Holländer dürfen an dem Indianer-treffen teilnehmen!
Im Camp am Amazonas
Wiek Lenssen auf den Spuren der MayaAllmählich sammeln sich in einem Hotel in Bogotá die angereisten Indianer – teils in ihrer Stammestracht gekleidet – aus Nord-, Süd- und Mittelamerika. Von Bogotá aus geht es mit Flugzeugen des Militärs nach Südkolumbien, nach Araraquara, in das Amazonasgebiet, wo das eigentliche Treffen der vierhundert Indianer aus ganz Amerika stattfinden soll. Und von dem Flughafen in Araraquara aus geht es mit Booten dann weiter zu einer abgelegenen Flußinsel an einem Nebenarm des Amazonas. Die Indianerhäuptlinge, Schamanen sowie Medizinmänner und -frauen sind jetzt hier in einem Camp zusammengekommen, um ihre Überlieferungen und Weisheiten auszutauschen, gemeinsame Rituale zur „Errettung der Erde“ durchzuführen und sich gemeinsam auf ihre Rechte und Pflichten als naturverbundene einheimische Völker zu besinnen.
Aus Kanada sind unter anderem Cree und Dene angereist. Aus den Vereinigten Staaten kommen Apachen, Comanchen, Navajos, Cherokee, Hopis, Pueblos und Nahuas. Aus Mexiko und Guatemala Maya, Zapoteken, Azteken und Huichol-Indianer, aus Südamerika Quechuas, Huaronees, Aymaras, Arhuacos, Kogis und Jivaros. Aus den entlegensten Winkeln des riesigen amerikanischen Kontinents sind sie nun endlich auf einer einsamen Insel im dunklen Amazonas-Dschungel eingetroffen – alles Hinterbliebene vieler einst stolzer Völker, die unter den europäischen Eindringlingen auf ihrem Kontinent schwer gelitten hatten.
Wiek Lenssen weiß, daß es den Indianern auch darum geht, ihre von der Geschichte vergessenen und totgeschwiegenen Kulturen zu retten und weiterzutragen und ihre Besonderheiten – die enge Verbundenheit zur Natur und zu jenseitigen Regionen – mit stolz erhobenem Haupt zu pflegen und der die Natur und die jenseitigen Kräfte vernachlässigenden Kultur der Weißen entgegenzustellen. Deshalb sind auch viele der Indianer mit der Filmdokumentation und der weltweiten Verbreitung ihres Treffens einverstanden. Anführer bei der Indianer-Zusammenkunft ist der kleine Maya-Indianer Don Cirilo, auch genannt „Wandernder Wolf“, der – mit Kopfschmuck aus Pfauenfedern und feuerrotem Mantel prächtig ausstaffiert – die Einführungsrede in dem Camp hält.
Den Indianern geht es darum, ihre von der Geschichte vergessenen und totgeschwiegenen Kulturen zu retten und weiterzutragen.
Der „Wandernde Wolf“
Maya-Tempel in Mittelamerika: Die einst hochentwickelte Kultur ist heute im Hinblick auf die „Zeitenwende“ und das Jahr 2012 wieder stark im Gespräch.„Wandernder Wolf“ schildert, wie er als Maya-Indianer in Guatemala aufwuchs und ihm verboten wurde, seine Kultur zu pflegen, und wie sein Volk vom Militärregime in letzter Zeit massiv verfolgt und niedergemetzelt wurde. Eine Geschichte, die mehr oder weniger zu allen Indianerstämmen Amerikas paßte! Doch nicht Rachegedanken sind es, die in seinen Äußerungen anklingen, sondern, ganz im Gegenteil, sehr versöhnliche Töne: „Brüder und Schwestern, die Zeit des Erwachens ist angebrochen. Wir haben uns hier zusammengefunden, um uns mit der Stärke der heiligen Traditionen, den Zeremonien und Ritualen, mit dem göttlichen Geist und Mutter Erde zu vereinen. Laßt uns gemeinsam unsere Aufgabe bewältigen.
