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Startseite›Themenbereiche›Religion›„Und erlöse uns von dem Übel …“
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Peter Hinrichsen

„Und erlöse uns von dem Übel …“

Eine dänische Kirche birgt einen besonderen Schatz: die Überlieferung von Peter Hinrichsen, der 127 Jahre alt geworden sein soll.

Der Altarraum wurde von dem deutschen Maler und Restaurator August Wilckens (1870–1939) im Jahre 1897 gestaltet.
Der Altarraum wurde von dem deutschen Maler und Restaurator August Wilckens (1870–1939) im Jahre 1897 gestaltet.
In einer abgelegenen Gegend, fernab der großen Menschenströme, befindet sich die alte Kirche von Mögeltondern in Dänemark. Nicht nur, daß diese Kirche geschmückt ist mit prachtvollen Deckenmalereien, wie man sie ansonsten im Norden nicht findet; nicht nur, daß sich, der Kirche anschließend, die älteste Straße mit den ältesten Häusern Dänemarks befindet; nein, diese Kirche bewahrt einen Schatz ganz anderer Art, nämlich die Überlieferung und das Porträt von Peter Hinrichsen.

Dieser starb 1592 angeblich mit 127 Jahren! Nicht alleine sein hohes Alter sicherte ihm einen würdigen Platz in der Kirche, sondern die Sage weiß folgendes zu berichten:

„Als er über 80 Jahre alt war, kam eine große Sturmflut; das Süderdorf ging unter, und die Bewohner flüchteten in die Schloßstraße. Da standen sie verzweifelt in großen Scharen und starrten in die verheerende Flut: der eine hatte seinen Brunnen verstopft; ein anderer hatte seine Tür verrammelt; ein dritter sein Vieh aus dem Stalle gezogen; aber was half das alles, das Wasser stieg und stieg immer höher. Das Porträt von Peter Hinrichsen zeigt einen müden, aber friedlich und bescheiden blickenden Greis, der angeblich das biblische Alter von 127 Jahren erreichte.
Das Porträt von Peter Hinrichsen zeigt einen müden, aber friedlich und bescheiden blickenden Greis, der angeblich das biblische Alter von 127 Jahren erreichte.
Peter Hinrichsen hatte bis dahin noch kein Wort gesagt; aber nun hub er an: ,Leute', sagte er, ,ihr habt vieles versucht, aber das Beste habt ihr versäumt.' – ,Was denn?' fragten sie. ,Zu dem Herrn der Herren zu beten', sagte er. ,So laßt uns das versuchen', sagten sie, ,aber wer soll es tun?' Da riefen mehrere: ,Peter Hinrichsen muß es tun!' Und er war bereit dazu und rief nun mit lauter Stimme: ,Ihr Männer von Mögeltondern, herunter mit den Mützen und fallt auf eure Knie!' Alle knieten nieder, und Peter Hinrichsen sprach mit erhobener Stimme das Vaterunser. Und als er an die siebente Bitte kam, die er mit besonderem Nachdruck sprach, da fing das Wasser an zu sinken. Bis dahin war es langsam aber sicher gestiegen; aber gerade in dem Augenblick fing es langsam zu sinken an und die Gefahr war überstanden.“ (aus: „Schleswig-Holsteiner Sagen“, Gustav Friedrich Meyer, 1929)

Sicher, das 16. Jahrhundert ist voller Phantastereien gewesen. Die einfachen Menschen glaubten viel Unsinn, und die Kirche bemühte jede fromme Legende, um ihre Macht zu festigen. Aber andererseits: Hätte diese Sage fast 500 Jahre „überlebt“, wenn nicht ein Körnchen Wahrheit darin stecken würde?

Reetdach und rote Klinkersteine gehören zu den typischen Merkmalen der Häuser in Mögeltondern.
Reetdach und rote Klinkersteine gehören zu den typischen Merkmalen der Häuser in Mögeltondern.
Mich hat die Sage jedenfalls sehr fasziniert, und ich fuhr hin, um mir die Kirche, die Schloßstraße und das Porträt anzusehen.

„Das Beste habt ihr vergessen …“ Gilt diese Aussage nicht noch heute? Wir werden von Katastrophen heimgesucht, die uns doch innerlich im wahrsten Sinne des Wortes rütteln und schütteln, aber wir haben dem nichts entgegenzusetzen, als auf äußere Sicherheit bedacht zu sein.

Ich bewundere vor allem die Festigkeit, mit der Peter Hinrichsen auftrat, und gehe davon aus, daß diese Überlieferung im Kern wahr ist. „Wer sucht, der wird finden; wer bittet, dem wird gegeben …“ Wer kann schon von sich sagen, daß er in Zeiten der Not und äußeren Bedrängnis in solcher Zuversicht zu Gott und seiner Macht aufschauen kann?


Die Schloßstraße von Mögeltondern zählt zu den ältesten und schönsten Straßen Dänemarks. Einige Häuser stammen noch aus dem 17. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert wurden viele Häuser neu errichtet und erweitert.

