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Elisabeth Ryhre

Fenster in die Wunderwelt

Die schwedische Malerin Elisabeth Ryhre hat einen besonderen persönlichen Bezug zu Naturwesen. Gerd Harms sprach mit ihr über Einblicke in diese »Wunderwelt«.

GralsWelt: Elisabeth, Sie kommen gerade aus Lappland zurück, ja, haben sich extra beeilt, um rechtzeitig zu diesem Interview hier zu sein. Dafür im Namen unserer Leser recht herzlichen Dank! Verfolgt man die Entwicklung Ihrer Malerei, so sieht man, daß Sie stets bemüht waren, das durch die Natur Vorgegebene sehr genau und detailreich darzustellen, und daß Sie zunächst Bilder mit mehr symbolischem Gehalt malten. Seit etlichen Jahren nun bringen Sie etwas zum Ausdruck, was für viele Menschen reiner Phantasie entspringt, was aber Ihrer Erfahrung und Ihrer Überzeugung nach mehr ist als das, nämlich der Ausdruck einer anderen Wirklichkeit hinter der äußeren Erscheinung der Natur.

Ryhre: Meine Entwicklung ist ein typisches Beispiel für den Weg der Menschen unserer Zeit. Ich bin in der Natur aufgewachsen, lebe in ihr und empfand stets besondere Beziehungen zu ihr. Oftmals glaubte ich in den äußeren Gestaltungen der Natur, wie Bäumen, Felsen, Wolken und Wasser, Gesichter und anderes zu sehen, aber lange Zeit hindurch dachte ich, das entspringe allein meiner Phantasie. Als Schwedin wußte ich natürlich von den vielen Geschichten um Tomte, Trolle und andere Gestalten, die bei uns verbreitet sind, aber das gehörte meiner Meinung nach in den Bereich der Märchen und Sagen, war nicht wirklich, so, wie ich die Wirklichkeit verstand. Dann gab es da die Begegnung mit einer Frau, die über die "kleinen Leute" sprach, aber das konnte ich zunächst nicht ernst nehmen. Nur flößte mir diese Frau durch ihre übrige Art große Achtung ein, so daß ich in meinem Urteil doch etwas wankend war. Zudem erinnerte ich mich bei dieser Gelegenheit daran, daß meine Mutter wiederholt berichtete, ich hätte während meiner Kindheit immer wieder von "Freunden" gesprochen, mit ihnen gespielt, sie mit ins Haus gebracht usw. Aber niemand habe etwas gesehen, so daß es nur meine Phantasie gewesen sein könne. Ich hatte keine eigene Erinnerung daran, nur an die Berichte der Mutter.

Viel später ist mir klar geworden, daß es die erste Begegnung mit dem war, was ich dann als Erwachsene bewußt wahrzunehmen lernte. Etliche Jahre lebte ich auf Madeira, und dort begann ich, mich bei meiner Malerei mehr fragend und bittend der Natur zuzuwenden. Und ich bekam immer mehr den Eindruck, daß die Natur mir auf ihre Weise Antwort gab auf meine Fragen oder Gedanken. So bat ich eine verblühende Blüte darum, frisch zu bleiben, bis ich ihr genaues Abbild auf der Leinwand hatte, und konnte dann tatsächlich erleben, daß die Natur meinem Wunsch folgte, was mich in meinem Streben sehr bestärkte. Nachdem ich dann wieder zurück war in Schweden, setzte ich meine Bemühungen fort, etwas wahrzunehmen von dem, was sich verbergen mochte hinter den äußeren Naturerscheinungen, aber als ein Kind unserer Zeit kamen mir immer wieder Zweifel, und ich überlegte, ob nicht einfach meine Phantasie nur den Wunschgedanken nachgab. Verschiedene Erlebnisse zeigten mir aber schließlich doch, daß es dort eine Wirklichkeit gab, die ihren Ursprung nicht in meinem eigenen Denken, in meiner Phantasie haben konnte. Und so baute ich Beziehungen zu ganz bestimmten "Persönlichkeiten" oder "Wesenheiten" der Natur auf, die ich befragen konnte, die mir Antwort gaben und die sich mir zeigten.

