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Bundesgartenschau 2011

Schönheit verwandelt

Vom Lückenbüßer zum Rekordhalter: Die Bundesgartenschau 2011 in Koblenz – eine Nachlese
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Schönheit will errungen sein und ist in heutiger Zeit durchaus teuer! Das liegt aber nun in erster Linie daran, daß es mühsam ist, alles Häßliche und den gesamten Sanierungsstau zu beseitigen, der sich durch die klamme Kassenlage der Kommunen ergibt.

Auch Koblenz erging es nicht anders. Grundsätzlich herrlich gelegen, waren die Rheinanlagen höchstens mittelprächtig und etwas heruntergekommen, das Schloß war vorne von einem unschönen, provisorisch genutzten Parkplatz, und hinten immer noch von einem Abladeplatz von … Kriegsschutt aus dem 2. Weltkrieg eingerahmt.

Nun flossen die Gelder und verwandelten große Teile der Stadt jahrelang in unansehnliche Baustellen – sozusagen die häßliche Raupe, aus der dann 2011 ein zauberhafter, wunderschöner Schmetterling schlüpfte! Dabei herrschte Zeitdruck; denn Koblenz war, nach Absage der vorgesehenen Stadt Duisburg, der Lückenbüßer. Und der Koblenzer Stadtrat brauchte viel Mut, der Ausrichtung dieser Bundesgartenschau gegen alle Widerstände zuzustimmen.

So schrieb noch pünktlich zur Eröffnung am 15. April 2011 der „Spiegel“, äußerst „motivierend“: „Der Bund der Steuerzahler habe immer von einer Buga in Rheinland-Pfalz abgeraten – in Mainz noch mit Erfolg, in Koblenz nicht mehr. „Wir hoffen, dass es kein finanzielles Desaster geben wird. Auszuschließen ist das aber nicht.“

Soviel vorneweg schon: Das finanzielle „Desaster“ betrug 13 Millionen Euro … Gewinn!

„Koblenz verwandelt“ – so hieß das Motto der diesjährigen Bundesgartenschau, was sich ja in passiver und aktiver Richtung lesen läßt.

Ja, zur Eröffnung zeigte sich Koblenz verwandelt! Gleich hinter der Rheinbrücke mit schöner Aussicht auf Hunsrück und Festung Ehrenbreitstein strahlte vom ehemaligen Ödland vor dem Schloß nun ein Blumenmeer in herrlichsten Farben dem Betrachter entgegen, anrührend und wie ein starker Magnet wirkend – fast unmöglich, der Anziehungskraft zu entkommen!

Aus dem Kriegsschuttabladeplatz ist ein Rosengarten mit Neptun-Brunnen geworden. Die Rheinanlagen sind geschmackvoll neugestaltet, und im „Blumenhof“, einem städtischen Kleinod an der romanischen „Kastorkirche“, empfing den Besucher zur Eröffnung ein traumhaft komponiertes Tulpenmeer, so schön, wie ich in meinem ganzen Leben bisher noch keins gesehen habe! So könnte es in höheren Schöpfungsregionen aussehen!

Mit einer der größten Attraktionen ging es dann weiter: der weltweit kapazitätsstärksten Seilbahn, die ohne Zwischenpfeiler die etwa 900 Meter lange Strecke über den Rhein hoch zur Festung Ehrenbreitstein überbrückt und dabei eine herrliche Aussicht bietet. Sie wird vorerst weiterbetrieben und kann bis zu 7600 Fahrgäste pro Stunde auf ökologischste Art befördern; doch auch das reichte bei dem unerwarteten Besucherandrang nicht immer. Nicht selten bildeten sich an den Stationen lange Schlangen.

Oben, auf dem Gartenschaugelände an der Festung, erwarteten die Betrachter wieder Blumen- und Nutzbeete, Blumenhallen und auch – etwas abseits gelegen – Anregungen zur Friedhofsgestaltung. Bei den Blumenbeeten war hier am deutlichsten zu sehen, welcher der zahllosen Gärtnerbetriebe sich schnell mit einem Mindeststandard zufrieden gaben, und welche aus Liebe zur Sache imstande waren, auf höchstem Niveau Beete von außergewöhnlicher Schönheit zu gestalten. –

Ja, und damit sind wir bei der aktiven Form der Verwandlung angekommen: Schönheit verwandelt auch die Menschen – und kaum etwas kommt an Schönheit einem Blumenmeer gleich! Diese Schönheit lebt – weshalb Fotos niemals das Eigentliche widergeben können – und sie wirkt selbst bei größter Prachtenfaltung niemals aufdringlich oder protzig, sondern nur umso anrührender auf die Seele. Sie zieht uns machtvoll an und weckt sehnsuchtsvolle Empfindungen hin zu einer besseren und schöneren Welt – oder an unsere eigentliche Heimat, das Paradies!

