12 Goldene Regeln für eine gelungene Erziehung (2)
„Denken Sie jetzt nicht an einen rosaroten Elefanten!“
Von der Kultur des Ja-Sagens und Zutrauens
Die wichtigsten Grundlagen für eine gelungene Erziehung haben Sie bereits im Heft 66 kennengelernt. Wenn Sie diese beherzigen, ist die folgende Regel Nr. 3 wahrscheinlich schon so gut wie selbstverständlich:
Auf jedes „Nein“ folgt zehnmal „Ja“
Natürlich ist diese „Formel“ im übertragenen Sinne gemeint. Wenn Ihr Kind etwas tut, was sein Leben oder seine Gesundheit gefährdet, dann ist ein Nein nötig. Doch wird Ihr Kind viel spontaner und auch schneller reagieren, wenn es selten ein solches Nein hört. Die Dringlichkeit ist dann automatisch gegeben.
Bevor Sie aber normalerweise Nein sagen, halten Sie einen Moment inne und überlegen, ob dieses Nein wirklich angebracht ist. Unserer Erfahrung nach sind die meisten Neins überflüssig.
Überprüfen Sie im Alltag, inwieweit Ihr Nein einer „Inflation“ unterliegt. Wenn Sie oft etwas verbieten – und das tun Sie mit einem Nein –, bekommen die Kinder kein gutes Realitätsgefühl! Und auch das Vertrauen in sich selbst wird dadurch eingeschränkt. Kinder wollen die Realität mit all ihren Facetten kennenlernen – auch wenn es für uns Erwachsene manchmal schwer zu ertragen ist. Wenn Ihre Grenze einmal wirklich erreicht ist, dann ist ein Nein natürlich angebracht, denn auch die Kinder müssen Ihre Grenzen akzeptieren.
Wenn Sie mit dem Nein schön „geizig“ umgehen, dann werden Ihre Kinder Ihr Nein auch problemlos akzeptieren. Das ist unsere Erfahrung. Wir sind immer wieder erstaunt, wie anstandslos unsere Enkelin ein Nein annimmt. Aber sie hört von uns auch fast nie eines.
Überlegen Sie sich: Wenn Sie oft unüberlegt Nein sagen, müssen Sie entweder Ihr Nein andauernd korrigieren – was Sie nicht sehr glaubhaft macht – oder die Kinder schalten auf „Durchzug“, was eine naheliegende Reaktion ist!, die aber viel Streß für alle Beteiligten bringt.
Außerdem erzeugt ständiges Nein-Sagen Widerstand und Frust. Beobachten Sie doch einmal, wie es Ihnen selber geht, wenn andere Ihnen ständig Absagen erteilen. Achten Sie auch auf die vielen „versteckten Neins“: „Hör auf zu hüpfen!“ „Renn nicht so rum!“ Oder auch die verneinenden Formulierungen wie: „Schlag die Tür nicht so zu!“
Benutzen Sie statt dessen bejahende Formulierungen: „Mache die Tür bitte leise zu!“
Das hört sich schon ganz anders an. Ganz abgesehen davon kommt hier das „rosarote Elefantenprinzip“ zum Tragen: „Denken Sie jetzt NICHT an einen rosaroten Elefanten!“ – Merken Sie etwas? Das Unterbewußtsein kann für das Wort „nicht“ oder „nein“ kein Bild finden. Wenn Sie also die Angewohnheit haben, in Verneinungen zu sprechen, dann fördern Sie genau das, was Sie vermeiden wollen. Wandeln Sie es um in Bejahungen, dann wird vieles einfacher.
Manchmal werden Verbote auch einfach aus der eigenen Unzufriedenheit heraus ausgesprochen. Deshalb kümmern Sie sich gut um sich selber, schauen Sie, daß Sie Dinge tun, die Ihr Herz erfüllen. Zufriedene Eltern ergeben zufriedene Kinder. Achten Sie darauf, daß es Ihnen gutgeht! Und wenn es Ihnen mal nicht gutgeht, dann sagen Sie es Ihrem Kind ehrlich. Unsere Erfahrung ist, daß die Kinder damit sehr gut umgehen können, weil sie fühlen, daß sie ernstgenommen werden, und weil sie wissen, daß es nichts mit ihrem Verhalten zu tun hat.
Und zum Schluß von Regel 3 noch eine Überlegung: Wenn Sie sehr sparsam mit dem Nein umgehen, dann wird das Nein mit zunehmendem Alter des Kindes automatisch noch weniger benötigt werden – das ist ganz natürlich, denn das Kind entwickelt so ein gesundes Realitätsgefühl und findet später als Jugendlicher im Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten selber die geeigneten Wege für seine Entfaltung. –
Und nun zum „heiklen Thema“, Regel Nr. 4:
Trauen Sie Ihrem Kind etwas zu!