GralsWelt: Hier wird sicher manch einer Schwierigkeiten haben, sich vorzustellen, daß man zu jemandem eine Beziehung aufbauen kann, der in der äußeren Wirklichkeit gar nicht wahrzunehmen ist. Können Sie uns etwas von dem mitteilen, was Sie von den Naturwesen, Elementarwesen oder "naturandar", wie man sie im Schwedischen nennt, erfahren haben?

Ryhre: Ich habe gefragt, was es mit diesen Tomten und Trollen auf sich hat, die sich in vielen unserer Geschichten wiederfinden oder wie man sie auch vielfach nachgebildet hat. Die Trolle leben in den Bergen. Die Tomte leben in der Nähe der Menschen. Sie kümmern sich zum Beispiel um die Tiere in den Stallungen, stehen diesen nahe. Dabei gibt es sehr, sehr viele verschiedene Arten, solche, die sich auf uns Menschen einlassen und solche, die das nicht tun. Einige werden von uns, unserem Handeln und Denken berührt, andere wieder nicht. Ihre Aufgabe besteht zum Beispiel darin, das, was im Samen als eine Art Bauplan festgelegt ist, zur Entfaltung zu bringen, sich darum zu kümmern, daß alles richtig abläuft, was wir als Wachstum, Blühen usw. wahrnehmen. Sie haben sich heute aber oft zurückgezogen, weil die Grundlage für ein Zusammenwirken mit den Menschen nicht mehr gegeben ist. Nach dem, was mir mitgeteilt wurde, sehen die Wesen, die in irgendeiner Form mit dem Menschen zusammenwirken, den Menschen auch ähnlich, passen sich ihnen an, zeigen sich in einer entsprechenden Gestalt. Die Wesen, die unmittelbarer an der Gestaltung der Natur arbeiten, haben ein mehr naturhaftes Aussehen, jeweils ihrer Aufgabe entsprechend.

Wenn wir etwas von diesen Naturwesen "sehen", dann müssen sie sich uns, unserer Wahrnehmungsfähigkeit irgendwie anpassen. Aber meine Wahrnehmung dieser Wesenheiten geschieht jetzt nicht nur über das äußere Auge. Ich habe gelernt, eine Art meditative Haltung einzunehmen. Normalerweise sind wir Gefangene unserer eigenen Gedanken und Vorstellungen. Wir sind von diesen ganz erfüllt und nicht mehr geöffnet für das, was darüber hinausgeht. Wenn wir davon lassen, dann ist die Verbindung zu diesen Wesenheiten, das Fragen und Antworten, über eine Art von mentaler Brücke möglich.

GralsWelt: Ist es nicht sehr schwierig, das von außen Wahrgenommene getrennt zu halten von dem, was aus unserem eigenen Inneren kommt an Gedanken und Vorstellungen?

Ryhre:
Dies ist in der Tat eine große Schwierigkeit, der jeder auf seine eigene Art und Weise begegnen muß. Es hat wenig Sinn, es darin anderen nachmachen zu wollen, man muß eigene Wege finden. Inzwischen weiß ich, daß auch andere Menschen diese Wesen wahrzunehmen vermögen, sie mußten es nicht immer erst wieder lernen wie ich.

GralsWelt: Wenn man Ihre Bilder anschaut und die vielen darin verborgenen Gesichter und Gestalten entdeckt, die irgendwie mit der natürlichen Umgebung verschmolzen scheinen oder sich darin abzeichnen, dann ist man zunächst einmal erstaunt darüber, wie es Ihnen gelingt, das in dieser Weise darzustellen. Die Bilder erscheinen detailreich wie eine Fotografie. Dann aber fragt man sich, wie es kommt, daß diese Gesichter alle so ähnliche Züge aufweisen, vielleicht irgendwie so etwas typisch Schwedisches.

Ryhre: Ich bin nicht der Meinung daß diese Gesichter alle gleich sind. Aber ich lebe natürlich hier, auch mein Körper, mein Aussehen sind mitbestimmt durch meinen Ursprung. Als ich jetzt in Lappland war, habe ich beobachtet, daß die Naturwesen einen Ausdruck haben, der den dortigen Menschen entspricht.

GralsWelt: Wenn man das Wirken von Naturwesen annimmt, ist also die verbreitete Vorstellung, daß die Natur einzig eine durch Chemie, Physik, Energie und Naturgesetze bestimmte Erscheinung ist, zumindest unvollständig.

