Gesundheit
Die Macht der Temperamente
Ein und dieselbe Therapie kann sehr unterschiedliche Wirkungen haben. Eine Heilpflanze wirkt bei gewissen Menschen sehr stark, bei anderen schwach oder gar nicht. Dasselbe gilt für die Akupunktur, Homöopathie, Wassertherapie usw. Weshalb ist eine Behandlung bei vielen Kranken wirksam, jedoch nicht bei allen? In den Forschungen zu dieser Frage stieß man auf die Bedeutung der Temperamente ...
Der menschliche Körper besteht aus vier organischen Systemen: Verdauungssystem, Nervensystem, Knochen- und Muskelsystem sowie Herz- und Atemsystem. Diese Systeme sind bei jedem Menschen unterschiedlich stark. Eines der Systeme dominiert die anderen und wirkt sich so auf die Körperkonstitution aus. Zum Beispiel hat jemand, dessen Verdauungssystem ausgeprägt ist, entsprechend stark entwickelte Organe, die auch mehr Platz im Körpergebilde einnehmen als beim Durchschnittsmenschen.
Dieses Hervorragen eines der organischen Systeme zeigt sich auch im Temperament des betroffenen Menschen: Beim Phlegmatiker überragt das Verdauungssystem, beim Melancholiker sind es Nervensystem und Gehirn, beim Choleriker Knochen und Muskel und beim Sanguiniker Herz und Lunge.
Die Dominanz eines organischen Systems allein legt aber noch nicht das Temperament des Menschen fest. Dazu gehört auch eine psychische Komponente. Körperkonstitution und die Art des Handelns stehen dabei in Verbindung. So verfügt ein Choleriker über ein vermehrt entwickeltes Knochen- und Muskelsystem und ist zugleich aktiv, sportlich und unternehmungslustig. Die für die körperliche Aktivität notwendigen Organe sind bei ihm ausgeprägt entwickelt, verhelfen ihm im Leben zu Erfolg, sind aber auch gleichzeitig am ehesten gefährdet, durch Überforderung zu erkranken.
So erlauben es die Temperamente, die Menschen in vier große Gruppen einzuteilen, die eine ähnliche körperliche Konstitution, zugleich einen ähnlichen Lebensstil haben, die aus ähnlichen Gründen erkranken und auch ähnlich auf Behandlungen reagieren.
Da jedes Temperament seine eigenen Charakteristiken hat, ist es möglich, sie voneinander zu unterscheiden. Doch ist jeder von uns ein „Mischling“; in ihrer „reinen“ Form finden sich die Temperamente in Wirklichkeit nie. Insofern sind die folgenden Beschreibungen überzeichnet.
Der Sanguiniker
Menschen mit sanguinischem Temperament besitzen ein kräftiges Herz und kräftige Lungen. Der Brustkorb ist der am besten entwickelte Körperteil. Sanguiniker wirken dicht, breit, sind eher untersetzt, haben kurze Arme und Beine. Der Allgemeineindruck ihres Körpers wiederholt sich in den verschiedenen Körperteilen: Kopf und Hände wirken eher breit als lang. Die Wangen sind stark ausgeprägt, die Haut hat eine gute Farbe.
Herz und Lunge, dazu ausersehen, den Austausch von Blut und Luft zu ermöglichen, sind stets in kräftiger Bewegung. Entsprechend beweglich, lebhaft, offen und sozial ist der Sanguiniker. Ein Lebenskünstler, der die Kommunikation mit anderen liebt, gern unterwegs ist und sich mit allen möglichen Tätigkeiten beschäftigt, welche Herz und Atmung anregen.
Die Vorliebe für soziale Kontakte und Tischfreuden kann zu übermäßigem Essen und Trinken führen – besonders stimulierende Nahrungsmittel wie rotes Fleisch, Wurstwaren, Alkohol werden konsumiert. Gesundheitliche Beschwerden zeigen sich folglich auf der Ebene der Blutzirkulation und der Atemwege. Das Blut verdickt sich und kreist schlecht. Es entstehen Herz- und Kreislauferkrankungen (Krampfadern, Embolien, Bluthochdruck, Herzinfarkt usw.) und Atembeschwerden (Blutandrang und Stau in den Lungen, Asthma).
