Pfingsten
Gralsmythos und Gottesglaube
Was hat der Grals-Mythos mit dem Gottesglauben zu tun? Mythologie und Religion werden oft als zwei getrennte Welten betrachtet. Dabei geht es in Wirklichkeit manchmal nur um verschiedene Blickwinkel auf ein und dieselbe Wahrheit. Das ist auch beim „Grals-Mythos“ so.
Am Beginn aller Überlegungen zum Thema, was denn der „Grals-Mythos" mit dem Gottesglauben zu tun hat, steht natürlich die Frage, was der „Heilige Gral“ eigentlich ist. Wir kennen diesen Begriff für ein geheimnisvolles, wunderwirkendes, lebenspendendes Gefäß aus zahlreichen Werken der Film-, Dicht- und Tonkunst – vom Hollywood -Leinwandspektakel bis zum Bühnenweih -Festspiel Richard Wagners; wir wissen, daß die Wurzeln dieses Mythos bis weit zurück in die Geschichte reichen und daß es bereits im Mittelalter eine „Grals-Tradition“ gab.
Seit der französische Dichter Robert de Boron um 1200 seine „Große Geschichte des Grals“ veröffentlichte, bringen viele das Gefäß gedanklich mit der Abendmahlschale in Verbindung, in welcher ein Getreuer des Gottessohnes, Joseph von Arimathia, später, bei der Waschung des Leichnams Jesu, dessen „Kreuzesblut“ aufgefangen haben soll. Die christlichen Kirchen haben sich indes nie dazu durchringen können, den „Heiligen Gral“ in irgendeiner Form ernsthaft in ihr Lehrgebäude aufzunehmen.
Zu ungreifbar, mythologisch entrückt und spekulativ mißbraucht mochte der Begriff erschienen sein. Und so stellt sich bis heute die Frage, ob Gott und Gral tatsächlich etwas miteinander zu tun haben – zwei Begriffe, die man empfindungsgemäß durchaus mit ungreifbar-ursprünglichen, weltentfernten Wirklichkeiten in Verbindung bringen kann.
Tatsächlich finden wir bei der Gegenüberstellung des keltischen Zauberkessels bzw. der späteren Gralssagen mit christlichen Traditionen einige inhaltliche Parallelen, die uns auf die richtige Spur bringen können. Eine Schale bzw. ein Kelch hatte beispielsweise bei dem Abendmahlsgeschehen zentrale Bedeutung...
Geweihte Kessel
Gehen wir dieser Frage vorerst einmal mit einer Suche nach den irdischen Wurzeln des Grals- Mythos nach. Wie es bei tiefgründigen Mythen oft der Fall ist, verlieren sich auch bei den bekannten Gralssagen und -legenden die Wurzeln im Dunkel der Geschichte. Um sie freizulegen, reicht es nicht, sich mit kulturellen Höhepunkten des Mittelalters zu beschäftigen, als der „Gral“, ausgehend von Frankreich, plötzlich zum „Wunderthema“ der abendländischen Literatur wurde.
Die Ursprünge dieses Mythos liegen noch viel weiter in der Vergangenheit, sind im Detail auch gar nicht mehr nachvollziehbar, verknüpfen sich aber bisweilen unverkennbar mit frühen religiösen Bestrebungen. Ungefähr seit dem 6. Jahrhundert vor Christus waren in Mittel- und Westeuropa die Kelten ansässig, die für lange Zeit als das bedeutendste Volk Europas galten, wiewohl sie weder eine ethnische Einheit bildeten, noch einen staatlichen Zusammenschluß.
Allerdings gab es einheitliche kulturelle Traditionen, eine ähnliche Sprache und auch gemeinsame religiöse Kulte. So hatten geweihte Kessel für die Kelten eine besondere Bedeutung; man glaubte an ein lebenspendendes Gefäß der Unsterblichkeit, und die Sehnsucht bzw. Suche nach diesem geheimnisvollen „Zauberkessel“ kam auch in frühen Dichtungen zum Ausdruck.