Ryhre: Ja, ich kann nicht verstehen, wie sich Menschen mit einer so dürftigen Erklärung für das Lebendige zufriedengeben können. Sie erleben, daß überall dort, wo etwas Sinnvolles aufgebaut oder aufrechterhalten werden soll, Intelligenz und Wille zum Einsatz kommen müssen, also Wirklichkeiten einer höheren Art. Warum nehmen sie an, daß dies in den Bereichen, die nicht von ihnen gestaltet werden, anders ist? Auch die verbreiteten Vorstellungen von der Evolution des Lebens, nach der der Entwicklungsprozeß der Natur zufallsbestimmt sein soll, erscheinen wenig überzeugend. Das heißt, ich kann nicht verstehen, wie Menschen so etwas für wahr halten können.

GralsWelt: Dann sind also Ihrer Überzeugung oder Erfahrung nach überall im Naturgeschehen Naturwesen am Wirken. Wie ist es denn, wenn in einem heutigen Forschungsinstitut mit Pflanzen experimentiert wird. Das ist ein Ort, wo man von Naturwesen ganz bestimmt nichts wissen will. Sind diese Wesen auch dort wirksam, um die Pflanzen wachsen zu lassen?


Ryhre: Sicherlich, ohne sie geht es gar nicht.

GralsWelt: Viele Menschen finden die Natur grausam und unerbittlich mit ihrem Fressen und Gefressen-Werden.

Ryhre: Diese Frage hat auch mich bewegt, und ich bat um Auskunft. Danach sieht es doch anders aus, als wir uns das denken. Wenn zum Beispiel ein Fuchs einen Dachs schlägt, dann geht das nicht ohne eine Art von Übereinkommen zwischen den beiden. Der Dachs ist dann bereit, sein Leben zu lassen, was ja nichts weiter heißt, als daß er seine irdische Erscheinungsform aufgibt. Als ein Wald gerodet wurde in der Nähe meines Wohnortes hatten die Naturwesen ihn verlassen, bevor die Männer mit ihren Maschinen anrückten.

GralsWelt: Auf einem Ihrer Bilder, das eine Felswand in einem typisch schwedischen Wald zeigt, sind sehr viele Gesichter zu entdecken. Waren diese alle gleichzeitig zu sehen, während sie sie malten?

Ryhre: Nein, in den vielen Tagen, während ich an diesem Bild arbeitete, traten sie einzeln in Erscheinung und verschwanden dann auch wieder. Erst zum Abschluß dieser Arbeit, bei der ich mir sehr deutlich der Anwesenheit und Mitwirkung der Naturwesen bewußt war, da hatten wir so etwas wie ein gemeinsames Freudenfest, und ich sah sie alle.

GralsWelt: Wie ist es möglich, daß sich im festen Felsen diese Gesichter zeigen können?

Ryhre: Oh nein, der Fels ist keineswegs so fest, wie wir denken. Unter der Einwirkung von Naturwesen wird er formbar, und sie können ihn gestalten, entweder vorübergehend, kurzzeitig also, oder für dauernd. Die meisten Menschen haben so etwas nur noch nie beobachtet. Bei diesen kurzzeitigen Verformungen werden ja auch die langfristig bestehenden Formen geschickt mit einbezogen oder ausgenutzt. Ich denke, das ist auf meinen Bildern gut zu sehen. Manchmal läßt es sich auch auf Fotos festhalten. Ich habe eine Reihe von Fotos, die Gestaltungen zeigen, wie ich sie auf meinen Bildern wiedergebe.

GralsWelt: Wie ist denn die Reaktion auf die Bilder über die Wunderwelt, die sich Ihnen erschlossen hat? 1993/1994 zeigte Göteborgs Kunstmuseum ja eine Ausstellung und einen Film, in dem Sie von Ihren Erfahrungen berichten. Der Film wurde auch im schwedischen und norwegischen Fernsehen gesendet. Das Museum hat Postkarten von einigen Ihrer Bilder angefertigt. Es gibt einige Drucke im Großformat.