Laßt uns der Welt zurufen, daß wir alle eins sind wie die Finger einer Hand. Wir haben denselben Ursprung und sind verschiedene Wege gegangen, aber wir werden alle von derselben Kraft geleitet. Wir Indianer konnten das Wissen und die heiligen Traditionen erhalten. Jetzt ist es an der Zeit, dieses gemeinsame Wissen für eine gemeinsame Zukunft der gesamten Menschheit freizugeben. Laßt uns als Brüder und Schwestern auf diesem Planeten zusammenleben. Auf daß sie erwachen, auf daß sie alle erwachen! […] Was ich hier zu sagen habe, ist eine Botschaft für die ganze Welt. Wir alle müssen menschlicher werden und unsere Mutter Erde ehren und respektieren. Laßt uns zusammenkommen und zusammenschließen: Rote und Weiße, Schwarze und Gelbe, Reiche und Arme, ob eingeboren oder nicht. Die Prophezeiungen erzählen uns, daß wir alle uns erheben sollen. Wir benötigen das Wissen und die Hilfe aller Völker gemeinsam, aller Kulturen, aller Religionen und Länder, bevor es zu spät ist. Wir sehen unseren Planeten leiden, unter unserer Last gebückt gehen. Millionen Menschen leben in den Städten, sie fühlen nicht mehr, was um sie herum geschieht. Sie werden immer abhängiger von technischen Leistungen und können dann selbst nicht mehr kontrollieren, was sie ins Leben gerufen haben und was das Leben immer schneller macht. Unsere Vorfahren kündigten bereits eine Zeit des Übergangs und der Beschleunigung der Zeit an, die vor der Veränderung der Zeiten kommt. […] Unsere Prophezeiungen sagen, daß vor dem Ende der vierten Sonne und in dem Übergang zu einem neuen Zeitzyklus das alte Wissen wieder zurückkehren wird. Laßt uns das alte Wissen der Ahnen ehren!“ (Wiek Lenssen, „Der Ruf der Mayas“)
Auch andere Indianerhäuptlinge stellen sich bei der Einführungsveranstaltung vor und berichten, wie ihre Vorfahren immer wieder die jetzige Zeit als Zeit der großen Veränderungen angekündigt hatten, als Auftakt zu einer friedlichen und harmonischen Welt. Aus allen Richtungen des amerikanischen Kontinents berichten die Vertreter der Indianervölker von der immer mehr fortschreitenden Zerstörung ihres Lebensraumes und der Natur in Form von gewaltigen Staudämmen und Elektrizitätswerken, Uran- und Steinkohlebergwerken, von großflächigem Kahlschlag, ausufernder Ölgewinnung oder riesigen Monoplantagen für den Weltmarkt. Daß aber die Ausbeutung der Natur und die Mißachtung der Naturvölker gemäß den Vorhersagen der Ahnen jetzt ein Ende habe! Wiek Lenssen ist sehr ergriffen von der Einführungsveranstaltung, und er schwört heimlich unter Tränen, mit einem Dokumentarfilm eine Brücke zu schlagen zwischen der indianischen Welt und dem Rest der Welt.
Drei wichtige Lektionen
Sein heiliges Gelöbnis zur „Errettung“ der Erde und der Indianerkulturen wird jedoch bald auf die Probe gestellt. Die erste Aufgabe, die ihm „das Universum“ offenbar zugeteilt, ist … die Reinigung der verstopften Toiletten, da sonst die Umgebung des Camps verunreinigt wird. Er wird von den Indianern durchaus nicht als „Ehrenperson“ behandelt, und auch Jacques beklagt sich, daß er als „weißer, auserwählter Bruder“, der er zu sein glaubt, nicht genügend beachtet und hofiert wird. Doch Wiek Lenssen begreift natürlich sehr schnell, daß auch derjenige, der Größeres ins Auge faßt, zuerst einmal im Kleinen mit der „Errettung“ der Erde beginnen muß.