Aus Angst, daß den Kindern etwas passiert oder sie sich wehtun, nehmen wir ihnen oft die Möglichkeit, etwas zu wagen, etwas zu erleben und etwas ganz alleine zu schaffen. Es ist ja lieb gemeint, es ist eine Form zu zeigen: Ich kümmere mich um dich!
Aber fragen Sie sich trotzdem: Hilft das meinem Kind weiter?
Manchmal sind Erfahrungen mit Schmerzen verbunden – na und? Erinnern Sie sich daran, wie Ihre Kinder laufen gelernt haben. Auch dabei sind sie hingefallen, wieder aufgestanden und haben weitergeübt.
Und an alle Eltern, die Jungen haben: Jungs wollen „ganze Kerle“ werden, keine Waschlappen! Bei fast allen Naturvölkern gibt es Initiationen für die Jungen, die mit Schmerzen verbunden sind. Warum wohl?
Bewahren Sie Ihre Kinder nicht vor unangenehmen oder schwierigen Situationen, sondern begleiten Sie die Kinder „in die Gefahr“; zeigen Sie ihnen, wie sie damit umgehen können. Dann ist das meiste bald keine Gefahr mehr. Und zeigen Sie ihnen auch, wie sie mit Schmerz umgehen können (wie gehen Sie selbst mit Schmerzen um?). Schmerz gehört dazu. Wir dürfen ihn fühlen, er darf dasein. Wie oft ist es Ihnen schon passiert, daß Ihr Kind sich wehgetan hat, und Sie haben es abgelenkt: „Ach, guck mal, der kleine Vogel da oben …“ (oder so ähnlich). Doch das Kind soll seinen Schmerz fühlen dürfen und auch weinen dürfen. Ebenso ist es, wenn das Kind hinfällt: Neigen Sie auch dazu, sofort hinzustürzen und das Kind aufzuheben? Doch dann weiß es nicht, was gerade passiert ist. Es findet keinen Bezug dazu. Deshalb geben Sie Ihrem Kind die Chance, selbst wieder aufzustehen. Seien Sie einfach da – mit Ihrer Anwesenheit und Ihrem Vertrauen. (Das gilt natürlich nur bei harmlosen Verletzungen.) Und vor allem: Bleiben Sie ruhig und entspannt, sagen Sie am besten nichts! Denn alles, was ein Kind in einer Schrecksituation hört, wandert sofort ins Unterbewußtsein. Deshalb: Passen Sie auf Ihre Worte auf!
Die wichtigsten Grundlagen für eine gelungene Erziehung haben Sie bereits im Heft 66 kennengelernt. Wenn Sie diese beherzigen, ist die folgende Regel Nr. 3 wahrscheinlich schon so gut wie selbstverständlich:
Auf jedes „Nein“ folgt zehnmal „Ja“
Natürlich ist diese „Formel“ im übertragenen Sinne gemeint. Wenn Ihr Kind etwas tut, was sein Leben oder seine Gesundheit gefährdet, dann ist ein Nein nötig. Doch wird Ihr Kind viel spontaner und auch schneller reagieren, wenn es selten ein solches Nein hört. Die Dringlichkeit ist dann automatisch gegeben.
Bevor Sie aber normalerweise Nein sagen, halten Sie einen Moment inne und überlegen, ob dieses Nein wirklich angebracht ist. Unserer Erfahrung nach sind die meisten Neins überflüssig.
Überprüfen Sie im Alltag, inwieweit Ihr Nein einer „Inflation“ unterliegt. Wenn Sie oft etwas verbieten – und das tun Sie mit einem Nein –, bekommen die Kinder kein gutes Realitätsgefühl! Und auch das Vertrauen in sich selbst wird dadurch eingeschränkt. Kinder wollen die Realität mit all ihren Facetten kennenlernen – auch wenn es für uns Erwachsene manchmal schwer zu ertragen ist. Wenn Ihre Grenze einmal wirklich erreicht ist, dann ist ein Nein natürlich angebracht, denn auch die Kinder müssen Ihre Grenzen akzeptieren.
Wenn Sie mit dem Nein schön „geizig“ umgehen, dann werden Ihre Kinder Ihr Nein auch problemlos akzeptieren. Das ist unsere Erfahrung. Wir sind immer wieder erstaunt, wie anstandslos unsere Enkelin ein Nein annimmt. Aber sie hört von uns auch fast nie eines.
Überlegen Sie sich: Wenn Sie oft unüberlegt Nein sagen, müssen Sie entweder Ihr Nein andauernd korrigieren – was Sie nicht sehr glaubhaft macht – oder die Kinder schalten auf „Durchzug“, was eine naheliegende Reaktion ist!, die aber viel Streß für alle Beteiligten bringt.