Ryhre: Durch all dies bin ich natürlich ein wenig bekannt geworden. Aber wie das immer so ist, richtig zur Kenntnis genommen werden diese Dinge nur von Menschen, die dafür mehr oder weniger geöffnet sind. So habe ich viel Post bekommen, darunter auch von Menschen, die ähnliches erleben. Als ich einmal auf einem internationalen Treffen über meine Erfahrungen sprach, kam ein Koreaner zu mir und sagte, ich solle sie doch aufschreiben. Seine Großmutter habe von diesen Naturwesen noch gewußt, aber inzwischen sei dieses Wissen (wie übrigens auch in Schweden) fast ganz verlorengegangen. Da sagte ich mir, wenn dies sogar ein Mann aus Korea, aus einem ganz anderen Teil der Welt so sieht, dann solltest du vielleicht doch deine Erfahrungen anderen zugänglich machen, auch wenn du nicht die erste bist, die sich dazu äußert. – Das Buch habe ich inzwischen geschrieben. Ich hoffe, daß ein Verlag zugreifen wird.

GralsWelt: Denken Sie, daß wir Menschen die Verbindung zu den Wesenheiten der Natur wieder zurückgewinnen können?

Ryhre: Ja, ich denke schon, daß wir umkehren und jenes Wissen wieder aufnehmen müssen, was uns verlorengegangen ist. Es stehen dem zwar zur Zeit für die Allgemeinheit immer noch starke Hinderungsgründe entgegen, der Materialismus,der das Verlangen nach irdischen Besitztümern und Naturbeherrschung entfacht hat und zu einem entsprechend einseitigen Denken führt, die Bindung an orthodoxe Glaubensinhalte, die Angst, sich auf etwas einzulassen, was einem bisher fremd war und wo es schwer ist, das Wahre vom Unwahren zu unterscheiden. Aber es regt sich doch in vielen Menschen, die empfinden, deren Sehnsucht dahin geht, wieder naturverbundener zu werden.

GralsWelt: Sind Sie selbst sich der Anwesenheit und des Wirkens der Naturwesen ständig bewußt?


Ryhre: Nein. Es ist so wie mit meinem Nachbarn, der vielleicht oftmals am Tage an meinem Fenster vorübergeht. Ich weiß, daß es ihn gibt und daß ich mit ihm sprechen kann, wenn ich das will, und auch umgekehrt. Aber ich denke nicht ständig an ihn.

GralsWelt: Elisabeth, wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch!


GralsWelt: Elisabeth, Sie kommen gerade aus Lappland zurück, ja, haben sich extra beeilt, um rechtzeitig zu diesem Interview hier zu sein. Dafür im Namen unserer Leser recht herzlichen Dank! Verfolgt man die Entwicklung Ihrer Malerei, so sieht man, daß Sie stets bemüht waren, das durch die Natur Vorgegebene sehr genau und detailreich darzustellen, und daß Sie zunächst Bilder mit mehr symbolischem Gehalt malten. Seit etlichen Jahren nun bringen Sie etwas zum Ausdruck, was für viele Menschen reiner Phantasie entspringt, was aber Ihrer Erfahrung und Ihrer Überzeugung nach mehr ist als das, nämlich der Ausdruck einer anderen Wirklichkeit hinter der äußeren Erscheinung der Natur.

Ryhre: Meine Entwicklung ist ein typisches Beispiel für den Weg der Menschen unserer Zeit. Ich bin in der Natur aufgewachsen, lebe in ihr und empfand stets besondere Beziehungen zu ihr. Oftmals glaubte ich in den äußeren Gestaltungen der Natur, wie Bäumen, Felsen, Wolken und Wasser, Gesichter und anderes zu sehen, aber lange Zeit hindurch dachte ich, das entspringe allein meiner Phantasie. Als Schwedin wußte ich natürlich von den vielen Geschichten um Tomte, Trolle und andere Gestalten, die bei uns verbreitet sind, aber das gehörte meiner Meinung nach in den Bereich der Märchen und Sagen, war nicht wirklich, so, wie ich die Wirklichkeit verstand. Dann gab es da die Begegnung mit einer Frau, die über die "kleinen Leute" sprach, aber das konnte ich zunächst nicht ernst nehmen. Nur flößte mir diese Frau durch ihre übrige Art große Achtung ein, so daß ich in meinem Urteil doch etwas wankend war. Zudem erinnerte ich mich bei dieser Gelegenheit daran, daß meine Mutter wiederholt berichtete, ich hätte während meiner Kindheit immer wieder von "Freunden" gesprochen, mit ihnen gespielt, sie mit ins Haus gebracht usw. Aber niemand habe etwas gesehen, so daß es nur meine Phantasie gewesen sein könne. Ich hatte keine eigene Erinnerung daran, nur an die Berichte der Mutter.