Millionen wurden von diesem kleinen Abglanz des Paradieses angezogen, besser gesagt: über 3,5 Millionen und damit doppelt so viele wie ursprünglich erwartet. Und trotz des halbjährigen Ausnahmezustands in dieser kleinen Großstadt, in der auf jeden Einheimischen die gut 25-fache Zahl an Gästen kam, lag eine zuvor niemals erreichte freudevolle, heitere, gelassene und gute Laune verbreitende Atmosphäre über der Stadt, als Beweis dafür, wie sehr Schönheit verwandelt.

Teuer war sie allerdings, die Bundesgartenschau: über 100 Millionen Euro hat das ganze gekostet – und doch empfindet jeder, daß es gut angelegtes Geld war und die Stadt sowie die heimische Wirtschaft sehr belebt hat. Ganz nebenbei: Allein die Pleitebank HRE hat die möglicherweise tausendfache Summe verschlungen, von der, außer den Spekulanten, niemand etwas hatte und die ausreichen würde, sämtliche Städte Deutschlands in ein Blumenmeer zu verwandeln – wir hätten die Wahl!

Mit dieser hohen Besucherzahl wurde der Lückenbüßer Koblenz zum Rekordhalter. Keine Bundesgartenschau hat seit 1997, mit Einführung der elektronischen Zählung, auch nur annähernd diesen Besuchermagneten abgeben können.

Und doch … die eigentlichen Meister blieben unsichtbar! Ähnlich wie der beste Arzt immer nur die Bedingungen für eine Heilung schaffen kann, so kann auch der beste Gärtner lediglich die Voraussetzungen für eine derartige Schönheit gestalten. Die eigentlichen Könner sind die gestaltenden Naturkräfte, die Naturwesen, die alles zur Blüte bringen – und auch diese stehen letztlich im Dienst des Höchsten, des Schöpfers!

Wie viele von den Millionen Besuchern mögen wohl ernsthaft und dankerfüllt an Ihn gedacht haben?

Während des Schreibens dieser Zeilen, in den letzten Oktobertagen 2011, verblüht nun langsam der Rest der außerordentlichen Pracht, immer noch eine herbe Schönheit ausstrahlend … und eine gewisse Wehmut auslösend. Sie gemahnt uns an das Vergängliche aller irdischen Formen, daran, daß wir dem Ruf der Schönheit folgen sollen und rechtzeitig alles ablegen, was uns daran hindert, in die Sphären einzutreten, von denen hier ein Abglanz zu sehen war.


Schönheit will errungen sein und ist in heutiger Zeit durchaus teuer! Das liegt aber nun in erster Linie daran, daß es mühsam ist, alles Häßliche und den gesamten Sanierungsstau zu beseitigen, der sich durch die klamme Kassenlage der Kommunen ergibt.

Auch Koblenz erging es nicht anders. Grundsätzlich herrlich gelegen, waren die Rheinanlagen höchstens mittelprächtig und etwas heruntergekommen, das Schloß war vorne von einem unschönen, provisorisch genutzten Parkplatz, und hinten immer noch von einem Abladeplatz von … Kriegsschutt aus dem 2. Weltkrieg eingerahmt.

Nun flossen die Gelder und verwandelten große Teile der Stadt jahrelang in unansehnliche Baustellen – sozusagen die häßliche Raupe, aus der dann 2011 ein zauberhafter, wunderschöner Schmetterling schlüpfte! Dabei herrschte Zeitdruck; denn Koblenz war, nach Absage der vorgesehenen Stadt Duisburg, der Lückenbüßer. Und der Koblenzer Stadtrat brauchte viel Mut, der Ausrichtung dieser Bundesgartenschau gegen alle Widerstände zuzustimmen.

So schrieb noch pünktlich zur Eröffnung am 15. April 2011 der „Spiegel“, äußerst „motivierend“: „Der Bund der Steuerzahler habe immer von einer Buga in Rheinland-Pfalz abgeraten – in Mainz noch mit Erfolg, in Koblenz nicht mehr. „Wir hoffen, dass es kein finanzielles Desaster geben wird. Auszuschließen ist das aber nicht.“

Soviel vorneweg schon: Das finanzielle „Desaster“ betrug 13 Millionen Euro … Gewinn!

„Koblenz verwandelt“ – so hieß das Motto der diesjährigen Bundesgartenschau, was sich ja in passiver und aktiver Richtung lesen läßt.

Ja, zur Eröffnung zeigte sich Koblenz verwandelt! Gleich hinter der Rheinbrücke mit schöner Aussicht auf Hunsrück und Festung Ehrenbreitstein strahlte vom ehemaligen Ödland vor dem Schloß nun ein Blumenmeer in herrlichsten Farben dem Betrachter entgegen, anrührend und wie ein starker Magnet wirkend – fast unmöglich, der Anziehungskraft zu entkommen!