Außerdem erzeugt ständiges Nein-Sagen Widerstand und Frust. Beobachten Sie doch einmal, wie es Ihnen selber geht, wenn andere Ihnen ständig Absagen erteilen. Achten Sie auch auf die vielen „versteckten Neins“: „Hör auf zu hüpfen!“ „Renn nicht so rum!“ Oder auch die verneinenden Formulierungen wie: „Schlag die Tür nicht so zu!“
Benutzen Sie statt dessen bejahende Formulierungen: „Mache die Tür bitte leise zu!“
Das hört sich schon ganz anders an. Ganz abgesehen davon kommt hier das „rosarote Elefantenprinzip“ zum Tragen: „Denken Sie jetzt NICHT an einen rosaroten Elefanten!“ – Merken Sie etwas? Das Unterbewußtsein kann für das Wort „nicht“ oder „nein“ kein Bild finden. Wenn Sie also die Angewohnheit haben, in Verneinungen zu sprechen, dann fördern Sie genau das, was Sie vermeiden wollen. Wandeln Sie es um in Bejahungen, dann wird vieles einfacher.
Manchmal werden Verbote auch einfach aus der eigenen Unzufriedenheit heraus ausgesprochen. Deshalb kümmern Sie sich gut um sich selber, schauen Sie, daß Sie Dinge tun, die Ihr Herz erfüllen. Zufriedene Eltern ergeben zufriedene Kinder. Achten Sie darauf, daß es Ihnen gutgeht! Und wenn es Ihnen mal nicht gutgeht, dann sagen Sie es Ihrem Kind ehrlich. Unsere Erfahrung ist, daß die Kinder damit sehr gut umgehen können, weil sie fühlen, daß sie ernstgenommen werden, und weil sie wissen, daß es nichts mit ihrem Verhalten zu tun hat.
Und zum Schluß von Regel 3 noch eine Überlegung: Wenn Sie sehr sparsam mit dem Nein umgehen, dann wird das Nein mit zunehmendem Alter des Kindes automatisch noch weniger benötigt werden – das ist ganz natürlich, denn das Kind entwickelt so ein gesundes Realitätsgefühl und findet später als Jugendlicher im Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten selber die geeigneten Wege für seine Entfaltung. –
Und nun zum „heiklen Thema“, Regel Nr. 4:
Trauen Sie Ihrem Kind etwas zu!
Aus Angst, daß den Kindern etwas passiert oder sie sich wehtun, nehmen wir ihnen oft die Möglichkeit, etwas zu wagen, etwas zu erleben und etwas ganz alleine zu schaffen. Es ist ja lieb gemeint, es ist eine Form zu zeigen: Ich kümmere mich um dich!
Aber fragen Sie sich trotzdem: Hilft das meinem Kind weiter?
Manchmal sind Erfahrungen mit Schmerzen verbunden – na und? Erinnern Sie sich daran, wie Ihre Kinder laufen gelernt haben. Auch dabei sind sie hingefallen, wieder aufgestanden und haben weitergeübt.
Und an alle Eltern, die Jungen haben: Jungs wollen „ganze Kerle“ werden, keine Waschlappen! Bei fast allen Naturvölkern gibt es Initiationen für die Jungen, die mit Schmerzen verbunden sind. Warum wohl?
Bewahren Sie Ihre Kinder nicht vor unangenehmen oder schwierigen Situationen, sondern begleiten Sie die Kinder „in die Gefahr“; zeigen Sie ihnen, wie sie damit umgehen können. Dann ist das meiste bald keine Gefahr mehr. Und zeigen Sie ihnen auch, wie sie mit Schmerz umgehen können (wie gehen Sie selbst mit Schmerzen um?). Schmerz gehört dazu. Wir dürfen ihn fühlen, er darf dasein. Wie oft ist es Ihnen schon passiert, daß Ihr Kind sich wehgetan hat, und Sie haben es abgelenkt: „Ach, guck mal, der kleine Vogel da oben …“ (oder so ähnlich). Doch das Kind soll seinen Schmerz fühlen dürfen und auch weinen dürfen. Ebenso ist es, wenn das Kind hinfällt: Neigen Sie auch dazu, sofort hinzustürzen und das Kind aufzuheben? Doch dann weiß es nicht, was gerade passiert ist. Es findet keinen Bezug dazu. Deshalb geben Sie Ihrem Kind die Chance, selbst wieder aufzustehen. Seien Sie einfach da – mit Ihrer Anwesenheit und Ihrem Vertrauen. (Das gilt natürlich nur bei harmlosen Verletzungen.) Und vor allem: Bleiben Sie ruhig und entspannt, sagen Sie am besten nichts! Denn alles, was ein Kind in einer Schrecksituation hört, wandert sofort ins Unterbewußtsein. Deshalb: Passen Sie auf Ihre Worte auf!
Autor: Birgit und Philipp Siefert