Der Melancholiker
Bei Menschen mit melancholischem Temperament sind Nervensystem und Gehirn ausgeprägt entwickelt. Da sie weder auf der Verdauungsebene, noch im Bereich der Lungen oder Muskeln stark sind, haben sie keine Rundungen. Sie sind lang und schlank. Ihr Leib ist schmächtig, die Glieder sind zart und ihre Gelenke stehen hervor. Der Kopf ist breit, besonders im Bereich des Gehirns.
Den Melancholiker drängt es zum Nachdenken, Abwägen, Analysieren. Dies läßt ihn verschlossen, düster … melancholisch erscheinen. Er ist nervös und sensibel, beeindruckbar, wechselhaft, schnell verärgert, ängstlich und gestreßt, aber auch lebhaft, mit Händen und Füßen in steter Bewegung. Er greift gern zu Anregungsmitteln – physischer Art (Kaffee, Tee, Tabak, scharf gewürzte Speisen usw.) oder auch psychischer Art, indem er ein ruheloses Leben führt, viel ausgeht, große Diskussionen in Szene setzt usw.
Da der Melancholiker über einen schwachen Verdauungstrakt verfügt, ißt er wenig, oft und unregelmäßig. Er neigt zum Mißbrauch von Reizmitteln. Die Überanstrengung seiner Nerven kann eine Reihe von Störungen zur Folge haben: Nervosität, Angstzustände, Streß, Depressionen, Nervenentzündung, Neuralgie, Migräne, Schlaflosigkeit usw.
Der Choleriker
Choleriker haben ein gut entwickeltes Muskel- und Knochensystem, was ihnen eine athletische Statur verleiht. Körper und Gesichtsform wirken quadratisch. Die Augenbrauen sind gerade, der Blick ist durchdringend. Stimme und Haltung zeigen solide Kraft.
Seine hitzige Natur läßt den Choleriker ständig aktiv und in Bewegung sein. Er ist ein großer Sportler und liebt es, seine Kräfte in körperlicher Betätigung zu verausgaben – das ist für ihn Vergnügen und Herausforderung. Er reagiert schnell und zieht die Tat dem Nachdenken vor. Wenn etwas zu langsam geht oder er am Handeln gehindert wird, wird er rasch ungeduldig und gerät in Zorn.
Der Choleriker hat eine Tendenz zu übertriebenem Genuß von „starken“ Nahrungsmitteln wie Fleisch, Wurstwaren, Getreide, Zucker, Fette und er stimuliert verminderte Kräfte gerne durch Anregungsmittel (Alkohol, Kaffee, Tabak usw.).
Seine Neigung, sich physisch und motorisch zu verausgaben, kann Muskelrisse, Knochenbrüche, Sehnenentzündungen oder Gelenkbeschwerden (Luxationen, Rheumatismus, Arthrose) verursachen. Der Nahrungsmittelmißbrauch führt hauptsächlich zu Gallenproblemen (Blockierungen und Infektionen der Leber und der Gallenblase).
Der Phlegmatiker
Das Überwiegen des Verdauungstraktes gibt dem vom phlegmatischen Temperament geprägten Menschen einen langen und massiven Leib. Er ißt gerne, lebt aber nicht sehr bewegungsreich, ist eher langsam und verbrennt schlecht, was er zu sich nimmt. Er neigt zu Übergewicht, besonders auch deshalb, da er Fette sehr leicht speichert. Sein Körper wirkt umfangreich, fett und weich, die Glieder zwar eher länglich, doch dicht und dick, da die Muskeln von Fetten umgeben sind.
Das Lymphsystem ist ebenfalls stark entwickelt. Die Lymph-Fülle trägt zum Körpervolumen und zur Schwammigkeit seiner Gewebe bei. Wie der Sanguiniker durch den „Blut-Überschuß“ einen roten Teint bekommt, so verleiht die Lymphe dem Phlegmatiker einen blassen, weißen Teint. Er ist ruhig, friedlich und geduldig, gibt sich nicht gerne körperlichen Betätigungen hin, sondern zieht das häusliche, seßhafte Leben vor.