Aus dem Kriegsschuttabladeplatz ist ein Rosengarten mit Neptun-Brunnen geworden. Die Rheinanlagen sind geschmackvoll neugestaltet, und im „Blumenhof“, einem städtischen Kleinod an der romanischen „Kastorkirche“, empfing den Besucher zur Eröffnung ein traumhaft komponiertes Tulpenmeer, so schön, wie ich in meinem ganzen Leben bisher noch keins gesehen habe! So könnte es in höheren Schöpfungsregionen aussehen!

Mit einer der größten Attraktionen ging es dann weiter: der weltweit kapazitätsstärksten Seilbahn, die ohne Zwischenpfeiler die etwa 900 Meter lange Strecke über den Rhein hoch zur Festung Ehrenbreitstein überbrückt und dabei eine herrliche Aussicht bietet. Sie wird vorerst weiterbetrieben und kann bis zu 7600 Fahrgäste pro Stunde auf ökologischste Art befördern; doch auch das reichte bei dem unerwarteten Besucherandrang nicht immer. Nicht selten bildeten sich an den Stationen lange Schlangen.

Oben, auf dem Gartenschaugelände an der Festung, erwarteten die Betrachter wieder Blumen- und Nutzbeete, Blumenhallen und auch – etwas abseits gelegen – Anregungen zur Friedhofsgestaltung. Bei den Blumenbeeten war hier am deutlichsten zu sehen, welcher der zahllosen Gärtnerbetriebe sich schnell mit einem Mindeststandard zufrieden gaben, und welche aus Liebe zur Sache imstande waren, auf höchstem Niveau Beete von außergewöhnlicher Schönheit zu gestalten. –

Ja, und damit sind wir bei der aktiven Form der Verwandlung angekommen: Schönheit verwandelt auch die Menschen – und kaum etwas kommt an Schönheit einem Blumenmeer gleich! Diese Schönheit lebt – weshalb Fotos niemals das Eigentliche widergeben können – und sie wirkt selbst bei größter Prachtenfaltung niemals aufdringlich oder protzig, sondern nur umso anrührender auf die Seele. Sie zieht uns machtvoll an und weckt sehnsuchtsvolle Empfindungen hin zu einer besseren und schöneren Welt – oder an unsere eigentliche Heimat, das Paradies!

Millionen wurden von diesem kleinen Abglanz des Paradieses angezogen, besser gesagt: über 3,5 Millionen und damit doppelt so viele wie ursprünglich erwartet. Und trotz des halbjährigen Ausnahmezustands in dieser kleinen Großstadt, in der auf jeden Einheimischen die gut 25-fache Zahl an Gästen kam, lag eine zuvor niemals erreichte freudevolle, heitere, gelassene und gute Laune verbreitende Atmosphäre über der Stadt, als Beweis dafür, wie sehr Schönheit verwandelt.

Teuer war sie allerdings, die Bundesgartenschau: über 100 Millionen Euro hat das ganze gekostet – und doch empfindet jeder, daß es gut angelegtes Geld war und die Stadt sowie die heimische Wirtschaft sehr belebt hat. Ganz nebenbei: Allein die Pleitebank HRE hat die möglicherweise tausendfache Summe verschlungen, von der, außer den Spekulanten, niemand etwas hatte und die ausreichen würde, sämtliche Städte Deutschlands in ein Blumenmeer zu verwandeln – wir hätten die Wahl!

Mit dieser hohen Besucherzahl wurde der Lückenbüßer Koblenz zum Rekordhalter. Keine Bundesgartenschau hat seit 1997, mit Einführung der elektronischen Zählung, auch nur annähernd diesen Besuchermagneten abgeben können.

Und doch … die eigentlichen Meister blieben unsichtbar! Ähnlich wie der beste Arzt immer nur die Bedingungen für eine Heilung schaffen kann, so kann auch der beste Gärtner lediglich die Voraussetzungen für eine derartige Schönheit gestalten. Die eigentlichen Könner sind die gestaltenden Naturkräfte, die Naturwesen, die alles zur Blüte bringen – und auch diese stehen letztlich im Dienst des Höchsten, des Schöpfers!

Wie viele von den Millionen Besuchern mögen wohl ernsthaft und dankerfüllt an Ihn gedacht haben?

Während des Schreibens dieser Zeilen, in den letzten Oktobertagen 2011, verblüht nun langsam der Rest der außerordentlichen Pracht, immer noch eine herbe Schönheit ausstrahlend … und eine gewisse Wehmut auslösend. Sie gemahnt uns an das Vergängliche aller irdischen Formen, daran, daß wir dem Ruf der Schönheit folgen sollen und rechtzeitig alles ablegen, was uns daran hindert, in die Sphären einzutreten, von denen hier ein Abglanz zu sehen war.



Autor: Paul Schmitt
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