Manche Forscher vermuten, daß die älteste Version der Gralssage ein kymrisches Gedicht mit dem Titel "Preideu Annwfn" ist, dessen Verfasser vermutlich ein Barde namens Taliesin aus dem 6. Jahrhundert war. In diesem Werk geht es um eine abenteuerliche Fahrt von Männern unter der Führung des Königs Artus nach Annwfn, einer Jenseits- oder Unterwelt der Kelten. Ihr Ziel ist es, den gut bewachten Zauberkessel zu finden.
Der Zusammenhang zwischen diesem keltischen Kessel und dem späteren Gralsgefäß ist natürlich unschwer erkennbar. Hier wie dort geht es um ein Speisungswunder, um eine besondere Labung, die mit dem Leben verbindet, mit anderen Worten: der Quell des Lebens fließt aus der Gralsschale. Die Sehnsucht danach, diesem paradiesischen Brunnen näherzukommen, also ewiges Leben zu erlangen, ist zutiefst menschlich und fand in religiösen Kulten wie in dichterischen Erzählungen ihren Ausdruck.
Abendmahl-Speisung
Aber welche Verbindung gibt es dabei zum Christentum? Hatte der berühmte „Sohn der Stadt Koblenz“, der Mythenforscher und christliche Publizist Joseph von Görres recht, als er im 19. Jahrhundert den Heiligen Gral als „Kern und Mittelpunkt“ der christlichen Mythologie bezeichnete, „aus dem innersten Geist des Christentums empfangen“?
Tatsächlich finden wir bei der Gegenüberstellung des keltischen Zauberkessels bzw. der späteren Gralssagen mit christlichen Traditionen einige inhaltliche Parallelen, die uns auf die richtige Spur bringen können. Eine Schale bzw. ein Kelch hatte beispielsweise bei dem Abendmahlsgeschehen zentrale Bedeutung: „Da sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach es und gab es den Jüngern und sprach: Nehmet, esset. Das ist mein Leib.
Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus. Das ist mein Blut des neuen Testaments, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ (Matth. 26, 26-28) Es waren bedeutungsvolle Worte, die Jesus Christus bei dem letzten gemeinsamen Mahl mit seinen Jüngern wählte – wissend, was nun auf ihn zu – kommen würde.
Ihm war schmerzlich bewußt, daß der Gang nach Golgatha vor ihm lag – und er war bereit, den Kreuzestod auf sich zu nehmen, um damit die Wahrheit des von ihm gebrachten Wortes auch durch das äußerste zu bestätigen. Warum aber brachte Jesus das alles just im Zusammenhang mit einem Mahl zum Ausdruck?
Läßt man theologische Konstrukte wie etwa die Annahme einer substantiellen Anwesenheit Jesu in Brot und Wein (wie sie der katholischen Eucharistiefeier zugrunde liegt) außer acht, dann fällt die Antwort nicht allzu schwer: Die Mission Jesu lag darin, das Wort der Wahrheit zu bringen – und dieses Wort ist Nahrung für den Geist, so wie Brot und Wein, Speise und Trank, unentbehrlich für den Körper sind.
In dieser Speisung mit Ewigkeitswerten liegt eine klare Verbindung zur Gralssage, und es ist dieser symbolische Zusammenhang, der die spätere gedankliche Beziehung zwischen dem Heiligen Gral und der Abendmahlsschale meines Erachtens viel deutlicher prägte als alle Geschichtsforschungen dahingehend, auf welchen verschlungenen Pfaden der Kelch Christi nach dessen Kreuzestod wohin gelangte. ...