Der Phlegmatiker ißt gerne, wobei die Quantität wichtiger als die Qualität ist. Reichhaltige Speisen, fette Saucen, dicke Breie und Mehlspeisen schmecken ihm besonders. Diese übertriebene Ernährung führt jedoch dazu, daß sich die Verdauungsdrüsen erschöpfen (ungenügende Leber- und Pankreastätigkeit) und die Verdauungstaschen erweitern (Magen, Galle, Darm – Verstopfung). Die Beschwerden des Lymphsystems (Drüsenentzündungen, Angina, Zellulitis usw.) sind weitere Störungen, mit denen Phlegmatiker oft zu tun haben.
Temperament & Element
Jedes Temperament entspricht einem der vier Elemente: Luft, Erde, Feuer und Wasser. Sanguiniker sind beweglich und frei wie die Luft, Melancholiker verschlossen und schwer wie die Erde, Choleriker lebhaft und aktiv wie das Feuer und Phlegmatiker friedlich und ruhig wie das Wasser.
Einem Element zu entsprechen, bedeutet aber nicht nur, dessen Eigenschaften zu besitzen, sondern auch eine Affinität zu allem Gleichartigen zu haben. So gefällt es dem Phlegmatiker am Ufer des Baches, des Sees oder des Meeres. Wassertherapien, Thermalbäder oder Thalassobehandlungen wirken wohltuend auf ihn.
Schwimmen ist seine bevorzugte körperliche Tätigkeit. Er schätzt flüssige Nahrungsmittel (Suppen, Breie, Saucen) und spricht auf Heilpflanzen in Form von Kräutertees besser an als auf getrocknete (Tabletten). Von allen Massageformen hilft ihm die Lymphdrainage am besten. Meeresprodukte wie Fisch, Algen usw. sind günstig für ihn, das darin enthaltene Jod stimuliert die Schilddrüse und dadurch die zu langsamen Stoffwechselfunktionen.
Choleriker werden dagegen vom Feuer regiert. Sie lieben das Wasser nicht besonders, sondern werden angezogen von allem, was – wie ihr eigenes Element – warm und trocken ist. Sie bevorzugen körperliche Betätigung und die sich dadurch ergebende Wärme. Als Therapie wirken Sonne, heiße Luft (Sauna), warme Wickel, ableitende und stimulierende Anwendungen (Senfmehl) gut, Heilpflanzen in trockener Form (Tabletten, Kapseln) besser als in flüssiger.
Choleriker bevorzugen starke Gewürze und trockene, konzentrierte Nahrungsmittel (Gegrilltes eher als Saucenfleisch, Brot eher als Getreidebrei usw.). Da bei ihnen die Muskeln vorherrschen, sagen ihnen auch Muskelmassagen zu.
Alles, was in Verbindung mit der Luft steht, entspricht ganz besonders den Sanguinikern. Was Luft verschafft, tut ihnen gut: Spaziergänge, Wandern, Ortsveränderungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad, Tätigkeiten an der frischen Luft. Luftkuren auf dem Lande, in Wäldern oder am Meer, besonders da, wo der Wind bläst, wirken viel besser als Sonnenbaden oder Wassertherapie. Atemübungen sind ein Vergnügen.
Heilpflanzen nehmen sie am besten in Form von Inhalationen oder Dampfbädern zu sich. Der Sanguiniker kann mit sehr wenig Nahrung auskommen, solange er durch seine Aktivitäten genügend von dem „Lebensmittel“ Luft bekommt, sonst neigt er dazu, durch Überernährung zu kompensieren.
Melancholiker sind in Affinität mit dem Element Erde und reagieren gut auf Schlammbäder, Vulkanerde und Wickel mit Heilerde. Ihre Nahrung sollte reich an Mineralsalzen sein. Heilpflanzenpulver in Tablettenform oder als Kapseln ist die geeignetste Form für eine Behandlung mit Pflanzen.
Da das Nervensystem vorherrscht, sind Reflexzonenmassagen besonders zu empfehlen, auch alle Methoden der Entspannung. Melancholiker brauchen genügend Schlaf. Sie sprechen schlecht auf ruhige und wiederholte Körperbetätigung an (z. B. Gewichtheben), mögen jedoch bewegungsvolle, abwechslungsreiche, stimulierende Sportarten wie Tennis, Mannschaftsspiele usw. -
Diese schematische Darstellung muß in der Praxis natürlich nuanciert werden. Eine Wassertherapie sagt zum Beispiel nicht nur dem Phlegmatiker zu. Sie kann auch den anderen Temperamenten angepaßt werden. So ist das völlige Eintauchen ins Element Wasser (z. B. Schwimmen im Meer) für den Phlegmatiker äußerst bekömmlich, während der Sanguiniker besser auf eine Dusche anspricht, der Melancholiker eine noch weniger nasse Anwendung (z. B. in Form von Wickeln) benötigt und der Choleriker den heißen Dampf in der Sauna schätzt.