Viel später ist mir klar geworden, daß es die erste Begegnung mit dem war, was ich dann als Erwachsene bewußt wahrzunehmen lernte. Etliche Jahre lebte ich auf Madeira, und dort begann ich, mich bei meiner Malerei mehr fragend und bittend der Natur zuzuwenden. Und ich bekam immer mehr den Eindruck, daß die Natur mir auf ihre Weise Antwort gab auf meine Fragen oder Gedanken. So bat ich eine verblühende Blüte darum, frisch zu bleiben, bis ich ihr genaues Abbild auf der Leinwand hatte, und konnte dann tatsächlich erleben, daß die Natur meinem Wunsch folgte, was mich in meinem Streben sehr bestärkte. Nachdem ich dann wieder zurück war in Schweden, setzte ich meine Bemühungen fort, etwas wahrzunehmen von dem, was sich verbergen mochte hinter den äußeren Naturerscheinungen, aber als ein Kind unserer Zeit kamen mir immer wieder Zweifel, und ich überlegte, ob nicht einfach meine Phantasie nur den Wunschgedanken nachgab. Verschiedene Erlebnisse zeigten mir aber schließlich doch, daß es dort eine Wirklichkeit gab, die ihren Ursprung nicht in meinem eigenen Denken, in meiner Phantasie haben konnte. Und so baute ich Beziehungen zu ganz bestimmten "Persönlichkeiten" oder "Wesenheiten" der Natur auf, die ich befragen konnte, die mir Antwort gaben und die sich mir zeigten.

GralsWelt: Hier wird sicher manch einer Schwierigkeiten haben, sich vorzustellen, daß man zu jemandem eine Beziehung aufbauen kann, der in der äußeren Wirklichkeit gar nicht wahrzunehmen ist. Können Sie uns etwas von dem mitteilen, was Sie von den Naturwesen, Elementarwesen oder "naturandar", wie man sie im Schwedischen nennt, erfahren haben?

Ryhre: Ich habe gefragt, was es mit diesen Tomten und Trollen auf sich hat, die sich in vielen unserer Geschichten wiederfinden oder wie man sie auch vielfach nachgebildet hat. Die Trolle leben in den Bergen. Die Tomte leben in der Nähe der Menschen. Sie kümmern sich zum Beispiel um die Tiere in den Stallungen, stehen diesen nahe. Dabei gibt es sehr, sehr viele verschiedene Arten, solche, die sich auf uns Menschen einlassen und solche, die das nicht tun. Einige werden von uns, unserem Handeln und Denken berührt, andere wieder nicht. Ihre Aufgabe besteht zum Beispiel darin, das, was im Samen als eine Art Bauplan festgelegt ist, zur Entfaltung zu bringen, sich darum zu kümmern, daß alles richtig abläuft, was wir als Wachstum, Blühen usw. wahrnehmen. Sie haben sich heute aber oft zurückgezogen, weil die Grundlage für ein Zusammenwirken mit den Menschen nicht mehr gegeben ist. Nach dem, was mir mitgeteilt wurde, sehen die Wesen, die in irgendeiner Form mit dem Menschen zusammenwirken, den Menschen auch ähnlich, passen sich ihnen an, zeigen sich in einer entsprechenden Gestalt. Die Wesen, die unmittelbarer an der Gestaltung der Natur arbeiten, haben ein mehr naturhaftes Aussehen, jeweils ihrer Aufgabe entsprechend.

Wenn wir etwas von diesen Naturwesen "sehen", dann müssen sie sich uns, unserer Wahrnehmungsfähigkeit irgendwie anpassen. Aber meine Wahrnehmung dieser Wesenheiten geschieht jetzt nicht nur über das äußere Auge. Ich habe gelernt, eine Art meditative Haltung einzunehmen. Normalerweise sind wir Gefangene unserer eigenen Gedanken und Vorstellungen. Wir sind von diesen ganz erfüllt und nicht mehr geöffnet für das, was darüber hinausgeht. Wenn wir davon lassen, dann ist die Verbindung zu diesen Wesenheiten, das Fragen und Antworten, über eine Art von mentaler Brücke möglich.

