Partnerschaft
Konflikte mit Liebe lösen
Immer mehr Beziehungen scheitern, Ehen werden geschieden, Freundschaften zerbrechen. Können wir uns überhaupt noch verständigen? Den anderen verstehen und uns selbst verständlich machen? Wie gelingt es, die eigentlichen Ursachen zu erkennen und Konflikte auszutragen?
Das Wesen der Liebe erkennen
Glück tritt als Nebeneffekt auf, wenn der Mensch ein sinnerfülltes Leben führt. Wird Glück direkt angestrebt, gibt es leicht Probleme.Die Grundlage gesunder, tragfähiger und dauerhafter Beziehungen ist die Liebe, darin sind wir uns sicher einig. Man hört oder liest jedoch schnell über den Begriff der Liebe hinweg, er ist abgegriffen, zu oft benutzt, so daß ein inneres Bild davon in unserer Seele nicht mehr nachschwingt. Wenn ich nun auch noch die viel zitierte Aussage Jesu, besser gesagt, seine Aufforderung: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“ herausgreife und in den Mittelpunkt stelle, so werden manche vielleicht denken: „Nicht schon wieder!“ – und andere: „Das ist ja schön und gut, aber wie setze ich es um?“
Kann es nicht sein, daß wir dieses Wort Jesu über Jahrhunderte hinweg nicht richtig erfaßt, es mißverstanden und daher auch mißbraucht haben? Es fällt uns zusehends schwer, im Zuge der Verflachung unserer Sprache und damit unseres Denkens und Fühlens Begriffe in der Tiefe wirklich durchzuempfinden.
Betrachten wir die Bibel einmal genauer, so ist festzustellen, daß alle Aussagen Jesu auf den Menschengeist bezogen sind, das heißt nicht auf seinen Verstand, nicht auf seine Gefühle oder sein äußerliches Leben, wie viele annehmen, sondern auf seinen innersten, lebendigen Kern, der geistig ist.
Dieser innerste Kern, der Geist also, trägt alle Fähigkeiten in sich, die zum eigentlichen Menschsein gehören, zum Beispiel die Fähigkeit zu lieben, zu vertrauen, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und vieles mehr.
Es ist unsere Aufgabe, ja unser Auftrag als Mensch, diese Fähigkeiten zu entwickeln und zu leben und damit die Schöpfung zu fördern. Wenn es also heißt: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“, so macht dieser Satz aus meiner Sicht nur Sinn, wenn man das Wort „wie“ nicht versteht als „genauso wie“, sondern als „sowie auch“, „und auch“, also: „Liebe Deinen Nächsten und auch Dich selbst!“ Und das bedeutet nach dem vorher Gesagten: „Gib dem Innersten des anderen Raum zum Leben, Raum zur Entfaltung – und Deinem eigenen Innersten auch!“
Viktor Frankl, der bekannte Wiener Psychiater und Begründer der Logotherapie, sagt unter anderem zum Thema Liebe: „Liebe ist jene Beziehung von Mensch zu Mensch, die uns instandsetzt, des Partners in seiner ganzen Einmaligkeit und Einzigartigkeit gewahr zu werden.“
Und dazu ergänzt Elisabeth Lukas, eine Schülerin Viktor Frankls: „Erst die echte, wahre Liebe dringt zur personalen Besonderheit eines anderen Menschen vor und wird dessen unvergleichlichen Wesens gewahr. Sie erkennt sein Innerstes, sein Verborgenstes und – knospenhaft – sein Schönstes.“
Liebe hat also damit zu tun, den anderen zu erkennen – zum einen so, wie er ist, und zum anderen so, wie er mit seinen besten Möglichkeiten sein könnte. Und diese Grundhaltung gibt ihm einen helfenden, unterstützenden Boden, sich zu verändern, sofern er selbst dazu bereit ist.
Ich bin überzeugt davon, daß Beziehungen oft auseinanderbrechen, weil wir bis zu diesem innersten Kern selten vordringen und weder uns selbst, noch dem anderen wirklich Raum zum Leben geben. Statt dessen bleiben wir meistens an den äußeren Schichten hängen, bewerten Äußerlichkeiten wie Aussehen, Verhaltensweisen, Fehler, Schwächen oder Stärken und machen davon unsere Zuneigung abhängig.