Ein weiterer wichtiger Punkt für die Therapie ist es, zu beachten, daß sich – so, wie sich Gleicharten anziehen – Gegensätze abstoßen. In der Therapie sollte man demnach keinem Patienten zu etwas raten, das zum entgegengesetzten Temperament gehört.
Zum Beispiel wäre es falsch, einem Sanguiniker den Austausch mit anderen zu untersagen, einem Choleriker von jeder körperlichen Betätigung abzuraten, einen Phlegmatiker mit Sport und allzu kraftvollen Massagen zu brüskieren oder einem Melancholiker alle Anregungen zu verwehren (keine Lektüre, Vergnügen und Ausgänge). Dies würde gesundheitlich schwächen.
Die Zusammenhänge zwischen Temperament, Körperkonstitution, Element und Lebensweise erklären, weshalb nicht jede Behandlung bei allen Patienten gleich anspricht. Warme und trockene Heilpflanzen wie Rosmarin und Thymian wirken zum Beispiel besser auf das warme und trockene Temperament des Cholerikers, jedoch weniger gut auf das feuchte und warme Temperament des Sanguinikers, und wenig oder nicht auf das kalte Temperament des Melancholikers oder Phlegmatikers.
Oder: Bedingt durch seine Affinität zum Element Wasser wirkt ein Aufenthalt am Meer ausgezeichnet für Phlegmatiker, ist jedoch weniger gut für Melancholiker, die das Jod aufregen kann. Umgekehrt wirkt die Verminderung des Sauerstoffes in der Höhe wohltuend auf den Choleriker und den Melancholiker, sie beunruhigt jedoch den Phlegmatiker.
Leider ging die Kenntnis von diesen Zusammenhängen weitgehend verloren. Sie wäre aber eine große Hilfe nicht nur in der Therapie, sondern auch, um sich selbst besser kennenzulernen und im Leben entsprechend dem eigenen Temperament und Element mehr ausrichten zu können.
Der menschliche Körper besteht aus vier organischen Systemen: Verdauungssystem, Nervensystem, Knochen- und Muskelsystem sowie Herz- und Atemsystem. Diese Systeme sind bei jedem Menschen unterschiedlich stark. Eines der Systeme dominiert die anderen und wirkt sich so auf die Körperkonstitution aus. Zum Beispiel hat jemand, dessen Verdauungssystem ausgeprägt ist, entsprechend stark entwickelte Organe, die auch mehr Platz im Körpergebilde einnehmen als beim Durchschnittsmenschen.
Dieses Hervorragen eines der organischen Systeme zeigt sich auch im Temperament des betroffenen Menschen: Beim Phlegmatiker überragt das Verdauungssystem, beim Melancholiker sind es Nervensystem und Gehirn, beim Choleriker Knochen und Muskel und beim Sanguiniker Herz und Lunge.
Die Dominanz eines organischen Systems allein legt aber noch nicht das Temperament des Menschen fest. Dazu gehört auch eine psychische Komponente. Körperkonstitution und die Art des Handelns stehen dabei in Verbindung. So verfügt ein Choleriker über ein vermehrt entwickeltes Knochen- und Muskelsystem und ist zugleich aktiv, sportlich und unternehmungslustig. Die für die körperliche Aktivität notwendigen Organe sind bei ihm ausgeprägt entwickelt, verhelfen ihm im Leben zu Erfolg, sind aber auch gleichzeitig am ehesten gefährdet, durch Überforderung zu erkranken.
So erlauben es die Temperamente, die Menschen in vier große Gruppen einzuteilen, die eine ähnliche körperliche Konstitution, zugleich einen ähnlichen Lebensstil haben, die aus ähnlichen Gründen erkranken und auch ähnlich auf Behandlungen reagieren.