Die zweite Lektion, die Wiek Lenssen zu lernen hat, ist die Tatsache, daß es nicht nur gute und freundliche indianische Schamanen gibt, sondern auch bösartige. Zwei Tage lang fühlt er sich wie vollständig gelähmt und fürchtet schon, in Anwesenheit von Hunderten von Medizinmännern jämmerlich zu krepieren. Doch eine Schamanin hat Mitleid mit ihm und macht ihm klar, daß sein indianischer Nachbar in der Hängematte offenbar die Anwesenheit des Europäers bei den Ritualen verhindern will und ihn „verzaubert“, ihm Energie gestohlen hat. Nach kurzer Behandlung durch die Schamanin, wodurch von ihr offenbar „ätherische“ Energie gezielt zur Heilung eingesetzt wird, ist Wiek Lenssen plötzlich wieder völlig beschwerdefrei! Die Schamanin rät ihm, seine geistigen Abwehrkräfte zu aktivieren, damit ihm Gleiches nicht noch einmal passiert. Er müßte sich selbst mehr schützen und sei viel zu offen. Er bräuchte sich nur eine Rosenhecke um sich herum vorzustellen und insgeheim zu denken: „Ich will nicht, daß irgend jemand meine Energie stiehlt.“
Ab jetzt ist Wiek Lenssen auf der Hut! Auch von Jacques, seinem holländischen Begleiter, der sich völlig rücksichtslos überhaupt nicht um ihn gekümmert hatte, als es ihm so schlecht ging, distanziert er sich nun immer mehr. Und sicherlich – das begreift er als dritte Lektion – war dann auch äußerste Vorsicht bei den mitunter sehr wirren und fragwürdigen Kundgebungen der Jenseitigen geboten, die sich mit Hilfe des medial veranlagten Jacques bemerkbar machen konnten und diesen in die Illusion versetzten, ein „auserwählter“ weißer Bruder der Indianer zu sein. Gab es nicht auch viele Sekten, die mit dem Versprechen der „Auserwähltheit“ ihre Mitglieder einfingen? Auf keinen Fall will Wiek Lenssen mit seinem beabsichtigten Dokumentarfilm, der ja auch das spirituelle Bewußtsein der Menschen fördern soll, möglicherweise Handlanger von naiven oder gar dunklen Mächten sein. Stand nicht schon in der Bibel, daß in der Endzeit allerlei falsche Propheten viele Menschen verwirren würden?
Von denjenigen Ritualen der Schamanen, bei denen auch Drogen eingenommen werden, hält sich Wiek Lenssen fern, läßt sich aber von anderen über die Wirkung berichten. Ayahuasca ist ein Extrakt einer Urwaldliane, eine bittere Flüssigkeit, die wie Tee getrunken wird. Es ist eine der stärksten Halluzinogene, die es gibt. Die Amazonas-Indianer verwenden sie, wie sie sagen, um wach zu träumen, um Antworten auf wichtige Lebensfragen zu finden. Sie befinden sich dann angeblich in der vierten Dimension, können ihre Ahnen sehen und mit ihnen reden, können Ereignisse früherer Existenzen noch einmal erleben oder zukünftige Ereignisse erschauen. Ein Schamane macht Wiek Lenssen klar, daß diese Drogen für Indianer „heilige Pflanzen“ sind, die sie mit der „Geisteswelt“ in Verbindung bringen und die nur bei „heiligen Zeremonien“ unter Leitung von erfahrenen Schamanen eingenommen werden, die darauf achten, „daß sich niemand verirrt“. Die Weißen würden dagegen Drogen nur benutzen, um der Realität zu entfliehen – ein himmelweiter Unterschied. So hatte Wiek Lenssen die Sache noch nie gesehen, bleibt aber skeptisch, zumal er erfährt, daß eine bei einer solchen Zeremonie der Indianer anwesende Frau in Panik zu schreien anfing. Ob man nicht doch besser auf diesen „Jenseits-Trip“ verzichten sollte, fragt sich Wiek Lenssen.
(Ich meine, daß man keinerlei künstliche Nachhilfe – beispielsweise durch Drogen oder Hypnose – bei beabsichtigten Jenseits-Erlebnissen verwenden sollte. Es hat schon seinen Grund, daß diese Erlebnisse normalerweise nicht möglich sind, wodurch ein natürlicher Schutz vor unkontrollierbaren Kontakten besteht. Nur wer eine natürliche hellseherische Begabung hat und keine Nachhilfe benötigt, der hat vermutlich auch ausreichenden eigenen Schutz.)