Wenn der andere Verhaltensweisen zeigt, die nicht in unser persönliches Bewertungssystem passen, entziehen wir ihm oft unsere Unterstützung und Zuwendung. Das Ergebnis dieses Verhaltens müssen wir täglich bitter erleben, im kleinen wie im großen. Wir können uns nicht mehr verständigen! Erst wenn wir bereit sind, uns zu öffnen und zu erspüren, wie der andere sein könnte, seine Art erfassen und sie leben lassen, schaffen wir die Voraussetzung für eine gelebte Mitmenschlichkeit.
Das Wesen des Menschen erkennen
Der Geist ist der Kern des Menschen, Seele und Körper sind Umhüllungen für diesen Wesenskern.Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie, wurde weithin bekannt u. a. durch sein Buch „Trotzdem Ja zum Leben sagen“. Frankl war Jude und mußte während des Zweiten Weltkriegs vier Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern verbringen.
Das erwähnte Buch ist ein überwältigendes Zeugnis davon, wie man trotz entsetzlichster, unmenschlichster Bedingungen den Glauben daran nicht verliert, ja vertieft, daß das Leben von höherer Hand geführt ist und seinen Sinn niemals verliert.
Das revolutionär Neue in Frankls Seelenheilkunde ist, daß er das Geistige im Menschen als das erkannte, was den Menschen zum Menschen macht. Und der Kern von Frankls Arbeit mit Menschen war, dieses Geistige wieder wachzurufen, anzusprechen und zu stärken.
Denn nur darin liegt die Möglichkeit, den Schwierigkeiten, Störungen und Schwächen etwas entgegenzusetzen und mit ihnen fertig zu werden. Also eine rein aufbauende und fördernde Seelenheilkunde, die nicht an der Vergangenheit und den Schwächen hängenbleibt.
Frankls Grundaussagen zum Menschsein lassen sich wie folgt zusammenfassen und kommentieren:
– Menschsein ist Personsein Das Wort „personare“ bedeutet: durchtönen. Was kann geistig damit gemeint sein, was ist es, das uns durchtönt? Liegt es nicht nahe, daß es der Schöpfungswille, der Wille Gottes ist, der uns durchtönt? Aus diesem Begriff der Person allein wird bereits unsere Aufgabe als Mensch deutlich, nämlich als „Durchtönter“ hinhören zu lernen, auf das zu lauschen, was uns durchtönt, uns zu öffnen, um den Schöpfungswillen, der sich in den Naturgesetzen offenbart, zu hören und zu erkennen.
– Zum Menschsein gehört Freiheit Das bedeutet die Freiheit, Entscheidungen zu treffen. Wir sind aufgerufen, in jeder Situation, bei allen Einengungen, die wir selbst veranlaßt haben, den Freiraum und die Möglichkeiten, die wir trotzdem haben, zu sehen und zu nutzen, auch wenn sie manchmal noch so klein sind. Selbst in schwerstem, unveränderbarem Leid gibt es diesen Freiraum, und zwar in der inneren Einstellung zu dem Leid. Dabei geht es darum, den Blick von der Störung weg hin zu den Möglichkeiten zu lenken. Und es werden sich neue Wege auftun.
- Auch Verantwortung ist spezifisch menschlich Wir wissen: Verantwortung heißt, wir müssen die Folgen unserer freien Entscheidungen tragen. In dem Wort Ver-antwort-ung ist aber auch der Begriff „Antwort“ enthalten. Wir sind aufgerufen, als Menschen Antwort zu geben in der uns bestmöglichen Weise auf das, was uns das Leben täglich, ja in jedem Moment fragt. Der Ruf des Lebens verlangt es, sinnvoll und aufbauend zu antworten, also zu handeln und unser Bestes zu geben.
– Der Mensch hat die Fähigkeit zur Selbstdistanzierung und zur Selbsttranszendenz Das heißt, wir sind in der Lage, über uns selbst hinauszuschauen – auf Höheres, Transzendentes (Selbsttranszendenz). Und wir sind in der Lage, aus geistiger Sicht Abstand zu nehmen von etwas (Selbstdistanzierung), zum Beispiel von Ängsten, von Gefühlen. Kurz auf einen Nenner gebracht: Ich muß mir von mir selbst nicht alles gefallen lassen! So kann ich zum Beispiel ein Problem vor mich hinstellen und dazu Stellung beziehen, mich diesem Problem gegenüberstellen oder auch von etwas Gewesenem innerlich abrücken.