Da jedes Temperament seine eigenen Charakteristiken hat, ist es möglich, sie voneinander zu unterscheiden. Doch ist jeder von uns ein „Mischling“; in ihrer „reinen“ Form finden sich die Temperamente in Wirklichkeit nie. Insofern sind die folgenden Beschreibungen überzeichnet.
Der Sanguiniker
Menschen mit sanguinischem Temperament besitzen ein kräftiges Herz und kräftige Lungen. Der Brustkorb ist der am besten entwickelte Körperteil. Sanguiniker wirken dicht, breit, sind eher untersetzt, haben kurze Arme und Beine. Der Allgemeineindruck ihres Körpers wiederholt sich in den verschiedenen Körperteilen: Kopf und Hände wirken eher breit als lang. Die Wangen sind stark ausgeprägt, die Haut hat eine gute Farbe.
Herz und Lunge, dazu ausersehen, den Austausch von Blut und Luft zu ermöglichen, sind stets in kräftiger Bewegung. Entsprechend beweglich, lebhaft, offen und sozial ist der Sanguiniker. Ein Lebenskünstler, der die Kommunikation mit anderen liebt, gern unterwegs ist und sich mit allen möglichen Tätigkeiten beschäftigt, welche Herz und Atmung anregen.
Die Vorliebe für soziale Kontakte und Tischfreuden kann zu übermäßigem Essen und Trinken führen – besonders stimulierende Nahrungsmittel wie rotes Fleisch, Wurstwaren, Alkohol werden konsumiert. Gesundheitliche Beschwerden zeigen sich folglich auf der Ebene der Blutzirkulation und der Atemwege. Das Blut verdickt sich und kreist schlecht. Es entstehen Herz- und Kreislauferkrankungen (Krampfadern, Embolien, Bluthochdruck, Herzinfarkt usw.) und Atembeschwerden (Blutandrang und Stau in den Lungen, Asthma).
Der Melancholiker
Bei Menschen mit melancholischem Temperament sind Nervensystem und Gehirn ausgeprägt entwickelt. Da sie weder auf der Verdauungsebene, noch im Bereich der Lungen oder Muskeln stark sind, haben sie keine Rundungen. Sie sind lang und schlank. Ihr Leib ist schmächtig, die Glieder sind zart und ihre Gelenke stehen hervor. Der Kopf ist breit, besonders im Bereich des Gehirns.
Den Melancholiker drängt es zum Nachdenken, Abwägen, Analysieren. Dies läßt ihn verschlossen, düster … melancholisch erscheinen. Er ist nervös und sensibel, beeindruckbar, wechselhaft, schnell verärgert, ängstlich und gestreßt, aber auch lebhaft, mit Händen und Füßen in steter Bewegung. Er greift gern zu Anregungsmitteln – physischer Art (Kaffee, Tee, Tabak, scharf gewürzte Speisen usw.) oder auch psychischer Art, indem er ein ruheloses Leben führt, viel ausgeht, große Diskussionen in Szene setzt usw.
Da der Melancholiker über einen schwachen Verdauungstrakt verfügt, ißt er wenig, oft und unregelmäßig. Er neigt zum Mißbrauch von Reizmitteln. Die Überanstrengung seiner Nerven kann eine Reihe von Störungen zur Folge haben: Nervosität, Angstzustände, Streß, Depressionen, Nervenentzündung, Neuralgie, Migräne, Schlaflosigkeit usw.
Der Choleriker
Choleriker haben ein gut entwickeltes Muskel- und Knochensystem, was ihnen eine athletische Statur verleiht. Körper und Gesichtsform wirken quadratisch. Die Augenbrauen sind gerade, der Blick ist durchdringend. Stimme und Haltung zeigen solide Kraft.
Seine hitzige Natur läßt den Choleriker ständig aktiv und in Bewegung sein. Er ist ein großer Sportler und liebt es, seine Kräfte in körperlicher Betätigung zu verausgaben – das ist für ihn Vergnügen und Herausforderung. Er reagiert schnell und zieht die Tat dem Nachdenken vor. Wenn etwas zu langsam geht oder er am Handeln gehindert wird, wird er rasch ungeduldig und gerät in Zorn.
Der Choleriker hat eine Tendenz zu übertriebenem Genuß von „starken“ Nahrungsmitteln wie Fleisch, Wurstwaren, Getreide, Zucker, Fette und er stimuliert verminderte Kräfte gerne durch Anregungsmittel (Alkohol, Kaffee, Tabak usw.).