GralsWelt: Ist es nicht sehr schwierig, das von außen Wahrgenommene getrennt zu halten von dem, was aus unserem eigenen Inneren kommt an Gedanken und Vorstellungen?

Ryhre:
Dies ist in der Tat eine große Schwierigkeit, der jeder auf seine eigene Art und Weise begegnen muß. Es hat wenig Sinn, es darin anderen nachmachen zu wollen, man muß eigene Wege finden. Inzwischen weiß ich, daß auch andere Menschen diese Wesen wahrzunehmen vermögen, sie mußten es nicht immer erst wieder lernen wie ich.

GralsWelt: Wenn man Ihre Bilder anschaut und die vielen darin verborgenen Gesichter und Gestalten entdeckt, die irgendwie mit der natürlichen Umgebung verschmolzen scheinen oder sich darin abzeichnen, dann ist man zunächst einmal erstaunt darüber, wie es Ihnen gelingt, das in dieser Weise darzustellen. Die Bilder erscheinen detailreich wie eine Fotografie. Dann aber fragt man sich, wie es kommt, daß diese Gesichter alle so ähnliche Züge aufweisen, vielleicht irgendwie so etwas typisch Schwedisches.

Ryhre: Ich bin nicht der Meinung daß diese Gesichter alle gleich sind. Aber ich lebe natürlich hier, auch mein Körper, mein Aussehen sind mitbestimmt durch meinen Ursprung. Als ich jetzt in Lappland war, habe ich beobachtet, daß die Naturwesen einen Ausdruck haben, der den dortigen Menschen entspricht.

GralsWelt: Wenn man das Wirken von Naturwesen annimmt, ist also die verbreitete Vorstellung, daß die Natur einzig eine durch Chemie, Physik, Energie und Naturgesetze bestimmte Erscheinung ist, zumindest unvollständig.

Ryhre: Ja, ich kann nicht verstehen, wie sich Menschen mit einer so dürftigen Erklärung für das Lebendige zufriedengeben können. Sie erleben, daß überall dort, wo etwas Sinnvolles aufgebaut oder aufrechterhalten werden soll, Intelligenz und Wille zum Einsatz kommen müssen, also Wirklichkeiten einer höheren Art. Warum nehmen sie an, daß dies in den Bereichen, die nicht von ihnen gestaltet werden, anders ist? Auch die verbreiteten Vorstellungen von der Evolution des Lebens, nach der der Entwicklungsprozeß der Natur zufallsbestimmt sein soll, erscheinen wenig überzeugend. Das heißt, ich kann nicht verstehen, wie Menschen so etwas für wahr halten können.

GralsWelt: Dann sind also Ihrer Überzeugung oder Erfahrung nach überall im Naturgeschehen Naturwesen am Wirken. Wie ist es denn, wenn in einem heutigen Forschungsinstitut mit Pflanzen experimentiert wird. Das ist ein Ort, wo man von Naturwesen ganz bestimmt nichts wissen will. Sind diese Wesen auch dort wirksam, um die Pflanzen wachsen zu lassen?


Ryhre: Sicherlich, ohne sie geht es gar nicht.

GralsWelt: Viele Menschen finden die Natur grausam und unerbittlich mit ihrem Fressen und Gefressen-Werden.

Ryhre: Diese Frage hat auch mich bewegt, und ich bat um Auskunft. Danach sieht es doch anders aus, als wir uns das denken. Wenn zum Beispiel ein Fuchs einen Dachs schlägt, dann geht das nicht ohne eine Art von Übereinkommen zwischen den beiden. Der Dachs ist dann bereit, sein Leben zu lassen, was ja nichts weiter heißt, als daß er seine irdische Erscheinungsform aufgibt. Als ein Wald gerodet wurde in der Nähe meines Wohnortes hatten die Naturwesen ihn verlassen, bevor die Männer mit ihren Maschinen anrückten.

GralsWelt: Auf einem Ihrer Bilder, das eine Felswand in einem typisch schwedischen Wald zeigt, sind sehr viele Gesichter zu entdecken. Waren diese alle gleichzeitig zu sehen, während sie sie malten?