Das Wesen der Konflikte erkennen
Zu einer gewinnbringenden Veränderung zwischenmenschlicher Beziehungen sind zwei Grundvoraussetzungen erforderlich: Die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten und die Erkenntnis, daß ich den anderen nicht verändern kann, wohl aber mich selbst.
In Konfliktsituationen erweist sich unser mitmenschlicher Umgang. Dabei soll aber keineswegs ständig um Konflikte gekreist werden, sondern das Ziel soll es sein, die Stärken in uns zu wecken, die uns befähigen, vorhandene Konflikte zu überwinden – oder, noch besser, sie im Vorfeld zu vermeiden.
Doch dazu muß jeder zuerst einmal offen und ehrlich hinschauen. Konflikte entstehen im allgemeinen auf dem Hintergrund unserer Fehler und Schwächen, in Konflikten zeigen sich diese am deutlichsten. Fast alle Schwächen haben ihren Ursprung darin, daß wir unseren Blick auf uns selbst richten, daß wir auf unsere Wünsche, Sorgen und Vorstellungen fixiert sind. Das bedeutet konkret, daß in Begegnungen mit anderen Menschen bewußt oder unbewußt bestimmte Motive mitschwingen wie etwa: Wie wirke ich?
Was mache ich für einen Eindruck? Bestimmte Bedürfnisse wollen befriedigt werden, unter anderem Macht, Einfluß, Geltung, was sich besonders im Bestimmenwollen äußert; man will einfach wichtiggenommen werden, besser sein als andere, geliebt und angenommen werden, mehr als andere haben – und vieles mehr. Die Folge davon, nämlich den Blick auf sich selbst zu richten, ist krisen- und konfliktreich. Der Kreis bleibt geschlossen, die Tür nach außen versperrt, es findet keine Bewegung zwischen innen und außen statt. Der Blick, der auf sich selbst gerichtet ist, schiebt sich hindernd zwischen die Menschen.
Wer auf sich selbst sieht, ist nicht geöffnet und kann den anderen daher nicht erreichen, umgekehrt können auch Hilfen nicht an ihn heran. Es gilt also, die Blickrichtung zu ändern, und zwar konsequent zu ändern – auf den Menschen hin, zu dem ich in Beziehung trete, auf die Sache, die Tätigkeit oder die Aufgabe hin, die ich erfüllen möchte, und nicht zuletzt auf den Schöpfer und seinen Willen, der die ganze Schöpfung durchzieht und trägt. Es ist ein Akt der Hingabe, der den Menschen sich selbst vergessen läßt. Häufige Ursachen von Konflikten sind:
– Die Werte des anderen werden nicht genug oder gar nicht geachtet, jeder verteidigt seine Werte und das, wovon er überzeugt ist, und stellt dies über die Werte des anderen.
– Der Selbstwert des anderen wird angetastet – dann sind die Verletzungen groß und die Reaktionen können entsprechend stark sein, unkontrolliertes Handeln und überzogene Aussagen können die Folge sein.
– Wir lassen den anderen in seiner Art nicht sein.
– Mißverständnisse sind vorhanden, man hört nicht richtig zu oder hat bereits sein eigenes Bild, seine eigene Meinung im Kopf, welche die Aussagen des anderen dann einfach interpretiert.
– Festlegungen, Vorstellungen oder gar Feindbilder liegen zugrunde. Angenommen, jemand hat sich einmal oder mehrfach ungut verhalten, dann ist die Gefahr groß, ihn festzulegen auf dieses Verhalten. Die gemeinsame Geschichte schwingt dann oft in jeder Begegnung, in jedem Satz mit.
– Permanente Unzufriedenheit mit anderen, oft unbewußt auch mit sich selbst, und Kritiksucht.
Das Wesen der Liebe erkennen
Glück tritt als Nebeneffekt auf, wenn der Mensch ein sinnerfülltes Leben führt. Wird Glück direkt angestrebt, gibt es leicht Probleme.Die Grundlage gesunder, tragfähiger und dauerhafter Beziehungen ist die Liebe, darin sind wir uns sicher einig. Man hört oder liest jedoch schnell über den Begriff der Liebe hinweg, er ist abgegriffen, zu oft benutzt, so daß ein inneres Bild davon in unserer Seele nicht mehr nachschwingt. Wenn ich nun auch noch die viel zitierte Aussage Jesu, besser gesagt, seine Aufforderung: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“ herausgreife und in den Mittelpunkt stelle, so werden manche vielleicht denken: „Nicht schon wieder!“ – und andere: „Das ist ja schön und gut, aber wie setze ich es um?“
Kann es nicht sein, daß wir dieses Wort Jesu über Jahrhunderte hinweg nicht richtig erfaßt, es mißverstanden und daher auch mißbraucht haben? Es fällt uns zusehends schwer, im Zuge der Verflachung unserer Sprache und damit unseres Denkens und Fühlens Begriffe in der Tiefe wirklich durchzuempfinden.