Am Beginn aller Überlegungen zum Thema, was denn der „Grals-Mythos" mit dem Gottesglauben zu tun hat, steht natürlich die Frage, was der „Heilige Gral“ eigentlich ist. Wir kennen diesen Begriff für ein geheimnisvolles, wunderwirkendes, lebenspendendes Gefäß aus zahlreichen Werken der Film-, Dicht- und Tonkunst – vom Hollywood -Leinwandspektakel bis zum Bühnenweih -Festspiel Richard Wagners; wir wissen, daß die Wurzeln dieses Mythos bis weit zurück in die Geschichte reichen und daß es bereits im Mittelalter eine „Grals-Tradition“ gab.
Seit der französische Dichter Robert de Boron um 1200 seine „Große Geschichte des Grals“ veröffentlichte, bringen viele das Gefäß gedanklich mit der Abendmahlschale in Verbindung, in welcher ein Getreuer des Gottessohnes, Joseph von Arimathia, später, bei der Waschung des Leichnams Jesu, dessen „Kreuzesblut“ aufgefangen haben soll. Die christlichen Kirchen haben sich indes nie dazu durchringen können, den „Heiligen Gral“ in irgendeiner Form ernsthaft in ihr Lehrgebäude aufzunehmen.
Zu ungreifbar, mythologisch entrückt und spekulativ mißbraucht mochte der Begriff erschienen sein. Und so stellt sich bis heute die Frage, ob Gott und Gral tatsächlich etwas miteinander zu tun haben – zwei Begriffe, die man empfindungsgemäß durchaus mit ungreifbar-ursprünglichen, weltentfernten Wirklichkeiten in Verbindung bringen kann.
Tatsächlich finden wir bei der Gegenüberstellung des keltischen Zauberkessels bzw. der späteren Gralssagen mit christlichen Traditionen einige inhaltliche Parallelen, die uns auf die richtige Spur bringen können. Eine Schale bzw. ein Kelch hatte beispielsweise bei dem Abendmahlsgeschehen zentrale Bedeutung...
Geweihte Kessel
Gehen wir dieser Frage vorerst einmal mit einer Suche nach den irdischen Wurzeln des Grals- Mythos nach. Wie es bei tiefgründigen Mythen oft der Fall ist, verlieren sich auch bei den bekannten Gralssagen und -legenden die Wurzeln im Dunkel der Geschichte. Um sie freizulegen, reicht es nicht, sich mit kulturellen Höhepunkten des Mittelalters zu beschäftigen, als der „Gral“, ausgehend von Frankreich, plötzlich zum „Wunderthema“ der abendländischen Literatur wurde.
Die Ursprünge dieses Mythos liegen noch viel weiter in der Vergangenheit, sind im Detail auch gar nicht mehr nachvollziehbar, verknüpfen sich aber bisweilen unverkennbar mit frühen religiösen Bestrebungen. Ungefähr seit dem 6. Jahrhundert vor Christus waren in Mittel- und Westeuropa die Kelten ansässig, die für lange Zeit als das bedeutendste Volk Europas galten, wiewohl sie weder eine ethnische Einheit bildeten, noch einen staatlichen Zusammenschluß.
Allerdings gab es einheitliche kulturelle Traditionen, eine ähnliche Sprache und auch gemeinsame religiöse Kulte. So hatten geweihte Kessel für die Kelten eine besondere Bedeutung; man glaubte an ein lebenspendendes Gefäß der Unsterblichkeit, und die Sehnsucht bzw. Suche nach diesem geheimnisvollen „Zauberkessel“ kam auch in frühen Dichtungen zum Ausdruck.
Manche Forscher vermuten, daß die älteste Version der Gralssage ein kymrisches Gedicht mit dem Titel "Preideu Annwfn" ist, dessen Verfasser vermutlich ein Barde namens Taliesin aus dem 6. Jahrhundert war. In diesem Werk geht es um eine abenteuerliche Fahrt von Männern unter der Führung des Königs Artus nach Annwfn, einer Jenseits- oder Unterwelt der Kelten. Ihr Ziel ist es, den gut bewachten Zauberkessel zu finden.