Unter den Schamanen gibt es einige mit erstaunlichen natürlichen Fähigkeiten: Sie können mit Jenseitigen kommunizieren (manchmal auch mit den Naturwesen), sie können ihren grobstofflichen Körper mit ihrem „Seelenkörper“ verlassen oder auf unsichtbare Art und Weise mit Hilfe „ätherischer Energie“ Kräfte ausüben, beispielsweise zu Heilzwecken bei „Operationen“.
„Die Maya-Prophezeiungen sind für den ganzen Planeten gedacht. Eine Periode wird enden, und eine neue wird beginnen.“
„2012 endet das jetzige Zeitalter“
Wiek Lenssen schildert in seinem Buch „Der Ruf der Mayas“ die eindrucksvolle Botschaft des „Wandernden Wolfs“: „Unsere Prophezeiungen sagen, daß vor dem Ende der vierten Sonne und in dem Übergang zu einem neuen Zeitzyklus das alte Wissen wieder zurückkehrt.Der kleine Maya-Priester Don Cirilo – der „Wandernde Wolf“ – hatte Wiek Lenssen in Kolumbien sehr beeindruckt. Nach Europa zurückgekehrt, bemüht er sich jetzt, ihn in Guatemala aufzusuchen, da er ihn zur Hauptperson in seinem Dokumentarfilm über die Indianer machen möchte. Da „Wandernder Wolf“ seinem Namen alle Ehre macht und oft in ganz Amerika unterwegs ist als Koordinator der Indianerstämme, ist es nicht so leicht, einen geeigneten Zeitpunkt für eine Zusammenkunft mit ihm in Guatemala zu finden. Doch 1998 ist es soweit, und Wiek Lenssen landet auf dem Flugplatz von Guatemala-Stadt.
Wie in Bogotá gilt auch hier: Autotüren von innen verriegeln, besser nicht allein durch die Stadt bummeln und ständig auf der Hut vor Überfällen sein, obwohl seit einigen Monaten Frieden herrscht nach einem 40jährigen blutigen Bürgerkrieg, bei dem etwa 150.000 Mayas getötet wurden. Vor kurzem war eine große Versöhnungszeremonie ausgeführt worden, bei der „Wandernder Wolf“ als Vertreter der Maya mit einer Geste der Versöhnung die anwesende Militärspitze Guatemalas umarmt hatte. Für Wiek Lenssen eine Geste unvorstellbarer Größe, wenn man berücksichtigt, wie grausam das Militär häufig gegen völlig unschuldige Maya-Gemeinschaften vorgegangen war.
„Wandernder Wolf“ wohnt im Hochland von Guatemala, einige Autostunden von Guatemala-Stadt entfernt. Er berichtet von der Geschichte der eingeborenen Völker Amerikas, während Wiek Lenssen ihn filmt. (Ein weiteres Interview mit Filmaufnahmen wird im Jahr 2001 bei den Pyramiden von Tikal folgen.) Mehr als einhundert Millionen Eingeborene seien von den Weißen getötet und wie Ungeziefer behandelt worden! Nun aber sei die Zeit gekommen, daß die Indianer sich wieder selbst regieren würden, und zwar nach dem Jahr „Null“, das unmittelbar bevorstünde. 2012 würde das jetzige Zeitalter enden und ein neues folgen.