Betrachten wir die Bibel einmal genauer, so ist festzustellen, daß alle Aussagen Jesu auf den Menschengeist bezogen sind, das heißt nicht auf seinen Verstand, nicht auf seine Gefühle oder sein äußerliches Leben, wie viele annehmen, sondern auf seinen innersten, lebendigen Kern, der geistig ist.
Dieser innerste Kern, der Geist also, trägt alle Fähigkeiten in sich, die zum eigentlichen Menschsein gehören, zum Beispiel die Fähigkeit zu lieben, zu vertrauen, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und vieles mehr.
Es ist unsere Aufgabe, ja unser Auftrag als Mensch, diese Fähigkeiten zu entwickeln und zu leben und damit die Schöpfung zu fördern. Wenn es also heißt: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“, so macht dieser Satz aus meiner Sicht nur Sinn, wenn man das Wort „wie“ nicht versteht als „genauso wie“, sondern als „sowie auch“, „und auch“, also: „Liebe Deinen Nächsten und auch Dich selbst!“ Und das bedeutet nach dem vorher Gesagten: „Gib dem Innersten des anderen Raum zum Leben, Raum zur Entfaltung – und Deinem eigenen Innersten auch!“
Viktor Frankl, der bekannte Wiener Psychiater und Begründer der Logotherapie, sagt unter anderem zum Thema Liebe: „Liebe ist jene Beziehung von Mensch zu Mensch, die uns instandsetzt, des Partners in seiner ganzen Einmaligkeit und Einzigartigkeit gewahr zu werden.“
Und dazu ergänzt Elisabeth Lukas, eine Schülerin Viktor Frankls: „Erst die echte, wahre Liebe dringt zur personalen Besonderheit eines anderen Menschen vor und wird dessen unvergleichlichen Wesens gewahr. Sie erkennt sein Innerstes, sein Verborgenstes und – knospenhaft – sein Schönstes.“
Liebe hat also damit zu tun, den anderen zu erkennen – zum einen so, wie er ist, und zum anderen so, wie er mit seinen besten Möglichkeiten sein könnte. Und diese Grundhaltung gibt ihm einen helfenden, unterstützenden Boden, sich zu verändern, sofern er selbst dazu bereit ist.
Ich bin überzeugt davon, daß Beziehungen oft auseinanderbrechen, weil wir bis zu diesem innersten Kern selten vordringen und weder uns selbst, noch dem anderen wirklich Raum zum Leben geben. Statt dessen bleiben wir meistens an den äußeren Schichten hängen, bewerten Äußerlichkeiten wie Aussehen, Verhaltensweisen, Fehler, Schwächen oder Stärken und machen davon unsere Zuneigung abhängig.
Wenn der andere Verhaltensweisen zeigt, die nicht in unser persönliches Bewertungssystem passen, entziehen wir ihm oft unsere Unterstützung und Zuwendung. Das Ergebnis dieses Verhaltens müssen wir täglich bitter erleben, im kleinen wie im großen. Wir können uns nicht mehr verständigen! Erst wenn wir bereit sind, uns zu öffnen und zu erspüren, wie der andere sein könnte, seine Art erfassen und sie leben lassen, schaffen wir die Voraussetzung für eine gelebte Mitmenschlichkeit.
Das Wesen des Menschen erkennen
Der Geist ist der Kern des Menschen, Seele und Körper sind Umhüllungen für diesen Wesenskern.Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie, wurde weithin bekannt u. a. durch sein Buch „Trotzdem Ja zum Leben sagen“. Frankl war Jude und mußte während des Zweiten Weltkriegs vier Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern verbringen.
Das erwähnte Buch ist ein überwältigendes Zeugnis davon, wie man trotz entsetzlichster, unmenschlichster Bedingungen den Glauben daran nicht verliert, ja vertieft, daß das Leben von höherer Hand geführt ist und seinen Sinn niemals verliert.