Seine Neigung, sich physisch und motorisch zu verausgaben, kann Muskelrisse, Knochenbrüche, Sehnenentzündungen oder Gelenkbeschwerden (Luxationen, Rheumatismus, Arthrose) verursachen. Der Nahrungsmittelmißbrauch führt hauptsächlich zu Gallenproblemen (Blockierungen und Infektionen der Leber und der Gallenblase).
Der Phlegmatiker
Das Überwiegen des Verdauungstraktes gibt dem vom phlegmatischen Temperament geprägten Menschen einen langen und massiven Leib. Er ißt gerne, lebt aber nicht sehr bewegungsreich, ist eher langsam und verbrennt schlecht, was er zu sich nimmt. Er neigt zu Übergewicht, besonders auch deshalb, da er Fette sehr leicht speichert. Sein Körper wirkt umfangreich, fett und weich, die Glieder zwar eher länglich, doch dicht und dick, da die Muskeln von Fetten umgeben sind.
Das Lymphsystem ist ebenfalls stark entwickelt. Die Lymph-Fülle trägt zum Körpervolumen und zur Schwammigkeit seiner Gewebe bei. Wie der Sanguiniker durch den „Blut-Überschuß“ einen roten Teint bekommt, so verleiht die Lymphe dem Phlegmatiker einen blassen, weißen Teint. Er ist ruhig, friedlich und geduldig, gibt sich nicht gerne körperlichen Betätigungen hin, sondern zieht das häusliche, seßhafte Leben vor.
Der Phlegmatiker ißt gerne, wobei die Quantität wichtiger als die Qualität ist. Reichhaltige Speisen, fette Saucen, dicke Breie und Mehlspeisen schmecken ihm besonders. Diese übertriebene Ernährung führt jedoch dazu, daß sich die Verdauungsdrüsen erschöpfen (ungenügende Leber- und Pankreastätigkeit) und die Verdauungstaschen erweitern (Magen, Galle, Darm – Verstopfung). Die Beschwerden des Lymphsystems (Drüsenentzündungen, Angina, Zellulitis usw.) sind weitere Störungen, mit denen Phlegmatiker oft zu tun haben.
Temperament & Element
Jedes Temperament entspricht einem der vier Elemente: Luft, Erde, Feuer und Wasser. Sanguiniker sind beweglich und frei wie die Luft, Melancholiker verschlossen und schwer wie die Erde, Choleriker lebhaft und aktiv wie das Feuer und Phlegmatiker friedlich und ruhig wie das Wasser.
Einem Element zu entsprechen, bedeutet aber nicht nur, dessen Eigenschaften zu besitzen, sondern auch eine Affinität zu allem Gleichartigen zu haben. So gefällt es dem Phlegmatiker am Ufer des Baches, des Sees oder des Meeres. Wassertherapien, Thermalbäder oder Thalassobehandlungen wirken wohltuend auf ihn.
Schwimmen ist seine bevorzugte körperliche Tätigkeit. Er schätzt flüssige Nahrungsmittel (Suppen, Breie, Saucen) und spricht auf Heilpflanzen in Form von Kräutertees besser an als auf getrocknete (Tabletten). Von allen Massageformen hilft ihm die Lymphdrainage am besten. Meeresprodukte wie Fisch, Algen usw. sind günstig für ihn, das darin enthaltene Jod stimuliert die Schilddrüse und dadurch die zu langsamen Stoffwechselfunktionen.
Choleriker werden dagegen vom Feuer regiert. Sie lieben das Wasser nicht besonders, sondern werden angezogen von allem, was – wie ihr eigenes Element – warm und trocken ist. Sie bevorzugen körperliche Betätigung und die sich dadurch ergebende Wärme. Als Therapie wirken Sonne, heiße Luft (Sauna), warme Wickel, ableitende und stimulierende Anwendungen (Senfmehl) gut, Heilpflanzen in trockener Form (Tabletten, Kapseln) besser als in flüssiger.
Choleriker bevorzugen starke Gewürze und trockene, konzentrierte Nahrungsmittel (Gegrilltes eher als Saucenfleisch, Brot eher als Getreidebrei usw.). Da bei ihnen die Muskeln vorherrschen, sagen ihnen auch Muskelmassagen zu.