Ryhre: Nein, in den vielen Tagen, während ich an diesem Bild arbeitete, traten sie einzeln in Erscheinung und verschwanden dann auch wieder. Erst zum Abschluß dieser Arbeit, bei der ich mir sehr deutlich der Anwesenheit und Mitwirkung der Naturwesen bewußt war, da hatten wir so etwas wie ein gemeinsames Freudenfest, und ich sah sie alle.

GralsWelt: Wie ist es möglich, daß sich im festen Felsen diese Gesichter zeigen können?

Ryhre: Oh nein, der Fels ist keineswegs so fest, wie wir denken. Unter der Einwirkung von Naturwesen wird er formbar, und sie können ihn gestalten, entweder vorübergehend, kurzzeitig also, oder für dauernd. Die meisten Menschen haben so etwas nur noch nie beobachtet. Bei diesen kurzzeitigen Verformungen werden ja auch die langfristig bestehenden Formen geschickt mit einbezogen oder ausgenutzt. Ich denke, das ist auf meinen Bildern gut zu sehen. Manchmal läßt es sich auch auf Fotos festhalten. Ich habe eine Reihe von Fotos, die Gestaltungen zeigen, wie ich sie auf meinen Bildern wiedergebe.

GralsWelt: Wie ist denn die Reaktion auf die Bilder über die Wunderwelt, die sich Ihnen erschlossen hat? 1993/1994 zeigte Göteborgs Kunstmuseum ja eine Ausstellung und einen Film, in dem Sie von Ihren Erfahrungen berichten. Der Film wurde auch im schwedischen und norwegischen Fernsehen gesendet. Das Museum hat Postkarten von einigen Ihrer Bilder angefertigt. Es gibt einige Drucke im Großformat.

Ryhre: Durch all dies bin ich natürlich ein wenig bekannt geworden. Aber wie das immer so ist, richtig zur Kenntnis genommen werden diese Dinge nur von Menschen, die dafür mehr oder weniger geöffnet sind. So habe ich viel Post bekommen, darunter auch von Menschen, die ähnliches erleben. Als ich einmal auf einem internationalen Treffen über meine Erfahrungen sprach, kam ein Koreaner zu mir und sagte, ich solle sie doch aufschreiben. Seine Großmutter habe von diesen Naturwesen noch gewußt, aber inzwischen sei dieses Wissen (wie übrigens auch in Schweden) fast ganz verlorengegangen. Da sagte ich mir, wenn dies sogar ein Mann aus Korea, aus einem ganz anderen Teil der Welt so sieht, dann solltest du vielleicht doch deine Erfahrungen anderen zugänglich machen, auch wenn du nicht die erste bist, die sich dazu äußert. – Das Buch habe ich inzwischen geschrieben. Ich hoffe, daß ein Verlag zugreifen wird.

GralsWelt: Denken Sie, daß wir Menschen die Verbindung zu den Wesenheiten der Natur wieder zurückgewinnen können?

Ryhre: Ja, ich denke schon, daß wir umkehren und jenes Wissen wieder aufnehmen müssen, was uns verlorengegangen ist. Es stehen dem zwar zur Zeit für die Allgemeinheit immer noch starke Hinderungsgründe entgegen, der Materialismus,der das Verlangen nach irdischen Besitztümern und Naturbeherrschung entfacht hat und zu einem entsprechend einseitigen Denken führt, die Bindung an orthodoxe Glaubensinhalte, die Angst, sich auf etwas einzulassen, was einem bisher fremd war und wo es schwer ist, das Wahre vom Unwahren zu unterscheiden. Aber es regt sich doch in vielen Menschen, die empfinden, deren Sehnsucht dahin geht, wieder naturverbundener zu werden.

GralsWelt: Sind Sie selbst sich der Anwesenheit und des Wirkens der Naturwesen ständig bewußt?


Ryhre: Nein. Es ist so wie mit meinem Nachbarn, der vielleicht oftmals am Tage an meinem Fenster vorübergeht. Ich weiß, daß es ihn gibt und daß ich mit ihm sprechen kann, wenn ich das will, und auch umgekehrt. Aber ich denke nicht ständig an ihn.

GralsWelt: Elisabeth, wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch!



Autor: Dr. Gerd Harms (Tel.: 05085 - 7691)
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  • Elisabeth Ryhre
  • Naturwesen

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