Das revolutionär Neue in Frankls Seelenheilkunde ist, daß er das Geistige im Menschen als das erkannte, was den Menschen zum Menschen macht. Und der Kern von Frankls Arbeit mit Menschen war, dieses Geistige wieder wachzurufen, anzusprechen und zu stärken.
Denn nur darin liegt die Möglichkeit, den Schwierigkeiten, Störungen und Schwächen etwas entgegenzusetzen und mit ihnen fertig zu werden. Also eine rein aufbauende und fördernde Seelenheilkunde, die nicht an der Vergangenheit und den Schwächen hängenbleibt.
Frankls Grundaussagen zum Menschsein lassen sich wie folgt zusammenfassen und kommentieren:
– Menschsein ist Personsein Das Wort „personare“ bedeutet: durchtönen. Was kann geistig damit gemeint sein, was ist es, das uns durchtönt? Liegt es nicht nahe, daß es der Schöpfungswille, der Wille Gottes ist, der uns durchtönt? Aus diesem Begriff der Person allein wird bereits unsere Aufgabe als Mensch deutlich, nämlich als „Durchtönter“ hinhören zu lernen, auf das zu lauschen, was uns durchtönt, uns zu öffnen, um den Schöpfungswillen, der sich in den Naturgesetzen offenbart, zu hören und zu erkennen.
– Zum Menschsein gehört Freiheit Das bedeutet die Freiheit, Entscheidungen zu treffen. Wir sind aufgerufen, in jeder Situation, bei allen Einengungen, die wir selbst veranlaßt haben, den Freiraum und die Möglichkeiten, die wir trotzdem haben, zu sehen und zu nutzen, auch wenn sie manchmal noch so klein sind. Selbst in schwerstem, unveränderbarem Leid gibt es diesen Freiraum, und zwar in der inneren Einstellung zu dem Leid. Dabei geht es darum, den Blick von der Störung weg hin zu den Möglichkeiten zu lenken. Und es werden sich neue Wege auftun.
- Auch Verantwortung ist spezifisch menschlich Wir wissen: Verantwortung heißt, wir müssen die Folgen unserer freien Entscheidungen tragen. In dem Wort Ver-antwort-ung ist aber auch der Begriff „Antwort“ enthalten. Wir sind aufgerufen, als Menschen Antwort zu geben in der uns bestmöglichen Weise auf das, was uns das Leben täglich, ja in jedem Moment fragt. Der Ruf des Lebens verlangt es, sinnvoll und aufbauend zu antworten, also zu handeln und unser Bestes zu geben.
– Der Mensch hat die Fähigkeit zur Selbstdistanzierung und zur Selbsttranszendenz Das heißt, wir sind in der Lage, über uns selbst hinauszuschauen – auf Höheres, Transzendentes (Selbsttranszendenz). Und wir sind in der Lage, aus geistiger Sicht Abstand zu nehmen von etwas (Selbstdistanzierung), zum Beispiel von Ängsten, von Gefühlen. Kurz auf einen Nenner gebracht: Ich muß mir von mir selbst nicht alles gefallen lassen! So kann ich zum Beispiel ein Problem vor mich hinstellen und dazu Stellung beziehen, mich diesem Problem gegenüberstellen oder auch von etwas Gewesenem innerlich abrücken.
Das Wesen der Konflikte erkennen
Zu einer gewinnbringenden Veränderung zwischenmenschlicher Beziehungen sind zwei Grundvoraussetzungen erforderlich: Die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten und die Erkenntnis, daß ich den anderen nicht verändern kann, wohl aber mich selbst.
In Konfliktsituationen erweist sich unser mitmenschlicher Umgang. Dabei soll aber keineswegs ständig um Konflikte gekreist werden, sondern das Ziel soll es sein, die Stärken in uns zu wecken, die uns befähigen, vorhandene Konflikte zu überwinden – oder, noch besser, sie im Vorfeld zu vermeiden.
Doch dazu muß jeder zuerst einmal offen und ehrlich hinschauen. Konflikte entstehen im allgemeinen auf dem Hintergrund unserer Fehler und Schwächen, in Konflikten zeigen sich diese am deutlichsten. Fast alle Schwächen haben ihren Ursprung darin, daß wir unseren Blick auf uns selbst richten, daß wir auf unsere Wünsche, Sorgen und Vorstellungen fixiert sind. Das bedeutet konkret, daß in Begegnungen mit anderen Menschen bewußt oder unbewußt bestimmte Motive mitschwingen wie etwa: Wie wirke ich?