In Mögeltondern ist man gern mit dem Fahrrad unterwegs.


Der Altarraum wurde von dem deutschen Maler und Restaurator August Wilckens (1870–1939) im Jahre 1897 gestaltet.
Der Altarraum wurde von dem deutschen Maler und Restaurator August Wilckens (1870–1939) im Jahre 1897 gestaltet.
In einer abgelegenen Gegend, fernab der großen Menschenströme, befindet sich die alte Kirche von Mögeltondern in Dänemark. Nicht nur, daß diese Kirche geschmückt ist mit prachtvollen Deckenmalereien, wie man sie ansonsten im Norden nicht findet; nicht nur, daß sich, der Kirche anschließend, die älteste Straße mit den ältesten Häusern Dänemarks befindet; nein, diese Kirche bewahrt einen Schatz ganz anderer Art, nämlich die Überlieferung und das Porträt von Peter Hinrichsen.

Dieser starb 1592 angeblich mit 127 Jahren! Nicht alleine sein hohes Alter sicherte ihm einen würdigen Platz in der Kirche, sondern die Sage weiß folgendes zu berichten:

„Als er über 80 Jahre alt war, kam eine große Sturmflut; das Süderdorf ging unter, und die Bewohner flüchteten in die Schloßstraße. Da standen sie verzweifelt in großen Scharen und starrten in die verheerende Flut: der eine hatte seinen Brunnen verstopft; ein anderer hatte seine Tür verrammelt; ein dritter sein Vieh aus dem Stalle gezogen; aber was half das alles, das Wasser stieg und stieg immer höher. Das Porträt von Peter Hinrichsen zeigt einen müden, aber friedlich und bescheiden blickenden Greis, der angeblich das biblische Alter von 127 Jahren erreichte.
Das Porträt von Peter Hinrichsen zeigt einen müden, aber friedlich und bescheiden blickenden Greis, der angeblich das biblische Alter von 127 Jahren erreichte.
Peter Hinrichsen hatte bis dahin noch kein Wort gesagt; aber nun hub er an: ,Leute', sagte er, ,ihr habt vieles versucht, aber das Beste habt ihr versäumt.' – ,Was denn?' fragten sie. ,Zu dem Herrn der Herren zu beten', sagte er. ,So laßt uns das versuchen', sagten sie, ,aber wer soll es tun?' Da riefen mehrere: ,Peter Hinrichsen muß es tun!' Und er war bereit dazu und rief nun mit lauter Stimme: ,Ihr Männer von Mögeltondern, herunter mit den Mützen und fallt auf eure Knie!' Alle knieten nieder, und Peter Hinrichsen sprach mit erhobener Stimme das Vaterunser. Und als er an die siebente Bitte kam, die er mit besonderem Nachdruck sprach, da fing das Wasser an zu sinken. Bis dahin war es langsam aber sicher gestiegen; aber gerade in dem Augenblick fing es langsam zu sinken an und die Gefahr war überstanden.“ (aus: „Schleswig-Holsteiner Sagen“, Gustav Friedrich Meyer, 1929)

Sicher, das 16. Jahrhundert ist voller Phantastereien gewesen. Die einfachen Menschen glaubten viel Unsinn, und die Kirche bemühte jede fromme Legende, um ihre Macht zu festigen. Aber andererseits: Hätte diese Sage fast 500 Jahre „überlebt“, wenn nicht ein Körnchen Wahrheit darin stecken würde?

Reetdach und rote Klinkersteine gehören zu den typischen Merkmalen der Häuser in Mögeltondern.
Reetdach und rote Klinkersteine gehören zu den typischen Merkmalen der Häuser in Mögeltondern.
Mich hat die Sage jedenfalls sehr fasziniert, und ich fuhr hin, um mir die Kirche, die Schloßstraße und das Porträt anzusehen.

„Das Beste habt ihr vergessen …“ Gilt diese Aussage nicht noch heute? Wir werden von Katastrophen heimgesucht, die uns doch innerlich im wahrsten Sinne des Wortes rütteln und schütteln, aber wir haben dem nichts entgegenzusetzen, als auf äußere Sicherheit bedacht zu sein.

Ich bewundere vor allem die Festigkeit, mit der Peter Hinrichsen auftrat, und gehe davon aus, daß diese Überlieferung im Kern wahr ist. „Wer sucht, der wird finden; wer bittet, dem wird gegeben …“ Wer kann schon von sich sagen, daß er in Zeiten der Not und äußeren Bedrängnis in solcher Zuversicht zu Gott und seiner Macht aufschauen kann?


Die Schloßstraße von Mögeltondern zählt zu den ältesten und schönsten Straßen Dänemarks. Einige Häuser stammen noch aus dem 17. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert wurden viele Häuser neu errichtet und erweitert.

In Mögeltondern ist man gern mit dem Fahrrad unterwegs.



Autor: Corinna Hübener
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