Alles, was in Verbindung mit der Luft steht, entspricht ganz besonders den Sanguinikern. Was Luft verschafft, tut ihnen gut: Spaziergänge, Wandern, Ortsveränderungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad, Tätigkeiten an der frischen Luft. Luftkuren auf dem Lande, in Wäldern oder am Meer, besonders da, wo der Wind bläst, wirken viel besser als Sonnenbaden oder Wassertherapie. Atemübungen sind ein Vergnügen.
Heilpflanzen nehmen sie am besten in Form von Inhalationen oder Dampfbädern zu sich. Der Sanguiniker kann mit sehr wenig Nahrung auskommen, solange er durch seine Aktivitäten genügend von dem „Lebensmittel“ Luft bekommt, sonst neigt er dazu, durch Überernährung zu kompensieren.
Melancholiker sind in Affinität mit dem Element Erde und reagieren gut auf Schlammbäder, Vulkanerde und Wickel mit Heilerde. Ihre Nahrung sollte reich an Mineralsalzen sein. Heilpflanzenpulver in Tablettenform oder als Kapseln ist die geeignetste Form für eine Behandlung mit Pflanzen.
Da das Nervensystem vorherrscht, sind Reflexzonenmassagen besonders zu empfehlen, auch alle Methoden der Entspannung. Melancholiker brauchen genügend Schlaf. Sie sprechen schlecht auf ruhige und wiederholte Körperbetätigung an (z. B. Gewichtheben), mögen jedoch bewegungsvolle, abwechslungsreiche, stimulierende Sportarten wie Tennis, Mannschaftsspiele usw. -
Diese schematische Darstellung muß in der Praxis natürlich nuanciert werden. Eine Wassertherapie sagt zum Beispiel nicht nur dem Phlegmatiker zu. Sie kann auch den anderen Temperamenten angepaßt werden. So ist das völlige Eintauchen ins Element Wasser (z. B. Schwimmen im Meer) für den Phlegmatiker äußerst bekömmlich, während der Sanguiniker besser auf eine Dusche anspricht, der Melancholiker eine noch weniger nasse Anwendung (z. B. in Form von Wickeln) benötigt und der Choleriker den heißen Dampf in der Sauna schätzt.
Ein weiterer wichtiger Punkt für die Therapie ist es, zu beachten, daß sich – so, wie sich Gleicharten anziehen – Gegensätze abstoßen. In der Therapie sollte man demnach keinem Patienten zu etwas raten, das zum entgegengesetzten Temperament gehört.
Zum Beispiel wäre es falsch, einem Sanguiniker den Austausch mit anderen zu untersagen, einem Choleriker von jeder körperlichen Betätigung abzuraten, einen Phlegmatiker mit Sport und allzu kraftvollen Massagen zu brüskieren oder einem Melancholiker alle Anregungen zu verwehren (keine Lektüre, Vergnügen und Ausgänge). Dies würde gesundheitlich schwächen.
Die Zusammenhänge zwischen Temperament, Körperkonstitution, Element und Lebensweise erklären, weshalb nicht jede Behandlung bei allen Patienten gleich anspricht. Warme und trockene Heilpflanzen wie Rosmarin und Thymian wirken zum Beispiel besser auf das warme und trockene Temperament des Cholerikers, jedoch weniger gut auf das feuchte und warme Temperament des Sanguinikers, und wenig oder nicht auf das kalte Temperament des Melancholikers oder Phlegmatikers.
Oder: Bedingt durch seine Affinität zum Element Wasser wirkt ein Aufenthalt am Meer ausgezeichnet für Phlegmatiker, ist jedoch weniger gut für Melancholiker, die das Jod aufregen kann. Umgekehrt wirkt die Verminderung des Sauerstoffes in der Höhe wohltuend auf den Choleriker und den Melancholiker, sie beunruhigt jedoch den Phlegmatiker.
Leider ging die Kenntnis von diesen Zusammenhängen weitgehend verloren. Sie wäre aber eine große Hilfe nicht nur in der Therapie, sondern auch, um sich selbst besser kennenzulernen und im Leben entsprechend dem eigenen Temperament und Element mehr ausrichten zu können.
Autor: Christopher Vasey