Was mache ich für einen Eindruck? Bestimmte Bedürfnisse wollen befriedigt werden, unter anderem Macht, Einfluß, Geltung, was sich besonders im Bestimmenwollen äußert; man will einfach wichtiggenommen werden, besser sein als andere, geliebt und angenommen werden, mehr als andere haben – und vieles mehr. Die Folge davon, nämlich den Blick auf sich selbst zu richten, ist krisen- und konfliktreich. Der Kreis bleibt geschlossen, die Tür nach außen versperrt, es findet keine Bewegung zwischen innen und außen statt. Der Blick, der auf sich selbst gerichtet ist, schiebt sich hindernd zwischen die Menschen.
Wer auf sich selbst sieht, ist nicht geöffnet und kann den anderen daher nicht erreichen, umgekehrt können auch Hilfen nicht an ihn heran. Es gilt also, die Blickrichtung zu ändern, und zwar konsequent zu ändern – auf den Menschen hin, zu dem ich in Beziehung trete, auf die Sache, die Tätigkeit oder die Aufgabe hin, die ich erfüllen möchte, und nicht zuletzt auf den Schöpfer und seinen Willen, der die ganze Schöpfung durchzieht und trägt. Es ist ein Akt der Hingabe, der den Menschen sich selbst vergessen läßt. Häufige Ursachen von Konflikten sind:
– Die Werte des anderen werden nicht genug oder gar nicht geachtet, jeder verteidigt seine Werte und das, wovon er überzeugt ist, und stellt dies über die Werte des anderen.
– Der Selbstwert des anderen wird angetastet – dann sind die Verletzungen groß und die Reaktionen können entsprechend stark sein, unkontrolliertes Handeln und überzogene Aussagen können die Folge sein.
– Wir lassen den anderen in seiner Art nicht sein.
– Mißverständnisse sind vorhanden, man hört nicht richtig zu oder hat bereits sein eigenes Bild, seine eigene Meinung im Kopf, welche die Aussagen des anderen dann einfach interpretiert.
– Festlegungen, Vorstellungen oder gar Feindbilder liegen zugrunde. Angenommen, jemand hat sich einmal oder mehrfach ungut verhalten, dann ist die Gefahr groß, ihn festzulegen auf dieses Verhalten. Die gemeinsame Geschichte schwingt dann oft in jeder Begegnung, in jedem Satz mit.
– Permanente Unzufriedenheit mit anderen, oft unbewußt auch mit sich selbst, und Kritiksucht.
Möglichkeiten zur Konfliktlösung erkennen
Welche Möglichkeiten haben wir, uns in Konfliktsituationen anders, das heißt menschlich, zu verhalten? In Bezug auf die Werte oder den Selbstwert des anderen ist es bedeutsam, sich in den anderen hineinzuversetzen, zu versuchen, ihn zu verstehen und zu hören, was ihm wichtig ist. Wir können lernen, seine Werte zu respektieren, es müssen ja nicht die eigenen werden, wir können lernen, den anderen einfach so sein zu lassen, wie er ist.
Oft reagieren wir aus Gewohnheit: Wir haben etwas Ungutes empfangen, zum Beispiel erfahren, daß jemand schlecht von uns spricht, und reagieren darauf in gleicher Weise. Ähnliches geschieht mit Aggression und Gewalt. Auf diese Weise setzt sich die Kette des Leides in der Welt fort von den kleinsten bis zu den größten Dingen.
Wie ist dieser Teufelskreis zu durchbrechen? Durch einen geistigen Akt, durch einen Akt des guten Wollens, durch eine finale Vorleistung zum Besseren für das Ganze. Jeder von uns hat schon einmal einen „Minus-Pfeil“ abbekommen. Die eigentliche geistige Vorleistung ist nun: Obwohl ein „Minus-Pfeil“ ankommt, sende ich einen „Plus- Pfeil“ ab! Wenn dieser ankommt, kann sich beim anderen das Gewissen als Instrument des Geistes regen, das hat Erleichterung und auch die Ermutigung zur Folge, selbst ebenfalls einen „Plus-Pfeil“ abzusenden.
Wir sind also als Menschen nicht nur Reagierende, sondern können auch Agierende sein! Wir haben die freie Entscheidung, anders zu handeln als gewohnt und das Ganze damit zum Guten zu wenden. Wir können und müssen den anderen nicht verändern, aber wir brauchen uns selbst trotzdem nicht auf dessen ungute Ebene zu begeben. Wir sind verantwortlich für das eigene Verhalten, wir können unser Verhalten nicht mit dem Verhalten des anderen begründen.