Der Zusammenhang zwischen diesem keltischen Kessel und dem späteren Gralsgefäß ist natürlich unschwer erkennbar. Hier wie dort geht es um ein Speisungswunder, um eine besondere Labung, die mit dem Leben verbindet, mit anderen Worten: der Quell des Lebens fließt aus der Gralsschale. Die Sehnsucht danach, diesem paradiesischen Brunnen näherzukommen, also ewiges Leben zu erlangen, ist zutiefst menschlich und fand in religiösen Kulten wie in dichterischen Erzählungen ihren Ausdruck.
Abendmahl-Speisung
Aber welche Verbindung gibt es dabei zum Christentum? Hatte der berühmte „Sohn der Stadt Koblenz“, der Mythenforscher und christliche Publizist Joseph von Görres recht, als er im 19. Jahrhundert den Heiligen Gral als „Kern und Mittelpunkt“ der christlichen Mythologie bezeichnete, „aus dem innersten Geist des Christentums empfangen“?
Tatsächlich finden wir bei der Gegenüberstellung des keltischen Zauberkessels bzw. der späteren Gralssagen mit christlichen Traditionen einige inhaltliche Parallelen, die uns auf die richtige Spur bringen können. Eine Schale bzw. ein Kelch hatte beispielsweise bei dem Abendmahlsgeschehen zentrale Bedeutung: „Da sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach es und gab es den Jüngern und sprach: Nehmet, esset. Das ist mein Leib.
Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus. Das ist mein Blut des neuen Testaments, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.“ (Matth. 26, 26-28) Es waren bedeutungsvolle Worte, die Jesus Christus bei dem letzten gemeinsamen Mahl mit seinen Jüngern wählte – wissend, was nun auf ihn zu – kommen würde.
Ihm war schmerzlich bewußt, daß der Gang nach Golgatha vor ihm lag – und er war bereit, den Kreuzestod auf sich zu nehmen, um damit die Wahrheit des von ihm gebrachten Wortes auch durch das äußerste zu bestätigen. Warum aber brachte Jesus das alles just im Zusammenhang mit einem Mahl zum Ausdruck?
Läßt man theologische Konstrukte wie etwa die Annahme einer substantiellen Anwesenheit Jesu in Brot und Wein (wie sie der katholischen Eucharistiefeier zugrunde liegt) außer acht, dann fällt die Antwort nicht allzu schwer: Die Mission Jesu lag darin, das Wort der Wahrheit zu bringen – und dieses Wort ist Nahrung für den Geist, so wie Brot und Wein, Speise und Trank, unentbehrlich für den Körper sind.
In dieser Speisung mit Ewigkeitswerten liegt eine klare Verbindung zur Gralssage, und es ist dieser symbolische Zusammenhang, der die spätere gedankliche Beziehung zwischen dem Heiligen Gral und der Abendmahlsschale meines Erachtens viel deutlicher prägte als alle Geschichtsforschungen dahingehend, auf welchen verschlungenen Pfaden der Kelch Christi nach dessen Kreuzestod wohin gelangte. ...
Das Pfingstfest
Und noch eine weitere ureigen christliche Überlieferung verbindet sich dem Speisungs-Geschehen, wie es die Grals-Mythologie offenbart: das Pfingstfest, das in Erinnerung an die „Herabkunft“ beziehungsweise „Ausgießung des Heiligen Geistes“ gefeiert wird.
Die Apostelgeschichte des Lukas schildert in beeindruckenden Bildern, was den Jüngern Jesu in Jerusalem, einige Wochen nach dem Abscheiden ihres Herrn widerfuhr: „Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmütig beieinander.
Und es geschah schnelle ein Brausen vom Himmel, wie ein gewaltiger Wind, und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen. Und man sah an ihnen Zungen verteilet, als wären sie feurig. Und sie senkten sich auf einen jeglichen unter ihnen herab, und alle wurden voll des Heiligen Geistes und fingen an zu predigen …“ (Apg. 2, 1-4).