„Der 21. Dezember 2012 ist der erste Tag des neuen Zyklus. Tag ‚Null‘. Wir befinden uns jetzt in der Zeit des Erwachens. Viele Menschen wachen auf und sehen, daß sie sich falsch orientiert haben. Nach dem Jahr ‚Null‘ wird die Menschheit sich vereinigen. Es wird Respekt für die Erde und Respekt füreinander geben. In ihren großen Büchern, wie im ‚Popul Vuh‘ und in der ‚Chilam Balam‘, haben die Ahnen ihr Wissen hinterlassen. Doch ehe wir zu dem Jahr ‚Null‘ kommen, werden noch viele große und ernste Dinge geschehen. Wir werden in Gefahr sein, wir wissen, daß nicht viele Menschen überleben werden. Und warum nicht? Weil wir nun, da wir vor dem Ende einer Weltära stehen, unsere Beziehung zur Natur verloren haben. Es werden schwere Erdbeben kommen und schwere Überschwemmungen […] Es sind Klimaänderungen, die kommen werden nach dem Jahr ‚Null‘! Die Maya-Prophezeiungen sind nicht nur für die Maya. Sie sind für den ganzen Planeten gedacht. Eine Periode wird enden, und eine neue wird beginnen.“ (Wiek Lenssen, „Der Ruf der Mayas“)
Wiek Lenssen darf in Guatemala auch bei einem Ritual eines Heilers und „Regenmachers“ teilnehmen. Don Julian, berühmter Heiler und Schamane bei den Maya, läßt sich bei seiner Zeremonie, bei der er nach großer Trockenheit von den jenseitigen Mächten Regen erflehen wird, von Wiek Lenssen filmen. Dieser ist skeptisch, ob die Zeremonie von Erfolg gekrönt sein wird. Doch Don Julian, stets freundlich und lächelnd, ist zuversichtlich. Und richtig: Es gibt wenig später drei Tage lang ausgiebigen Regen, was von Wiek Lenssen gefilmt wird und ihn in große Euphorie versetzt, da diese Szene mit dem ergiebigen Regen, der nach langer Trockenheit niederprasselt, in seinem Dokumentarfilm sehr eindrucksvoll wirkt – einem Film, den er nach anfangs großen finanziellen Schwierigkeiten schließlich unter dem Titel „The Year Zero“ doch noch erfolgreich dem europäischen Publikum vorstellen kann.
Man findet bei der Maya-Kultur eine enge Verbundenheit zum Jenseits. Die Maya bitten oftmals die unsichtbaren jenseitigen Naturwesen, die sie auch manchmal als „Götter“ bezeichnen, bei besonderen Zeremonien um Hilfe. Diese Zeremonien, bei denen auch geopfert wird, sollen die Bitte um Hilfe den unsichtbaren Mächten deutlich machen, wobei es wohl nicht so sehr auf die Äußerlichkeiten des Rituals ankommt – obwohl es hier feststehende alte Regeln gibt -, sondern vor allem auf die richtige geistige Einstellung der Beteiligten. Der feste Glaube an die Hilfen und eine demütige Haltung sind wichtig!
Kommt ein neues Zeitalter?
Wie der Übergang in ein neues Zeitalter aussehen soll, ist für Wiek Lenssen allerdings immer noch nicht ganz klar. Denn einerseits spricht „Wandernder Wolf“ von Naturkatastrophen, die sich ereignen sollen, andererseits schildert er „paradiesische Zustände“. Woher hat er seine Weisheiten, fragt sich Wiek Lenssen. Es sind, wie „Wandernder Wolf“ selbst sagt, die Aussagen der Vorfahren der heutigen Maya, nicht seine eigenen Erkenntnisse. Zeitzyklen spielten bei den Vorfahren der Maya stets eine große Rolle, und die Maya gelten daher bei den Indianern Amerikas gewissermaßen als Experten der Zeitberechnungen und Zeitzyklen. Noch heute genießen bei den Maya deren Ahnen eine große Verehrung. Bei Ritualen spricht man mit ihnen und hofft auf Belehrungen und Hilfen. Doch wer garantiert, daß die Vorfahren in allen Punkten „richtig liegen“? Man sollte sich bei solchen Vorhersagen und Belehrungen wohl immer noch ein Fragezeichen erlauben – aber die Aussagen auch nicht leichtfertig beiseite schieben.
Angeblich endet nach Meinung mancher Maya-Experten im Dezember 2012 gemäß der „Langen Zählung“ im Maya-Kalender ein Zeitzyklus von 5126 Jahren. Aber es ist gar nicht sicher, ob das Jahr 2012 richtig errechnet wurde. Bei den Experten gibt es durchaus unterschiedliche Ansichten hinsichtlich des Enddatums im Maya-Kalender (auch das Jahr 1936 wurde beispielsweise genannt), da dieser in richtigen Bezug zu unserem gregorianischen Kalender gesetzt werden muß, was gar nicht so einfach ist.