Doch wir können es anders machen, unabhängig vom Verhalten des anderen. Wenn man häufiger mit ein und derselben Person immer wieder ähnliche Konflikte erlebt, liegt eine sogenannte vorbelastete Kommunikation vor. Wie kann diese gelöst werden? Nur im Verzicht auf eine vorbelastete Antwort, d.h. man sollte Antwort geben auf das vom anderen Gesagte oder Gefragte und nicht auf das, was aus der Vergangenheit mitschwingt.
Das erfordert auch, einmal die Schwächen des anderen auszuhalten und die Fähigkeit, ihm zu vergeben. Abgesehen davon haben wir oft Probleme mit Menschen, die ähnliche Schwächen besitzen wie wir selbst und uns einen Spiegel vor Augen halten, der uns sehr helfen könnte in der Arbeit an uns selbst, sofern wir in ihn hineinschauen und akzeptieren, was wir sehen.
Die eigenen Motive erkennen
Die Kette des Leidens setzt sich, oft aus Gewohnheit, immer weiter fort.Die zuvor erwähnte Unzufriedenheit mit anderen und auch mit sich selbst hängt oft mit einem starken Hang zu einem nur aus dem Verstand kommenden Perfektionismus zusammen, zum Anerkanntwerdenwollen durch Leistung. Der Perfektionist leidet oft an einem verstärkten Ankämpfen gegen Fehler bei sich und anderen.
Das ist grundsätzlich eine ungesunde Haltung, die die Gefahr zur Neurose in sich birgt. Fehler können nicht bekämpft werden. Das Bekämpfen der Fehler im Kritisieren, Belehren und Besserwissenwollen rottet die Fehler nicht aus, vielmehr erhöhen ständige Ermahnungen die Fehlerquote, wie Erhebungen in Schulklassen klar gezeigt haben. Wer verkrampft das Unvollkommene bekämpft, verstärkt die Unvollkommenheit.
Hilfreicher wäre es statt dessen, die Fehler wohl zu sehen, aber vor allem das Wollen zu dem Guten, Gesunden in sich wirken zu lassen, damit es sich ausbreiten kann und langsam überhand nimmt. Zusammenfassend tritt also die Aufforderung an jeden einzelnen heran, sehr genau den eigenen Anteil anzuschauen, der zu Konflikten führt und die eigenen Fehler und Schwächen zu sehen, ohne an ihnen hängenzubleiben.
Das erfordert Mut und innere Stärke. Und ebenso erfordert es Mut, etwas anders zu machen als bisher, unabhängig vom Verhalten der anderen. Das ist nur möglich, jemandem oder einer Sache zuliebe. Manch einer könnte nun meinen: Um des lieben Friedens willen soll ich alles in Kauf nehmen, alles über mich ergehen lassen!
So einseitig möchte ich meine Aussagen jedoch nicht verstanden wissen. Zu der Fähigkeit, Konflikte auf einer menschlichen Basis auszutragen, gehören auch Ehrlichkeit, Klarheit und innere Überzeugung, die unter Umständen zu klaren Abgrenzungen führen müssen. Es kann sein, daß man Meinungen einmal nebeneinander stehenlassen oder daß ein deutliches Wort gesprochen werden muß – bis hierhin und nicht weiter!
Etwa, wenn die eigene Würde oder die eines anderen verletzt wird. Auch kann es notwendig sein, sich einmal von einem Menschen zu trennen, um sich selbst und seinen Weg zu schützen – aus Überzeugung heraus. Die Trennung sollte jedoch nicht haßerfüllt vollzogen werden, das würde nur neue Bindungen und Abhängigkeiten erzeugen, man sollte vielmehr Schritt für Schritt versuchen, den anderen loszulassen, ihn seinen Weg gehen zu lassen und diesen Weg mit guten Wünschen zu begleiten.
Elisabeth Lukas sagt dazu: „Nur ein Abschied im Guten ist wirklich ein Abschied.“ Das läßt erahnen, daß ein Teil der Liebe auch Strenge ist, Strenge im Sinne von Menschlichkeit, nicht mißverstanden als Härte.