In der Folge schildert die Bibel, wie die Jünger, erfüllt von der „Feuerkraft des Heiligen Geistes“ in einer begeisternden Art und Weise von den „großen Taten Gottes“ redeten, so daß sie selbst von Menschen mit anderer Muttersprache verstanden wurden. Sie waren beflügelt, hinauszutreten und von der Allmacht Gottes zu künden – in einer Weise, daß alle davon angesprochen wurden, wodurch sich eine Prophezeiung Jesu erfüllte: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, welcher auf Euch kommen wird.
Und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem.“ (Apg. 1, 8). Diese Ankündigung hatte übrigens nichts mit der Prophezeiung Jesu zum „Geist der Wahrheit“ (Joh. 16, 12-14) zu tun, der zur Zeit des Weltgerichts kommt. Aber was war es, das die zu Jerusalem versammelten Jünger da innerlich erfuhren? Ein Wunder?
Griff der Schöpfer in diesem Moment auf ganz besondere Weise ins Welt geschehen ein, um einigen wenigen Menschen ein herausragendes Erleben zu ermöglichen – und erinnern uns die Pfingstfeiertage an dieses einmalige Geschehen? Wohl kaum, denn alle Vorstellungen über ein willkürliches Wunderwirken Gottes entstammen einem fragwürdigen, ja, grundsätzlich falschen Bild vom Schöpfer.
Dieser wird in Wirklichkeit immer nur im Rahmen seiner Schöpfungsgesetze wirken, da jedes in der Natur gültige Gesetz nichts anderes ist als der Ausdruck Seines allumfassenden, vollkommenen – und daher unabänderlichen – Willens. Vor diesem Hintergrund wäre anzunehmen, daß auch die sogenannte Kraftausgießung zu Pfingsten ein gesetzmäßiges Ereignis war und sich als großes geistiges Geschehen weder zeitlich noch räumlich beschränkt vollzog.
Darf man also vermuten, daß sich die „Ausgießung durch den Heiligen Geist“ nicht nur einmal ereignete, sondern regelmäßig vollzieht? Daß sie nicht auf die zu Jerusalem versammelte Jüngerschar beschränkt war, sondern heute wie ehedem eine allumfassende Bedeutung hat – auch für uns?
Daß die Getreuen Jesu gegenüber der spirituell unterentwickelten Menschheit des 21. Jahrhunderts nur den Vorzug genossen, diesen geistigen Kraftstrom an jenem Tag durch ihr geöffnetes Inneres bewußt erleben zu können? Liegt darin das eigentliche Geheimnis des Pfingstfestes?
Interessant ist, daß dieser naheliegende Gedanke aus dem Grals-Mythos eine bedeutende Bestätigung erfährt: Ein zentrales Geschehen darin ist die regelmäßige „Enthüllung des Grals“, mit der eine Kraftausgießung bzw. lebenspendende „Speisung“ einhergeht, wobei dieses Ereignis ebenfalls mit dem Erscheinen der Taube – das ist die sichtbare Form des Heiligen Geistes – in Zusammenhang gebracht wird.
Richard Wagner läßt seinen „Lohengrin“ von der alljährlichen Enthüllung des Grals und der „wunderkräftigen“ Speisung der Gralsritter in der Gralsburg berichten, die sich durch das „höchste Heiligtum“ vollzieht, von dem es heißt: „Alljährlich naht vom Himmel eine Taube Um neu zu stärken seine Wunderkraft: Es heißt der Gral, und selig reinster Glaube Erteilt durch ihn sich seiner Ritterschaft.“ Die enge Verbindung des Grals- Mythos, der in der weiten Sagenwelt rund um König Artus seine literarische Heimat fand, mit der christlichen Pfingsttradition klingt übrigens auch im Werk „Iwein“ an, in dem der Thüringer Minnesänger Hartmann von Aue den legendären König Artus als den „pfingstlichen König“ bezeichnete.