Heute wird allgemein angenommen, daß die maßgebliche Zeiteinheit „Tun“ im Maya-Kalender 360 Tage umfaßt. Da die alten Maya nach jedem „Tun“ mit einer Zeitdauer von 360 Tagen eine Stele setzten („Tun“ bedeutet „Stein“), und es dann aber anschließend fünf Übergangstage gab, muß man nach meiner Meinung davon ausgehen, daß jedes „Tun“ im Grunde 365 Tage umfaßt (was ungefähr dem Sonnenjahr entsprechen würde). Für eine längere Zeitspanne ergeben sich hierbei schon erhebliche Unterschiede: Der ganze Zeitzyklus würde dann nicht 5126 Jahre, sondern 5200 Jahre dauern. Wenn man davon ausgeht, daß eine korrekte Verwendung der „Langen Zählung“ im Maya-Kalender nur bis zum Ende der klassischen Periode um 900 n. Chr. erfolgte und dann später die Übergangstage nicht mehr berücksichtigt wurden, verschiebt sich das Enddatum der „Langen Zählung“ beispielsweise immerhin um ca. 15 Jahre!
Wenn also auch die allgemein gültige Berechnung des Endzeitdatums „2012“ fragwürdig ist und man sich auch fragen muß, ob das Ende eines Zeitzyklus von 5200 Jahren wirklich so bedeutsam ist, so kann man der weitverbreiteten Erwartung einer Zeitenwende zu jetziger Zeit aus vielen einleuchtenden Gründen dennoch zustimmen. Denn neben den Maya-Prophezeiungen gibt es auch viele sonstige Voraussagen, die auf das Ende des bisherigen Zeitalters und den Beginn eines neuen Zeitalters in jetziger Zeit hinweisen.
Dabei werden aber oftmals keine eindeutigen Zeitangaben gemacht, was unter anderem damit zusammenhängen könnte, daß der ganze Vorgang des Übergangs von einem Zeitalter in das andere einen längeren Zeitraum einnimmt und auch sehr vom gegenwärtigen Denken und Handeln der Menschen beeinflußt wird.
Seherberichte, die im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Werkes „Im Lichte der Wahrheit – Gralsbotschaft“ entstanden sind, geben auch keine genaue Zeitangabe für den Beginn des neuen Zeitalters, das hier ebenfalls angekündigt wird. In diesen Seherberichten werden neben der Ankündigung von Katastrophen ebenfalls sehr hoffnungsvolle Aussagen zur Zukunft gemacht. In dem Bericht über das Tausende von Jahren zurückliegende, sehr alte Reich der Inkas in Südamerika („Verwehte Zeit erwacht“) erfahren wir beispielsweise, daß auch die Nachfahren der Inkas einstmals als Volk wieder groß und glücklich sein werden auf der Erde, wie es bereits vor Jahrtausenden der Fall gewesen war: „Wenn das Reich des Lichtes auf der Erde aufgerichtet wird, dann wird auch das Inkareich wieder erstehen können, und die Inkas werden nicht die schlechtesten Diener des Lichtes sein.“ Vermutlich gilt diese Aussage auch für viele andere Volksstämme der Erde. Die „Gralsbotschaft“ Abd-ru-shins („Im Lichte der Wahrheit“) läßt ebenfalls keinen Zweifel daran, daß jetzt ein neues Zeitalter bevorsteht, in dem sich die Menschheit nach einem „Gericht Gottes“ zu ihrem eigenen Wohl dem Gotteswillen fügen muß.
Literatur:
Wiek Lenssen, Der Ruf der Mayas, Goldmann Verlag, München 2008
Adrian Gilbert, 21. Dezember 2012, Kopp Verlag, Rottenburg 2007
Birgit F. Carrasco, 2012 – Die große Zeitenwende, Knaur Verlag, München 2008
Peter Ruppel, Maya 2012, Schirner Verlag, Darmstadt 2008
o. V., Verwehte Zeit erwacht, Band 2, Verlag der Stiftung Gralsbotschaft, Stuttgart
Abd-ru-shin, Im Lichte der Wahrheit, Gralsbotschaft, Verlag der Stiftung Gralsbotschaft, Stuttgart
Autor: Peter Fechner