Vielleicht hat jemand von Ihnen den Film „Rhythm is it“ gesehen? Der Film dokumentiert ein Projekt mit 250 Berliner Kindern und Jugendlichen, die mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle und mit dem Choreographen Royston Maldoom Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ einstudieren und aufführen.
Nur mit äußerster Strenge und Disziplin war das überwältigende Ergebnis zu erreichen, einer Strenge, die von der Liebe getragen ist, aus diesen jungen Menschen das herauszuholen, was in ihnen steckt und wovon sie selbst kaum etwas ahnten – und ihnen die lebensbejahende Perspektive mit auf den Weg gibt, die Herausforderungen des Lebens anzunehmen!
Mit gutem Wollen aus der Kraft des Geistes läßt sich die Kette unterbrechen.
Es ist sicher eine Hilfe für unsere Entscheidungen, wenn wir hinterfragen, welche Motive uns dabei leiten. Wenn wir dem nachgehen, stoßen wir auf zwei Grundmotive, die unser Verhalten bestimmen:
– eine Entscheidung für etwas, für einen Wert, für einen Menschen, für den Erhalt der Schöpfung, also eine Entscheidung aus Liebe und Zuwendung, aus einer inneren Stärke heraus oder
– eine Entscheidung gegen etwas oder jemanden, aus Unsicherheit, Angst, also aus einer inneren Schwäche heraus. Führen wir uns vor Augen: Glück und Freude, Erfolg, Anerkennung oder der Wunsch, daß es einem gut geht, das alles läßt sich nicht erzwingen. Je mehr man sie anstrebt, um so eher verschwinden sie.
Das Streben nach Bedürfnisbefriedigung wächst auf dem Boden der Sorge um sich selbst und erzeugt Angst, macht abhängig. Was geschieht, wenn diese Bedürfnisse nicht erfüllt werden können? Was bleibt übrig, wenn das Streben sich nur auf Materielles, Äußerliches richtet, niemals sicher und immer angreifbar ist? Die ausschließliche Orientierung an äußeren Sicherheiten ist krisenträchtig!
Während die Hingabe an ein sinnvolles Tun, an einen Menschen oder ein Ziel unabhängig von Erfolg, von Zweck oder Wirkung macht – und als Nebeneffekt, als Geschenk Glück und Freude mitbringt. Nur wenn die Ausrichtung auf ein sinnvolles Ziel lebendig und echt ist, auch im Kleinen, in den Gewohnheiten, wird das nach außen spürbar und sichtbar, erst dann wirken wir überzeugend.
Nur in der echten Hinwendung zum anderen, frei von der Furcht davor, wie etwas ausgeht, können wir die Fähigkeiten des anderen erkennen und ihm dadurch Raum geben für seine Entwicklung, für ein Zusammenwirken vieler, wo jeder seinen Platz einnehmen kann – wie in einem großen Orchester. Wir sind dann nicht mehr Bestimmende, sondern stehen an unserem Platz, um zu erfüllen, um Antwort zu geben auf das Leben.
Dazu abschließend ein Zitat aus der Gralsbotschaft: „Jesus zeigte Euch auch hierfür schon den schlichten Weg, der unfehlbar zum Ziele führt; denn tiefe Wahrheit liegt in den einfachen Worten: ,Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!‘
Damit gab er den Schlüssel zu der Freiheit, zu dem Aufstiege! Weil es als unantastbar gilt: Was Ihr dem Nächsten tut, das tut in Wirklichkeit Ihr nur für Euch! Für Euch allein, da alles nach den ewigen Gesetzen unbedingt auf Euch zurückfällt, Gutes oder Böses, sei es nun hier schon oder dort. Es kommt! Drum ist der einfachste der Wege Euch damit gewiesen, wie Ihr den Schritt zum guten Wollen aufzufassen habt.
Mit Eurem Wesen sollt Ihr Eurem Nächsten geben, Eurer Art! Nicht etwa unbedingt mit Geld und Gut. Dann würden ja die Mittellosen von der Möglichkeit des Gebens ausgeschlossen sein. Und in diesem Wesen, in dem ,Sichgeben‘ in dem Umgange mit Eurem Nächsten, in der Rücksicht, Achtung, die Ihr ihm freiwillig bietet, liegt das ,Lieben‘, das uns Jesus nennt, liegt auch die Hilfe, die Ihr Eurem Nächsten leistet, weil er darin sich selbst zu ändern oder seine Höhe weiter zu erklimmen fähig wird, weil er darin erstarken kann.“
Autor: Susanne Barknowitz