Die Enthüllung des Grals
Alles in allem betrachtet , drängt sich der Gedanke an einen gemeinsamen Urgrund für christlich- religiöse Überlieferungen und Gralssagen auf. Gibt es also – wenn auch nicht in der physischen Wirklichkeit, so doch in einer höheren Schöpfungsebene – tatsächlich so etwas wie einen „Born des Lebens“, einen „Brunnen des lebendigen Wassers“, einen „Heiligen Gral“, der mit dem schöpferischen „Heiligen Geist“ in Verbindung steht?
Einen Quell, aus dem zur Erhaltung allen Lebens in der Schöpfung regelmäßig Kraftwellen strömen – als heiliges „Pfingstgeschehen“ und Speisungswunder, dessen Erahnen in den vielfältigen Mythen, Dichtungen und Kulten zum Ausdruck kommt?
Abd-ru-shin sagt dazu in seiner Gralsbotschaft Ja und erhellt den Bezug der Gralssagen und -legenden zum Pfingstgeschehen mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit einer regelmäßig sich wiederholenden Krafterneuerung für die Schöpfung, die sich über den Heiligen Gral vollzieht. Dieser ist demnach der einzige „Verbindungspunkt der Schöpfung mit dem Schöpfer“, der „Ausgangspunkt göttlicher Kraft.“ Und über den weltbewegenden Moment der „Enthüllung des Grals“ heißt es (Vortrag „Der Heilige Gral“): "Von Zeit zu Zeit erscheint nun an dem Tag der Heiligen Taube die Taube über dem Gefäß als erneutes Zeichen der unwandelbaren göttlichen Liebe des Vaters.
Es ist die Stunde der Verbindung, die Krafterneuerung bringt. Die Hüter des Grales empfangen sie in demutvoller Andacht und vermögen dann diese erhaltene Wunderkraft weiterzugeben. Daran hängt das Bestehen der ganzen Schöpfung! Es ist der Augenblick, in dem im Tempel des Heiligen Grales des Schöpfers Liebe strahlend sich ergießt zu neuem Sein, zu neuem Schaffensdrange, der pulsschlagartig abwärts durch das ganze Weltall sich verteilt.
Ein Beben geht dabei durch alle Sphären, ein heiliges Erschauern ahnungsvoller Freude, großen Glückes. Nur der Geist der Erdenmenschen steht noch abseits, ohne zu empfinden, was gerade ihm dabei geschieht, welch unermeßliches Geschenk er stumpfsinnig entgegennimmt, weil seine Selbsteinengung im Verstande das Erfassen einer derartigen Größe nicht mehr zuläßt.
Es ist der Augenblick der Lebenszufuhr für die ganze Schöpfung! Die stete, notwendige Wiederkehr einer Bestätigung des Bundes, den der Schöpfer seinem Werke gegenüber hält. Würde diese Zufuhr einmal abgeschnitten, bliebe sie aus, so müßte alles Seiende langsam vertrocknen, altern und zerfallen. Es käme dann das Ende aller Tage, und nur Gott selbst verblieb, wie es im Anfang war!
Weil Er allein das Leben ist. (…) Der Mensch sollte davon abkommen, den Heiligen Gral nur als etwas Unfaßbares zu betrachten; denn er besteht wirklich! Es ist aber dem Menschengeiste durch dessen Beschaffenheit versagt, ihn jemals erschauen zu können.
Den Segen jedoch, der von ihm ausströmt und der von den Hütern des Grales weitergegeben werden kann und auch weitergegeben wird, können die Menschengeister empfangen und genießen, wenn sie sich dafür öffnen.“ Gott und Gral – nicht umsonst weist unsere Empfindung bei diesen Begriffen in eine ähnliche Richtung, denn der Heilige Gral als „höchste Stelle“ der Schöpfung bildet das – für uns immerdar undurchschreitbare Tor zur göttlichen Sphäre des Schöpfers. (...)
Autor: Werner Huemer
